You are currently browsing the category archive for the ‘Gedanken & Fundstücke’ category.

Jesus, mein Bruder

Mein „leiblicher Bruder“ K. hat mir nie zugehört. Für ihn war ich nur die kleine Nervensäge.Jesus hört mir immer zu und liebt es, wenn ich mit ihm rede.

K. ist in sein Zimmer geflüchtet, wenn Mama mal wieder einen Tobsuchtanfall hatte (meist auf mich gerichtet, weil ich ja die „Vorlaute“ war). Wenn ich dann weinend an seine Tür geklopft habe, weil Mama mich nur anschrie, war die einzige Reaktion das Drehen des Schlüssels im Schloss.
Jesus ist mein Fürsprecher, mein Verteidiger, der für mich eintritt und für mich kämpft.

Gott, mein Vater

Papa hat sich immer herausgehalten oder war auf der Seite von Mama. Höchstens mal ein lascher Widerspruch. Oft genug war er aber mit wütend, weil Mama ihn aufgestachelt hat oder wenn er von der Arbeit nach Hause kam natürlich sofort „ihre Version“ erzählt hat, was ich jetzt wieder Unmögliches angestellt hätte. Er musste meist ran, wenn es hieß, uns zu bestrafen (an den Armen oder Beinen durch die Wohnung schleifen, vor die Haustür setzen und abschließen – dafür war Mama nicht stark genug, und ich zumindest hab mich auch schon früh gewehrt, wenn sie mich Ohrfeigen wollte, da hat sie sich nichtmehr getraut und Papa dafür vorgeschickt). Er hat nie gefragt, war immer auf der Seite von Mama, die hatte Recht. Dabei habe ich bei so vielen meiner „Vergehen“ gar nicht verstanden, was daran jetzt wieder so falsch war. (Die Regeln haben auch oft genug gewechselt, bzw. es galten eh anderen Regeln für K., Mama und Papa.)
Gott ist der gerechte Richter. Er lässt weder Unrecht zu, noch ungerechtfertigte Strafe, noch glaubt er einer falschen Zeugenaussage. Er steht hinter mir und verteidigt mich. Er nennt das Unrecht beim Namen, und hasst zweierlei Maß. Er würde mir nie wehtun.

Der heilige Geist, meine Mutter

(Der hlg. Geist ist im Griechischen weiblich.)

Mama hat immer gesagt, ihr Leben sei so einfach gewesen und dann sei ich gekommen.
Gott hat mich durch seinen Schöpfergeist geschaffen, weil er mich wollte.

Mama hat mir immer nur gesagt, was ich besser machen muss. Selbst wenn sie mal sowas wie „toll gemacht“ oder „da hast du ja ein Talent für“ gesagt hat, war das immer verbunden mit der Aufforderung, noch mehr dran zu Arbeiten, mehr zu tun, noch bessere Noten etc.Gott liebt mich ohne Vorbedingung. Der heilige Geist in mir will mir helfen, mich aufbauen. Nicht immer nur fordern, sondern er will mich unterstützen und mit mir zusammen den Weg gehen.

Mama hat mich immer nur kritisiert, die Fehler gesehen, nichts war gut genug. (Es sei denn, etwas war ihr egal, aber dann kamen meist die Sprüche, dass ich mit sowas keine Zeit verplempern soll.)
Gott sagt mir, ich bin wunderbar geschaffen.

Für Mama muss ich immer nur arbeiten und das auch nur, damit SIE es sich unter den Nagel reißen und mit ihrer Tochter angeben kann.
Gott geht es um mich, nicht um sich selbst. Der heilige Geist ist als Trost und Hilfe für mich da, er braucht keine eigene Ego-Show.

Advertisements

Heute war ich auf dem Kreuzberg, hab mir die Kapelle angeschaut, dort gebetet. Also, beim Spazieren im Wald, nicht in der Kapelle. Ich hab ein bisschen durch die Traktate geblättert und fand eins über einen Mann, der gesund wurde, nachdem er zu einem Pastor gebetet hatte, der irgendwann in den 90ern gestorben war. Wie groß die heilende Kraft dieses Pastors sei und dass er nun immer zu ihm beten werde. Also, ich halt ja schon in den besten Fällen nichts von Heiligenverehrung oder beten zu Maria oder so. Sowas macht mich so traurig, wir können zu unserem Vater kommen, zum allmächtigen Gott, und ihm alles alles sagen, und dann reden Leute lieber mit toten Menschen? Und wenn es einfach nur ein Pastor war, das hat finde ich nochmal eine ganz andere Dimension als bei den „Heiligen“. Da redet man also einfach zu irgendeinem toten Menschen. Und dann hat der Mann auch noch geschrieben, wie er dem toten Pastor dankt und kein Wort des Dankes ging an Gott.

Es hat mich also ganz schön aufgerieben und ich hab zu Jesus gesagt: Ich will ja nicht immer an meinen Glaubensgeschwistern herumstänkern, aber geht sowas nicht irgendwo zu weit? Und dann noch nichtmal dir dafür danken, sondern einem Menschen? Auf einer DINA4-Seite noch nichtmal ein Wort verlieren von Gott, der ihn geheilt hat, sondern nur von diesem Pastor schreiben?? Das ist doch sowas von unverschämt!

Mir war dann auch klar, dass es mir nichts bringt, mich darüber aufzuregen und mir nur mein schönes Gespräch mit Jesus kaputt macht durch meine Wut. Sich ab und an mit solchen Dingen auseinander zu setzen kann manchmal wichtig sein, um klar zu sehen, wo Grenzen sind, bringt aber wenn man’s zu viel macht nichts und hält einen nur davon ab, mit Gott zu reden. Und irgendwie ist mir dann ein Licht aufgegangen, warum Gott im AT immer verlangt, Leute auszustoßen, die Wahrsagerei oder ähnliches machen. Ich dachte ja früher immer: Voll grausam. Aber heute dachte ich: Die missachten klar Gott, wollen lieber ihr eigenes Ding drehen. Anstatt mit solchen Leute eine Gemeinschaft zu bilden und dann immer den ewigen Diskussionen ausgesetzt zu sein, warum man jetzt grad nicht mal eben die Toten beschwören kann, sagt man halt „Mach dein Ding, aber mach es woanders.“ Das spart sicher Zeit und Nerven und ich denke mal auch, wenn sie zu Gott zurückgekommen sind, hat man sie auch wieder aufgenommen.

Irgendwie habe ich diese Stellen früher immer als drakonische Säuberungsmaßnahme gesehen, ganz schön übertrieben. Aber es sparte sicher Endlosdiskussionen mit Leuten, die partout Gott missachten wollen. Und man hat Zeit für die wichtigen Dinge.

„Wut hilft uns, zu erkennen, wo persönliche Grenzen überschritten werden. Die wichtige Frage dahinter lautet: ‚Welcher Wert, der mir wichtig ist, wird hier missachtet?‘ (…) Wenn man respektlos mit uns umgeht, wenn wir in einer Beziehung zu viele Zugeständnisse machen müssen, wenn man mehr von uns verlangt, als wir zu geben bereit sind oder wenn wir zu Dingen ja sagen, zu denen wir lieber nein sagen würden – in all diesen Situationen werden unsere Werte und Überzeugungen missachtet und verletzt. Dann ist es an der Zeit, mal in Ruhe nachzudenken.

Man sagt, Wut sei ein Sekundärgefühl. Häufig geht sie einher mit Empfindungen wie Schmerz, Trauer, Angst, Enttäuschung und Scham. Will man also Wut richtig verarbeiten, muss man sich sehr genau mit diesen tieferen, heiklen Emotionen auseinandersetzen. Wenn Sie wütend sind, sollten Sie sich folgende Fragen stellen: Wovor hab ich Angst? Bin ich verletzt? traurig? enttäuscht? Was steckt tatsächlich hinter dieser Wut? Ich werde wütend, wenn mich jemand kritisiert. Instinktiv gehe ich in die Defensive. Bei genauerer Betrachtung der Wut merke ich aber, dass dahinter die Angst vor Unzulänglichkeit steckt. Ich fürchte, nicht gut genug zu sein. (…) Die meisten Menschen denken, sie seien weniger verletzlich, wenn sie ihre Wut zum Ausdruck bringen als wenn sie Angst oder Verletztsein eingestehen. Ich kann mich darüber ärgern, dass meine Freundin meinen Geburtstag vergessen hat, aber eigentlich bin ich eher verletzt als wütend. Ich kann mich darüber aufregen, dass meine Gemeinde nicht genug für Singels über 30 anbietet, nur um dann zu entdecken, dass hinter meiner Wut die Angst vor dem Alleinsein steht.

Wenn Sie das nächste mal wütend werden, fragen Sie sich auch: Was hatte ich erwartet? Unerfüllte und unklare Erwartungen in Beziehungen, ob in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule, in Freundschaften, Partnerschaften oder auch in der Gemeinde, sind häufig Auslöser für Wut. Wir erwarten von anderen, dass sie wissen, was wir wollen, bevor wir es wissen oder es ausgesprochen haben. Wie fühlen Sie sich, wenn jemand aufgrund unerfüllter Erwartungen wütend auf Sie ist, diese Erwartungen aber nie ausgesprochen hat? Der andere ist einfach davon ausgegangen, dass Sie sie kennen. Das Problem ist, häufig sind unsere Erwartungen

  • uns nicht bewusst (wir wissen gar nicht, dass wir sie haben)
  • unrealistisch (wir geben uns einer Illusion hin)
  • unausgesprochen (wir behalten sie für uns) oder
  • nicht abgestimmt ( der oder die andere hat nie ja dazu gesagt.)

Vielleicht sind Sie wütend darüber, dass Ihr Hauskreis sich außerhalb der Gruppentreffen nie privat trifft. Sie hatten eine Erwartung, mit der Sie aber nie mit den anderen gesprochen haben. Sie sind wütend darüber, dass Ihr Mann Sie nicht täglich von der Arbeit aus anruft. Diesen Wunsch müsste er doch ‚erspüren‘. Offen ausgesprochen haben Sie ihn aber nie. (…) Wenn Sie verstehen, dass viele Erwartungen unerfüllt bleiben werden, weil sie weder ausgesprochen noch abgestimmt wurden, werden Sie feststellen, dass Sie viel seltener wütend werden.

Hinter Wut kann auch Kleinlichkeit stehen, Arroganz, Hass, Neid oder der Wunsch, einen anderen zu verletzen. Achten Sie mal darauf, ob Ihre Bemerkungen sarkastisch oder schnippisch sind oder ob Sie jemandem aus dem Weg gehen. Vielleicht sind Sie neidisch auf die Beförderung eines Arbeitskollegen. Ursache Ihrer Wut kann Angst oder Projektion sein. Die Wut wird zur Sünde, wenn Sie sie an jemandem auslassen, der damit überhaupt nichts zu tun hat. Gerade weil Wut eine so komplexe Emotion ist stelle ich mir – bevor ich aus der Wut heraus reagiere – folgende Fragen, die sich als sehr hilfreich erwiesen haben: Steht dahinter eine Schuld, für die ich die Verantwortung übernehmen muss? Ist meine Wut gerechtfertigt oder entspringt sie einer meiner dunklen Seiten? Habe ich jemanden in meiner Wut verletzt, den ich dafür um Vergebung bitten muss? Aristoteles hat einmal ganz richtig gesagt: ‚Wütend werden kann jeder, das ist einfach. Aber wütend sein auf den Richtigen, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.‘ Wütend zu sein, ohne dafür Verantwortung zu übernehmen, ist leicht. Wut anzunehmen, um sie dann angemessen zu verarbeiten und sie nicht auf andere projizieren zeugt von großer spiritueller und emotionaler Reife.“

(Geri Scazzero in einem Buch, das ich grade lese. Ich überlege, ob ich dazu auch mal ein Training anbiete…)

Die Wemmicks sind kleine hölzerne Leute. All die hölzernen Leute sind von einem Schreiner, namens Eli, geschnitzt worden. Seine Schreinerei liegt auf einem Hügel, von dem man die Stadt überblicken kann. Jeder Wemmick ist anders. Manche hatten lange Nasen, andere große Augen. Manche waren groß und andere waren klein. Manche trugen Hüte, andere Mäntel. Aber alle wurden von dem gleiche Schreiner gemacht und alle leben in der gleichen Stadt.
Und jeden Tag taten die Wemmicks die gleichen Dinge: Sie gaben einander Aufkleber. Jeder Wemmick hat eine Schachtel mit goldenen Stern-Aufklebern und eine Schachtel mit grauen Punkt-Aufklebern. Durch die Straßen, rauf und runter, in der ganzen Stadt, verbrachten die Wemmicks die ganzen Tage damit, sich einander Sterne oder Punkte aufzukleben. Die Schönen, aus weichem Holz und guter Farbe, bekamen immer Sterne. Aber wenn das Holz spröde war und die Farbe abblätterte, verteilten die Wemmicks Punkte. Auch die Talentierten bekamen Sterne. Manche konnten große Stöcke hoch über ihre Köpfe heben oder über große Schachteln springen. Andere kannten große Worte oder konnten schöne Lieder singen. Jeder gab ihnen Sterne. Manche Wemmicks waren überall mit Sternen beklebt! Jedes Mal wenn sie einen neuen Stern bekamen, fühlten sie sich ganz gut! Was sie dazu veranlasste, etwas Neues zu tun, um einen weiteren Stern zu bekommen. Andere konnten nur kleine Dinge tun – Sie bekamen Punkte.
Punchinello war einer von jenen. Er versuchte hoch zu springen wie die anderen, aber er fiel immer hin. Und wenn er fiel, sammelten sich die anderen um ihn herum und gaben ihm Punkte. Manchmal wenn er fiel, bekam sein Holz Kratzer; dafür gaben die Leute ihm noch mehr Punkte. Nach einer Weile hatte er so viele Punkte, dass er sich nicht mehr traute nach draußen zu gehen. Er hatte Angst, er würde etwas Dummes tun, wie zum Beispiel seinen Hut vergessen oder ins Wasser treten, und dann würden die Leute ihm einen weiteren Punkt geben. Er hatte so viel graue Punkte, dass manche Leute auf ihn zukamen und ihm grundlos einen weiteren gaben. „Er verdient viele graue Punkte“, damit waren sich die hölzernen Leute sicher, „er ist keine gute hölzerne Person.“ Nach einer Weile glaubte Punchinello ihnen. „Ich bin kein guter Wemmick“, sagte er. In der wenigen Zeit, in der er sich nach draußen wagte, traf er sich mit anderen Wemmicks, die auch viele Punkte hatten. Er fühlte sich mit ihnen besser.
Eines Tages traf er einen Wemmick, der ganz anders war als die, die er je getroffen hatte. Sie hatte keine Punkte und Sterne. Sie war einfach aus Holz. Ihr Name war Lucia. Es war nicht so, dass die Leute nicht versuchten ihr Aufkleber zu geben; die Aufkleber blieben nur einfach nicht kleben. Manche der Wemmicks bewunderten Lucia dafür, dass sie keine Punkte hatte. Sie liefen zu ihr hin und klebten ihr einen Stern auf. Aber er fiel wieder ab. Andere sahen auf sie herab, weil sie keine Sterne hatte, und wollten ihr einen Punkt aufkleben. Aber er blieb auch nicht kleben.
So möchte ich auch sein, dachte sich Punchinello. Ich möchte von niemandem benotet werden. Deshalb fragte er Lucia, wie sie das denn mache. „Es ist leicht“, antwortete Lucia. Jeden Tag gehe ich zu Eli, dem Schreiner. Ich sitze in seiner Schreinerei mit ihm. „Warum?“ wollte Punchinello wissen. „Warum findest du es nicht selbst heraus? Geh den Hügel hinauf. Er ist da.“ Und damit drehte sich der Wemmick, der keine Aufkleber hatte, um und lief weg. „Aber will er mich überhaupt sehen?“, schrie Punchinello. Lucia hörte ihn aber nicht mehr. Punchinello ging heim. Er setzte sich in die Nähe eines Fensters und beobachtete die hölzernen Leute, wie sie herumhuschten und sich gegenseitig Sterne und Punkte gaben. „Das ist nicht richtig“, murmelte er vor sich hin. Und er entschloss sich, zu Eli zu gehen.
Er lief den engen Pfad, der auf den Berg hinaufführte, entlang und trat in die riesige Schreinerei. Seine hölzernen Augen staunten über die Größe von allem. Der Hocker war so groß wie er selbst. Er musste sich auf seine Zehenspitzen stellen, um auf die Werkbank zu sehen. Ein Hammer war so lang wie sein Arm. Punchinello schluckte schwer. „Hier bleibe ich nicht!“ Er drehte sich um, um zu gehen. Dann hörte er seinen Namen. „Punchinello?“ Die Stimme war tief und stark. Punchinello blieb stehen. „Punchinello, es ist so schön dich zu sehen. Komm her und lass dich einmal ansehen.“ Punchinello drehte sich langsam um und schaute den großen bärtigen Handwerker an. „Du kennst meinen Namen?“, fragte der kleine Wemmick. „Sicherlich weiß ich ihn. Ich habe dich doch gemacht.“ Eli bückte sich nach unten, hob ihn auf und setzte ihn auf die Werkbank. „Hmm“, sagte der Erschaffer gedankenvoll, als er sich die grauen Punkte ansah. „Sieht so aus, als hättest du ein paar schlechte Bewertungen bekommen.“ „Ich wollte das nicht Eli, ich habe mich wirklich bemüht, besser zu sein.“ „Oh, du brauchst dich nicht vor mir zu verteidigen, mein Kind. Es kümmert mich nicht, was die anderen Wemmicks denken.“ „Tust du nicht?“ „Nein und das solltest du auch nicht. Wer sind sie, dass sie sich erlauben, Sterne und Punkte zu verteilen? Sie sind Wemmicks genau wie du. Was sie denken, ist nicht wichtig, Punchinello. Was wichtig ist, ist das was ich denke. Und ich denke, du bist etwas ganz Besonderes.“
Punchinello lachte. „Ich besonders? Warum? Ich kann nicht schnell laufen. Ich kann nicht springen. Meine Farbe blättert ab. Warum bin ich für dich wichtig?“ Eli sah Punchinello an, legte seine Hände auf die schmalen hölzernen Schultern und sagte ganz langsam: „Weil du mir gehörst. Darum bist du so wichtig für mich.“ Punchinello wurde noch nie von jemandem so angesehen. Er wusste nicht, was er sagen sollte. „ Jeden Tag habe ich gehofft, du würdest kommen“, erklärte Eli. „Ich kam, weil ich jemanden traf, der keine Aufkleber hat“, sagte Punchinello. „ Ich weiß, sie hat mir von dir erzählt.“ „Warum kleben die Aufkleber nicht an ihr?“ Der Erschaffer sprach sanft: „Weil sie sich entschlossen hat, dass das, was ich denke, wichtiger ist als das, was die anderen denken. Die Aufkleber bleiben nur kleben, wenn sie für dich wichtig sind. Um so mehr du meiner Liebe vertraust, um so weniger kümmerst du dich um ihre Aufkleber.“ „Ich bin mir nicht sicher, ob ich das verstanden habe“, sagte Punchinello. Eli lächelte. „Du wirst es noch verstehen, aber es wird Zeit brauchen. Du hast viele Aufkleber. Von nun an kommst du einfach jeden Tag zu mir und lässt dich daran erinnern, wie sehr ich mich um dich sorge.“ Eli hob Punchinello von der Werkbank und setzte ihn auf den Boden. „Erinnere dich daran“, sagte Eli, als der Wemmick aus dem Haus lief. „Du bist etwas Besonderes, weil ich dich gemacht habe. Und ich mache keine Fehler.“ Punchinello blieb nicht stehen, aber in seinem Herzen dachte er darüber nach. „Ich denke, er meint es wirklich ernst.“
 
Und als er dies dachte, fiel ein Punkt auf den Boden.

Hab neulich ein Buch gefunden, das von den verschiedenen Namen Gottes handelt. Ich fands interessant, weil die Namen in biblischen Zeiten mehr waren als eine Anhäufung von Lauten, mit der man eine bestimmte Person anspricht. Sie sollte den Charakter der Person wiederspiegeln. Also kann man aus den Namen auch auf die Eigenschaften und den Charakter Gottes schließen.

Dann habe ich in einem Forum noch mehr Namen gefunden. Ich habe so gedacht, ey, is mal bald gut? (lol)

Also:

– Elohim (mächtiger Schöpfer)

– El Roi (der Gott, der mich sieht)

– El Shaddaj (Gott, der Allmächtige)

– El Olam (Der ewige Gott)

– Jahwe Jireh (Der Herr wird vorsehen)

– Jahwe

– Adonaj (Herr, Meister)

– Jahwe Ropheh (Der Herr, der heilt)

– Jahwe Nissi (Der Herr, mein Banner)

– Esch Ochlah (Verzehrendes Feuer)

– El Qannah (eifersüchtiger Gott)

– Qedosch Jisrael (Der Heilige Israels)

– Jahwe Schalom (Der Herr ist Frieden)

– Jahwe Zebaoth (Der Herr der Heerscharen)

– Jahwe Zurih (Der Herr ist mein Fels)

– Jahwe Roi (Der Herr ist mein Hirte)

– HaSchem (Der Name)

– Melech (König)

– Isch (Ehemann)

– El Chaj (Lebendiger Gott)

– Maon (Wohnort)

– Machseh (Zuflucht)

– Magen (Schild)

– Metsuda (Burg)

– Migdal-Os (starker Turm)

– Schophet (Richter)

– Miqweh Jisrael (Hoffnung Israels)

– Jahwe Zidqenu (Der Herr, unsere Gerechtigkeit)

– El Eljon (Höchster Gott)

– Jahwe Schammah (Hier ist der Herr)

– Ab, Abba, Pater (Vater)

– El (Gott: stark, mächtig, herausragend)

– Yahweh-M’Kaddesh (Gott, der heiligt: ganz macht, absondert zur Heiligung)

– Palet (Befreier)

– Yesha, Y’shua (Retter)

– Gaol (Erlöser, vom Sklavenhändler loskaufen)

– El Berith (Gott des Bundes)

– Yahweh Elohim (Gott der Herr)

– Abhir (Der Mächtige)

– Kadosh (Der Heilige) oder wird es Kaddosh geschrieben?

– Eyaluth (Stärke)

– El Gibhor (Mächtiger Gott)

– Tsaddiq (Der Gerechte)

Noch ein paar Namen Jesu:

– heller Morgenstern

– Friedefürst/König des Friedens

– mächtiger Gott

– Immanuel (Gott mit uns)

– ewiger Vater

– Messias (der von Gott Gesalbte)

– Christus (=Messias), Gottes Sohn

– König Israels

– der Weg, die Wahrheit, das Leben, die Auferstehung

– Licht der Welt, Licht des Lebens

– Brot des Lebens

– wahrer Weinstock (ein Weinstock hält die Trauben am Leben und durch ihn bekommen sie Wasser und Nahrung)

– guter Hirte

– die Tür (zu den Schafen = uns)

– Anfänger und Vollender unseres Glaubens

– Hirt unserer Seelen

– unser Fels

– Eckstein (ohne den alles zusammenbricht)

– Bräutigam

– Menschensohn

– Hohepriester

– König aller Könige, Herr aller Herren

– Wort (Logos) Gottes

– Herrscher aller Mächte und Gewalten

– Löwe aus dem Stamm Judas

– Wurzel Davids

– das Alpha und das Omega, Beginn und Ende, der Erste und der Letzte

So, das waren die, die ich bis jetzt im Buch und Forum gefunden habe. Für Übersetzung und Rechtschreibung übernehme ich keine Haftung, ich habs einfach abgeschrieben *g*. Aber meine Güte, wie viele Namen kann Gott denn  haben?! Und jede Wette, das waren längst nicht alle. (Wer noch mehr hat, ich fänds echt interessant)

Zum Vergleich: Laut Google ist der längste menschliche Name (Meiner Meinung nach unglaublich albern): „Musikstudent George Garrett fand seinen Namen zu langweilig und änderte ihn in ein 82-Buchstaben-Ungetüm: Captain Fantastic Faster Than Superman Spiderman Batman Wolverine Hulk And The Flash Combined.“

Übrigens Fil, kannst du mir was ins verständliche Deutsche übersetzen? Auf meine Frage, ob „im“ die Pluralendung im Hebräischen ist hat man mir geantwortet: „Richtig, -im ist die maskuline Pluralendung. Der Plural von „adon“ ist „adonim“. Bei „adonai“ ist aber noch ein Suffix der 1. Perrson Singular dran und heißt also wörtlich „meine Herren“. Der Plural ist Plural majestatis und heißt dann so viel wie „mein sehr verehrter Herr“.“ Was heißt das?
Also, das heißt: „-im“ ist der Plural bei männlichen Worten (so wie „Herr“), also adon = der Herr/adonim = die Herren. Der Plural wird hier aber nicht verwendet weil es tatsächlich mehrere sind, sondern weil es sich um eine Person handelt, der man Ehrerbietung gegenüberbringt. So wie im Deutschen „Sie machen“ höflich gegenüber der Person ist (du machst), aber eigentlich ja vom Wort her Plural bedeutet (Sie (mehrere Personen) machen). Das nennt sich Pluralis majestatis: der Plural zeigt nicht mehrere Personen an, sondern die „Majestät“ einer Person
Wenn ich das richtig verstehe, ist adonai (meine Herren) zusammengesetzt aus adon- (Herr) und -ai (Plural+von mir), also „die Herren von mir“. Das ist im Deutschen etwas komisch, weil wir das Wort verändern, dem etwas gehört (mir/mein). Im Hebräisch wird aber das Wort verändert, dass den Besitz anzeigt, also „adon“ – der Herr, „adon-i“ – der Herr von [….]. „adon-im“ – die Herren, „adon-ai“ – die Herren von […] (mir, dir, uns).

War das annähernd verständlich?

Ja, ich glaub schon, danke. Wenn das sowas ist wie das Sie im deutschen hab ichs verstanden 🙂

Gerade kam eine E-Mail herein über die Mailingliste unseres Studienganges. Es geht um ein Jobangebot. Gesucht: Studenten.“Ihr Profil“ (klingt immer komisch, find ich):
– großes Interesse an internationalen wirschaftlichen Zusammenhängen (Studium der BWL von Vorteil)
– hervoragende Japanischkenntnisse, die sie befähigen, telefonische Expertengespräche zu führen, Informationen zu recherchieren und die Ergebnisse professionell zu dokumentieren
Wir bieten:
– freie Mitarbeit auf flexibler Basis mit Perspektive auf Übernahme

Also, darf ich zusammenfassen: Ihr sucht einen Studenten, der neben dem Studium der BWL/VWL mal noch eben Japanisch lernt (oder umgekehrt) und das bereits soweit perfektioniert hat, dass er fließend am Telefon über fachliche Dinge diskutieren kann (ohne aber zu wissen, von welchem Fach genau man jetzt die ganzen Vokabeln kennen sollte). Dafür wollt ihr dann wahrscheinlich einen Minimallohn zahlen (ist ja nur ein Studentenjob), weil ihr vermutlich keinen Bock habt, soviel Geld für eine entsprechend ausgebildete Fachkraft auszugeben.

Also, wenn man schon Studentenjobs ausschreibt, dann sollte man nicht solche Anforderungen stellen.
Ist doch klar, dass ein Student noch nicht alles kann. Das nervt mich eh immer, wenn Jobangebote so geschrieben werden, als müsste man am besten gleich alles können und wissen und als gäbe es sowas wie „am Arbeitsplatz einlernen“ nicht.

Das zweite, was mich im Moment wahnsinnig macht, ist die Uni. Ich habe immernoch keine Note für die BA-Arbeit. Am 27.07. habe ich abgegeben. Ich weiß, dass der Prof noch 3 oder 4 Masterarbeiten betreut und kann mir denken, dass er die zuerst korrigiert, weil diese Leute ja jetzt von der Uni gehen. Außerdem weiß ich, dass er im September zwei oder drei Wochen im Urlaub war. Trotzdem, es macht mich so nervös. Dann sollen wir uns angeblich ab heute für die Kurse anmelden können, die nächste Woche starten. Geht bei mir aber nicht, da wird mir gesagt, ich erfülle die Zugangsvoraussetzungen nicht. Aber das ist 1. Semester, da gibt es keine Voraussetzungen! Die Anmeldephase geht dieses Semester nur 3 Tage (heute bis Mittwoch). Ich hab jetzt eine E-Mail an den entsprechenden Prof geschrieben und hoffe, dass ich das bis Mittwoch hinkriege. Man, die Uni macht mich noch komplett wahnsinnig.

Und zuguterletzt habe ich auch noch ein paar positive Dinge. Gestern im Gottesdienst war die Predigt über Jesaja 9,1-6. Es ging vor allem um die Namen des Messias: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Es gibt ja manche (unter anderem Juden und Muslime, aber auch manche Christen) die sagen, Jesus bzw der Messias könne nicht Gott selbst sein, sondern er sei einfach nur ein von Gott gesandter Mensch. Aber hier steht eindeutig: der Messias wird „starker Gott“ genannt werden. Auch die anderen Titel sind eigentlich Namen, die normalerweise auf Gott bezogen werden (Vater der Ewigkeit, wunderbarer Ratgeber/Helfer, wobei „wunderbar“ hier im Sinne von übernatürlich zu verstehen ist). Das ist mir nie so bewusst geworden, wie eindeutig schon im Alten Testament steht, dass der Retter, Jesus, Gott selbst ist!

An dieser Stelle ist mir dann aber eine große Schwachstelle der Guten Nachricht-Übersetzung aufgefallen, von der ich das AT habe. Mir ist ja klar, dass die nicht wörtlich ist, an manchen Stellen stark überträgt, was ja oft hilfreich ist für das Verständnis. Aber das fand ich dann doch zuviel, denn hier wird „starker Gott“ mit „mächtiger Held“ übersetzt. Klar kann ich mir denken, was die sich gedacht haben: „Zu Zeiten des AT wurde der Messias noch nicht so verstanden, dass Gott Mensch wird, das wissen wir erst so seit Jesus dann tatsächlich gekommen ist, also wird „Gott“ hier als eine Metapher für einen großen, angebeteten Helden gemeint sein.“ Aber wir gehen doch davon aus, dass dies eine Prophezeiung ist, von Gott so eingegeben, und letztendlich war „Gott“ in diesem Fall eben doch wörtlich gemeint, wie wir ein paar Jahrhunderte später gesehen haben. Das finde ich dann wirklich zuviel des Guten, wenn so etwas wichtiges derart frei übertragen wird.

Aber zurück zur Predigt, denn die hat mich sehr berührt. Es ging um eben diese Attribute: Jesus ist Gott, allmächtig, ewig, er hat einfach die Herrschaft über ALLES. Gleichzeitig ist er aber auch wie ein Vater, also er liebt uns unendlich. Was wäre das für ein Gott, der zwar allmächtig ist, aber nicht allwissend, also kein perfekter Ratgeber? Der unser Ratgeber wäre und allmächtig, aber Streit statt Frieden bringen wollte? Was wäre das für ein Gott, der für Frieden und Gerechtigkeit sorgt, mit seiner Allmacht und seinem Allwissen, aber dem wir egal wären? Der nur seine (gerechten) Regeln befolgt sehen wollte?

Aber Jesus ist alldies in einer Person: allwissend, allmächtig, ewig und bei alledem liebt er uns so unendlich wie ein Vater seine Kinder.

Ich will versuchen, darauf zu vertrauen, dass Jesus allmächtig ist und auch die Situation an der Uni in der Hand hat und mich dabei liebt und nur das beste für mich will.

EDIT, 09.10. 17:22

Ich hätt’s mir ja denken können, dass alles gut geht. Jesus hat eben doch alles in der Hand. Ich war heute beim Prüfungsamt und konnte dort quasi von Hand für die Kurse angemeldet werden. Außerdem hat der Mitarbeiter nachgeschaut und konnte sehen, dass die Note von meiner Zweitkorrektorin schon längst da ist. (1,7, juhu ;)) Was fehlt, ist die Note von meinem Betreuer. Der Mitarbeiter meinte, eigentlich hätte er nur bis Anfang September Zeit gehabt, die Note einzureichen. Deshalb werden sie ihm jetzt eine Nachricht schreiben und ihm Druck machen. Ein bisschen unfair finde ich das schon: Ein Student ist durchgefallen, wenn er die Arbeit auch nur einen Tag zu spät abgibt, aber der Professor kann die Frist verstreichen lassen und kriegt nur einen Brief vom Prüfungsamt, dass er mal in die Puschen kommen soll.

EDIT, 10.10. 11:30

Mein Professor hat auf meine E-Mail geantwortet, dass er die Note schon längst, Anfang September, eingereicht hätte. Zusammen mit der Zweitkorrektorin. Er kann sich auch nicht erklären, warum sie noch nicht da ist.
Leider kann ich jetzt doch nicht den Politik/Wirtschafts-Kurs machen, den ich als Nebenfach machen wollte, weil der sich zeitlich mit dem Übersetzungskurs überschneidet, der Pflicht ist. Schade.

EDIT, 11.10. 13:40

Wirtschaftskurs geht auch klar. Der wird zeitlich verlegt.

OUR GOD IS AN AWESOME GOD.

Das Kreuz ist DAS Symbol für den christlichen Glauben. An einem Kreuz ist Jesus gestorben. Am Kreuz zeigt sich nicht nur Gottes Gericht, sondern auch Gottes Gnade. Ich lese gerade das Buch „Das Kreuz“ von John Stott und einige Dinge, die darin stehen, haben mich echt lange beschäftigt.

 

Was mir am wenigsten bewusst war, ist, wie die Kreuzigung in der damaligen Welt gesehen wurde. Es war nicht nur eine Strafe für Verbrecher, es galt als die grausamste und am meisten verachtete Todesstrafe im römischen Reich. Es war sogar verboten, einen römischen Bürger zum Tode am Kreuz zu verurteilen. Diese Strafe war den „Barbaren“ am Rande der Zivilisation vorbehalten. Cicero schrieb, alleine das Wort „Kreuz“ müsse schon ferngehalten werden von den Ohren eines römischen Bürgers, denn es sei „die grausamste und widerwärtigste Strafe und eines römischen Bürgers und freien Menschen unwürdig“.

Der gewöhnliche römische Mittelschicht-Bürger hütete sich, über so etwas wie die Kreuzigung zu reden oder gar nachzudenken, die Gekreuzigten waren quasi Unpersonen.

 

Auch die Juden hatten einen guten Grund, das Kreuz zu fürchten. Denn laut 5.Mose 21,23 ist jeder unter Gottes Fluch, der an einem Holz hängt. Er soll auch nicht dort hängen bleiben, sondern am selben Tag begraben. Ein Gekreuzigter hing aber für gewöhnlich mehrere Tage am Kreuz und war damit nicht nur unter dem Fluch Gottes, sondern verunreinigte zugleich auch das Land indem er hingenblieb, wie es weiter in dem Vers heißt.

 

Als ich das gelesen habe, ist mir zum ersten Mal so richtig bewusst geworden, in welchem Ausmaß sich Gott in Jesus für uns erniedrigt hat. Uns ist diese Idee heute ja eher fremd, dass es ehrenvolle Tode und verachtete Arten zu sterben gibt, und mit den Opfern von Folter haben wir vor allem Mitleid. Aber Jesus hat in einer Gesellschaft gelebt, in der das Leben eines Menschen nicht als an sich wertvoll erachtet wurde, in der die Todesstrafe fast schon zum Alltag gehörte und in der Sklaven nicht als Menschen gesehen wurden, sondern als Gebrauchsgegenstände.

In so einer Gesellschaft hat man dann auch kein Mitleid mit einem Gekreuzigten, sondern sah ihn als eine Art Unperson, als Abschaum der Gesellschaft.

 

Jetzt weiß ich auch, warum es bei Jesaja heißt „er war der Allerverachtetste“ (Jesaja 53,3). Nicht nur, dass er ein Wanderprediger aus einem unbedeutenden Provinzkaff war, dazu noch ohne offizielle theologische Aubildung. Er ist am Kreuz gestorben auf der Müllkippe Jerusalems, und war damit sowohl für Juden als auch Römer ganz unten auf der sozialen Leiter angelangt. Ein Fluch Gottes und ein unwürdig am Kreuz Gestorbener. Und jetzt verstehe ich auch so richtig, warum Paulus gesagt hat „das Wort vom Kreuz ist denen, die Verlorengehen, eine Torheit“. Nicht nur will es nicht in unseren menschlichen Verstand gehen, dass Gott sich selber opfert, um unsere Sünden zu tragen. Heldenhaft für jemand anderes zu sterben, das konnte so ein Römer sicher durchaus nachvollziehen. Aber ein GEKREUZIGTER? Ein Gekreuzigter soll unser Retter, ja sogar unser Gott sein? Das ist doch lächerlich, solche Verbrecher, die am Kreuz sterben, die sind doch der unterste vom untersten Abschaum, noch unter obdachlosen, drogenabhängigen Alkoholikern. Man stelle sich mal vor, da stirbt ein Penner unter ’ner Brücke, weil er besoffen an seiner eigenen Kotze erstickt, und später behauptet jemand: Das war Gott, der hat uns damit von unseren Sünden gerettet. So lächerlich klang das in römischen Ohren, wenn sich Paulus hinstellte und sagte: „Wir predigen den Christus, den gesalbten Retter Gottes, als den Gekreuzigten.“ (1.Korinther 1,23) Und dann sagt er sogar noch „Ich will nichts kennen als das Kreuz!“ Ein normaler Mensch, der redet doch nicht mal freiwillig von so schmutzigen Dingen wie der Kreuzigung!

 

Was ich also gemerkt habe, als ich dieses Buch gelesen habe, ist, dass ich bis jetzt nur eine sehr oberflächliche Vorstellung von der Bedeutung des Kreuzes, vor allem in der damaligen Zeit, hatte. Dass Jesus nicht nur einfach so für uns gestorben ist, quasi ehrenhaft und „mit erhobenem Haupte“, sondern einen ehrlosen Tod gestorben ist, bei dem man ihm alleine schon durch die Art der Todesstrafe zu verstehen gegeben hat: „Du bist nichts wert. Wir verachten dich.“ Und damit hat er nicht nur unsere Vergehen getragen, indem er unschuldig als Verbrecher starb, und unsere Gottverlassenheit, als Gott ihn verließ, sondern er hat auch die Verachtung ertragen, die wir Gott entgegenbringen, indem wir ihn an den Rande der Gesellschaft drängen und ihm nicht viel mehr Beachtung schenken als dem Alkoholiker, der unter der Brücke lebt.

Ich habe Bithja versprochen, ein bisschen über Gottes Gericht zu schreiben. Ich habe einiges an Hintegrundwissen entnommen aus „John Stott – Das Kreuz“, habe mir aber auch meine eigenen Gedanken gemacht. Alle Angaben ohne Gewähr.

Gericht Gottes, da denken die meisten an den jüngsten Tag, das Ende der dieser Welt und in letzter Zeit auch immer mehr Leute an den 21. Dezember diesen Jahres.

Die Ideen dazu sind ja vielfältig, aber konzentrieren wir uns mal darauf, was die Bibel sagt. Wenn wir wissen wollen, wie das Ende dieser Welt aussieht, dann schauen wir meist als erstes in die Offenbarung. Dass diese nicht gerade leicht zu verstehen ist, muss ich wohl nicht erwähnen. In wieweit es sich um zeitliche Abläufe handelt, was wörtlich und was Metapher ist, darüber kann man sich wunderbar streiten. Sicher ist aber, dass Gott über die Menschen Gericht halten wird.

Aber das ist nicht die einzige Bibelstelle, in der wir über das Gericht Gottes lesen können. 2.Mose 12,12 heißt es, dass Gott sein Gericht vollstreckt an den Göttern Ägyptens, in Josua 10,40 wird die blutige Eroberung des verheißenen Landes als „Gericht Gottes“ bezeichnet, in Samuel wird an mehreren Stellen ein kommendes Gericht Gottes über die Völker angekündigt, und auch die Verfolgung der Nachkommen Ahabs, nachzulesen in 2. Chronik, wird als Gericht Gottes an ihnen verstanden. Das sind nur ein paar Beispiele dafür, dass das Gericht Gottes nicht nur einen bevorstehenden Prozess meint, wenn Jesus wiederkommt, sondern auch die Strafe Gottes ganz konkret an bestimmten Personen. Der Begriff des „Gericht Gottes“ ist eng verbunden mit dem „Zorn Gottes“, von dem es mehrfach heißt, dass er ausgegossen wird über die Völker, über Israel oder über Personen.

Wir als Menschen, die eine Sehnsucht nach Liebe, Harmonie und Vergebung haben, können diese Zeilen nicht lesen, ohne uns zu fragen – Wieso? Wieso ist das nötig?

Wieso ist Gott überhaupt zornig? Ist das nicht etwas schlechtes, Zorn und Wut? Das ist ein furchtbar weit umfassendes Thema, aber ich will versuchen, es möglichst gut zusammenzufassen. Zuerst einmal müssen wir uns darauf einigen, was die Sünde eigentlich ist. Die Sünde, dass ist unsere Rebellion gegen Gott. Unser Beharren darauf, so sein zu wollen wie Er. Damit meinen wir aber nicht, sein Wesen haben zu wollen, was etwas gutes wäre, sondern wir wünschen uns, selber zu entscheiden, was gut für uns und andere ist. Unsere eigenen Lebensregeln aufstellen zu wollen. Es geht also darum, so zu tun, als bräuchten wir Ihn nicht. Unser eigentliches Ziel, nämlich Gottes Gegenüber und Sein geliebtes Kind zu sein, verfehlen wir dabei. Daraus ergeben sich dann Verhaltensweisen, die mir selber und anderen Menschen schaden, weil mir das Ziel, für das ich geschaffen wurde, nun fehlt, und ich mich in meiner Orientierungslosigkeit verrenne. Mehr noch, es ist eine offene Rebellion gegen Gott. Ich sage meinem Schöpfer ins Gesicht (bewusst oder unbewusst), dass ich es besser weiß und Er sich doch aus MEINEN Angelegenheiten raus zu halten habe. Das ist die Sünde.

Nun, damit hätten wir unseren Standpunkt als Menschen erkannt. Aber was macht unsere Sünde mit Gott? Um das zu klären, müssen wir über Gottes Wesen nachdenken. Gott ist, wie Johannes schreibt, Liebe. Aber, und hier kommt der Knackpunkt, Er ist auch heilig. Dies ist die zweite Grundaussage über Gottes Charakter. Er ist die Liebe UND heilig. Bei Habakuk heißt es, Seine Augen seien zu rein, um das Böse ansehen zu können. Vielleicht ist es schwer, diese Eigenschaft zu begreifen, weil wir keinen Vergleich haben. Wir kennen menschliche Liebe, aber keine menschliche Heiligkeit, die so groß ist, dass das Böse einfach nicht vor ihr bestehen kann. Ich stelle es mir so vor – auch wenn das jetzt nicht biblisch belegbar ist (und daher mit Vorsicht zu genießen): Als ein Mensch mit meist hohen Idealen ist es schwer für mich ruhig zu bleiben bei Sätzen wie „Fahren wir halt mal schwarz, die 5€ werden die Verkehrsbetriebe jetzt nicht arm machen.“ oder „Lass uns doch einfach vordrängeln, ich hab keine Lust mehr zu warten.“ Solche Sätze (ich schreib besser nicht, von wem ich sowas zu hören kriege ;)) können mich echt auf die Palme bringen, auch wenn ich weiß, dass ich das aus dem Munde dieser Person nicht ernst zu nehmen brauche. Aber es erregt meinen Zorn, weil es gegen alles geht, was ich für richtig halte. Es ist nur ein menschlicher Vergleich, der notwendigerweise unzureichend ist, aber so ähnlich stelle ich mir das bei Gott vor: Sünde geht einfach gegen sein ganzes Wesen, Er kann nicht einfach sagen „Na gut, drücken wir ein Auge zu.“

Und das führt uns zu Gottes Zorn. Zorn ist ein menschliches Wort, das wir oft mit Wutausbrüchen oder ähnlichen Ausfällen verbinden. Gottes Zorn meint aber nicht, dass Gott tobt. Gottes Zorn bedeutet seine entschiedene Gegnerschaft gegen die Sünde. Und die wiederum entspringt seinem Wesen, dass Liebe und Heiligkeit ist. Gerade weil Er DIE LIEBE ist, kann Er es nicht aushalten, dass wir getrennt von Ihm sind, denn Er liebt uns mit all Seinem Wesen. Deshalb kann Er nicht einfach mit den Achseln zucken, wenn Menschen sich Götzen aus Stein oder sonst was bauen, denn Er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass wir seine Liebe erwidern. Deshalb MUSS Gott alles, was aus der Sünde (der Trennung von Gott) entspringt entschieden ablehnen, ja zornig darauf sein, denn es widerspricht Seinem Wesen und Seiner Bestimmung für uns. In 3. Mose 18 heißt es, dass es Gott ekelte vor dem Volk Israel, dass ihn ablehnte. Ekel, das bedeutet, ich kann etwas nicht in meiner Nähe dulden, ich stoße es körperlich ab. Es ist nicht unter meiner bewussten Kontrolle, ich muss es von mir stoßen oder ausspucken, ob ich will oder nicht. Das ist ein zumindest ein Hinweis darauf, dass es bei Gottes Zorn nicht um einen „menschlichen“ Zorn geht, bei dem ich mich irgendwie in Rage rede und dann vor Wut alles kaputt mache, sondern um eine Art „natürlicher Abstoßungsreaktion“, die abläuft, wenn die Heiligkeit und Liebe auf die Sünde trifft.

So, lassen wir mal den Teil aus, bei dem Gott doch noch einen Weg fand, seinem gerechten (!) Zorn und seiner Liebe, die sich nach uns sehnt, gleichermaßen genüge zu tun (für Mitleser, die gerade nicht wissen, wovon ich rede, googelt mal Golgatha), und reden wir vom Gericht. Warum muss Gott Gericht halten?

Diese Frage ist eigentlich falsch herum gestellt. Wenn wir bedenken, dass Gott heilig ist, dass Er die Folgen der Sünde nicht dulden kann, dann müsste man doch eigentlich eher fragen: Warum kann Gott überhaupt Vergeben? Wenn unser Handeln, unser Denken komplett gegen sein Wesen gehen, wenn unsere Rebellion gegen Ihn und die Verletzung unserer Mitmenschen in Ihm eine Abstoßung bewirken, ein „das kann nicht in meiner Nähe bestehen“, wie kann es dann überhaupt sein, dass Er so oft darüber hinwegsieht? Es zulässt, oder zumindest es zuzulassen scheint? DAS ist das eigentliche Problem. Ich weiß, dass ist jetzt vielleicht nicht die Antwort, die du dir erhofft hast bithja, aber eigentlich ist die Frage „Warum hält Gott im AT Gericht und vernichtet ganze Völker?“ vom falschen Ende her gedacht. Die eigentliche Frage lautet: Warum hat der allmächtige Gott es so oft geduldet und duldet es auch heute noch so oft, dass Menschen Ihn ablehnen, einem Stein die Ehre geben, die Ihm, dem lebendigen Schöpfer, zusteht? Warum hält er so oft NICHT Gericht, obwohl die Menschen sich gegen ihn stellen? Warum bestraft der gerechte Gott, der immer wieder in seinem Wort betont, wie sehr er zweierlei Maß, falsche Zeugenaussagen und die Verbiegung des Rechtes hasst, nicht jeden Menschen auf der Stelle? Das sollten wir uns fragen und die Antwort ist: Weil er uns liebt und hofft, dass wir zurückkommen zu ihm.

Ja, Gott ist unser liebender Papi im Himmel. Und er vergibt uns. Aber wir dürfen die Grundlage dieser Vergebung und dieser Liebesbeziehung nicht vergessen: Erst seit das Gericht, der Zorn, das heißt die natürliche Reaktion Gottes auf unsere Rebellion gegen Ihn sich auf Golgatha entladen hat, kann Er uns jetzt mit reiner Liebe begegnen. Kann er nur noch Papa sein, nicht mehr Richter. Könnte Gott einfach so drüber weg gucken über die Sünde, den Götzendienst und alles, was zu Zeiten des AT dazu führte, dass Gottes Gericht über Menschen kam, Er hätte es sicher liebend gerne getan und es sich somit erspart, seinen Sohn zu opfern.

Das sind meine Gedanken zu dem Thema Gottes Gericht, zum Teil wie gesagt in Anlehnung an das Buch. Da ich mir nicht mal im Traum anmaßen würde, zu behaupten, ich hätte Gott und sein Wesen verstanden, sind diese Angaben natürlich vollkommen ohne Gewähr.

Das hab ich grade in einem Selbsthilfeforum für Töchter von Müttern mit Persönlichkeitsstörungen gefunden:

In der Huffington Post war vor kurzem ein Artikel, den ich gern mit euch teilen würde. Hier ist das Original:
http://www.huffingtonpost.com/lindsey-mead-russell/ten-things-ten-years-olds-should-know_b_1553134.html

(Ich habe den Text mal eben übersetzt, also entschuldigt bitte die manchmal seltsame Sprache, ich habe leider gerade nicht die Zeit es besser zu machen.)

Grace geht gerade an die 10 Jahre. Ich weiß gar nicht, wie das möglich ist. Ich bin mir mehr denn je ihrer Mädchenzeit und des Eintritts in die Jugend bewusst, und über all die Dinge, von denen ich möchte, dass sie sie weiß, als könnte ich ihr Werte und Selbstüberzeugungen eingeben, wie man einen Pfennig in weichen Ton drückt. Ich weiß, dass ich das nicht kann; das Beste, was ich tun kann ist es ihr weiterhin zu sagen, aufzuschreiben und zu leben.

Zehn Dinge, von denen ich möchte, dass meine Tochter sie weiß:

1. Es ist nicht deine Aufgabe die Menschen um dich herum glücklich zu machen. Nicht mich, nicht Papa, nicht deinen Bruder, nicht deine Freunde. Ich verspreche dir, es ist nicht deine Aufgabe. Die harte Wahrheit ist, du wirst es sowieso nicht können.

2. Deine physiche Angstlosigkeit ist eine Stärke. Bitte benutze deinen Körper weiterhin, wenn du dich durch die Welt bewegst: renn, springe, kletter, wirf. Ich liebe es dir zuzusehen, wenn du das Fußballfeld hinunter rennst, wenn du dich stolz an Klettergerüsten entlang hangelst oder in die hohen Äste eines Baumes kletterst. Da ist beides, Gesundheit und Sinn darin, diese physichen Aktivitäten und Herausforderungen zu meistern.

3. Du solltest nie Angst davor haben, deine Leidenschaften zu teilen. Manchmal ist es dir zum Beispiel peinlich, dass du noch immer mit Puppen spielst und du hast Angst deine Freunde könnten sich darüber lustig machen. Jeder, der dich dafür aufzieht, was du liebst ist nicht wirklich dein Freund. Das ist schwer zu realisieren, aber es ist entscheidend.

4. Es ist ok, wenn du eine andere Meinung hast als ich und andere. Du bist alt genug um deine eigene Meinung zu haben und ich möchte diese hören.  Alle die dich lieben wollen sie hören. Fange keinen Streit an, nur um dich zu streiten, natürlich nicht, aber wenn du das Gefühl hast, dass ich falsch liege, bitte sag es mir. Du hast mich sagen gehört, dass du recht hast und du hast gehört, wie ich mich für mein Verhalten entschuldigt habe oder wenn ich feststellt, dass ich falsch lag. Deine Sicht ist beides, gültig und wertvoll. Zögere nicht sie zu äußern.

5. Du bist schön. Dein Gesicht zeigt jetzt das Baby, das du mal warst und die junge Frau, die du schnell werden wirst. Meine Augen, mein Grübchen und die Farben deines Vaters fügen sich zusammen zu etwas einzigartigem, etwas, dass vollkommen du bist. Ich kann die Wolken vom gesellschaftlichen Mythos über Schönheit über uns ziehen und sich in deiner Selbstsicht niederschlagen sehen. Ich bitte dich, verliere nie den Blick für deine Schönheit, von dem so viel damit zu tun hat, dass dein Geist so nah unter der Oberfläche liegt.

6. Lesen ist unverzichtbar. Wie du weißt, ist es die Haupt-Entspannungs Freude meines Lebens. Ich bin unheimlich stolz und freue mich, dass du dies scheinbar teilst. Diese Identifikation, die du mit Charakteren fühlst, das Gefühl in eine andere Welt zu gleiten, dich auf die schönstmögliche Weise darin zu verlieren? Dies wird nie verschwinden, willkomme es.

7. Du bist nicht ich. Wir sind uns ähnlich, aber du bist eine eigenständige Person, komplett, vollständig. Ich weiß das, das verspreche ich dir, auch wenn ich manchmal nicht dran denke. Ich weiß, dass die Trennung von mir eine der fundamentalen Aufgaben deiner Jugend ist, die ich schon am Horizont aufscheinen sehen kann. Ich mag es so wenig wie Eis im Magen, die Weite, die Distanz, die notwendige Abspaltung, aber ich möchte, dass du weißt, dass ich mir bewusst bin, wie notwendig es ist. Ich werde hier sein, egal was, Grace. Das rote Band, was uns zusammenhält wird sich dehnen. Ich weiß, dass es das wird. Und wenn einmal die Trennung vollzogen ist, wird da eine neue, noch bessere Nähe sein. Auch das weiß ich.

8. Es geht fast nie um dich. Was ich damit meine ist, wenn Leute dich auf eine Art behandeln, die dich verletzt oder unsicher macht, hat es nahezu immer damit zu tun, dass in ihnen etwas passiert und es nichts mit dir zu tun hat. Ich habe damit große Probleme und ich habe sehr, sehr stark versucht, dir nie zu sagen, das du „zu empfindlich bist“ oder „dass du damit fertig werden mußt“, wenn du verletzt warst. Glaub mir, ich weiß, Gefühle können dein Herz in Stücke schneiden, auch wenn dein Kopf es besser weiß. Aber vielleicht, vielleicht hilft es dir, wenn du dich daran erinnerst, dass andere Leute fast immer mit ihren eigenen Dämonen kämpfen, auch, wenn sich zufällig mit dir zusammen stoßen.

9. Es gibt keine einzelne Person, die dein Ein-und-Alles sein kann. Sei vorsichtig damit einer einzelnen Person so viel Macht einzuräumen. Ich vermute, du versuchst eine bohrend Leere zu füllen, und falls das so ist, hast du das von mir. Das Gefühl, Woolfs „Leere über die das Herz des Lebens“, ist nur ein kleiner Teil davon. Wenn du versuchst diesen Schmerz mit anderen Menschen zu füllen (oder mit etwas anderem, wie Essen, Alkohol, mit tausenden von betäubenden Verhalten, die du noch nicht einmal kennst) wirst du es nie schaffen, und niemand kann das erfüllen. Du wirst dich im Stich gelassen fühlen und schlimmer, du wirst fühlen, dass Einsamkeit immer da ist, egal was du tust. Ich lerne sie zu umarmen, sie als etwas zu akzeptieren, was ein Teil von mir ist. Ich hoffe ich kann dir helfen das gleiche zu tun.

10. Ich versuche mein bestes. Ich weiß, ich bin nicht so gut, wie du es verdient hättest. Ich bin ungeduldig, mache Fehler und erhebe meine Stimme. Es tut mir Leid. Ich liebe dich und deinen Bruder mehr, als jeden anderen auf der ganzen Welt und ich wünsche mir immer, ich könnte besser für dich sein. Ich gebe zu, ich liebe dein Verhalten nicht immer und ich bin schnell dabei, dir das zu sagen. Aber jeden einzelnen Tag, liebe ich dich mit jeder Faser meines Seins. Ganz egal was.

 

Ich finde, du solltest es auch mal lesen. Bist so ein wertvoller Mensch. Stell dir einfach mal vor, das hätte deine Mutter dir gesagt.

Es war einmal ein kleiner Junge. Er war sehr stolz auf seinen Vater, denn sein Vater hilft dabei, sein Land vor einer gefährlichen Bedrohung zu retten. Glaubt der Vater. Glaubt die große Schwester. Glaubt die Mutter. Und glaubt er. Und besonders stolz ist er, als sein Vater befördert wird. Jetzt hat er noch Wichtigeres zu tun. Nur blöd, dass man dann umziehen muss und seine ganzen Freunde verlässt. Und das neue Haus ist auch irgendwie komisch.

Aber zum Glück gibts die Aussicht aus dem Zimmer des Jungen. Da sieht er einen Bauernhof. Der ist auch irgendwie komisch. Da laufen alle im gestreiften Pyjama rum und wenn aus dem Schornstein Rauch kommt, stinkt es fürchterlich. Und wenn einer der Bauern so freundlich ist und bei ihnen zu Hause ein bisschen hilft, wird er mehr als unfreundlich behandelt. Wenigstens gibt es da Kinder. Und wenn Mutti und Vati verbieten, mit ihnen zu spielen, schleicht man sich eben heimlich hin. Bestimmt kennen Vati und Mutti die Kinder nicht. Die behaupten nämlich, das seien keine echten Menschen, aber was sollen sie denn sonst sein? Und Schmuel, der auf dem Bauernhof wohnt, ist echt nett, auch wenn er immerzu Hunger hat.

Der Junge, Bruno, wundert sich immer mehr über das, was er hier sieht und hört. Das ist echt komisch. Die Bauern waren früher Ärzte, Uhrmacher oder hatten andere angesehene Berufe, warum haben sie alles aufgegeben, um auf einem Bauernhof im gestreiften Pyjama Baracken zu bauen oder bei ihnen zu Hause Hilfsarbeiten zu machen und sich dabei so schlecht behandeln zu lassen? Und was bedeutet das, wenn Schmuel sagt, sie können nicht raus, weil sie Juden sind?

Der neue Hauslehrer sagt, die Juden seien die Bedrohung, vor der Brunos Vater, ein Aufseher, das deutsche Volk schützt. Sie seien die Wurzel allen Übels und hätten dafür gesorgt, dass Deutschlend den ersten Weltkriegt verloren hat. Bruno hält ihn für einen Spinner und liest lieber Abenteuerbücher. Seine Schwester Grete ist empfänglicher für diese Ideologie. Schließlich ist sie in einen jungen Soldaten verliebt, der in ihrem Haus den Vater unterstützt. Sie erklärt ihrem Bruder auch, was es mit dem angeblichen Bauernhof auf sich hat. Bruno ist schockiert und hilflos. Mit seinen acht Jahren kann er eigentlich nicht verstehen was die meisten Erwachsenen nicht verstehen, aber er ahnt, dass er wenig Grund hat, stolz auf die Arbeit seines Vaters zu sein, den er doch eigentlich liebt. Dessen Liebe er sich doch eigentlich wünscht. Und der ausrasten würde, sollte er je erfahren, dass sein Sohn, der Sohn eines angesehenen SS-Mannes, eines KZ-Aufsehers, mit einem Juden spielt. Die Konfrontation kommt, wie sie kommen muss: Eines Tages sieht Bruno Schmuel bei sich in der Küche, wo er Gläser poliert. Er sagt, sie bräuchten jemanden mit kleinen Händen und da wäre er geholt worden. Bruno ist unsicher, bietet seinem Freund aber doch Kekse an, die Schmuel nur zu gerne annimmt. Scheiße ist nur, dass just in dem Moment, wo Schmuel die Kekse isst, Brunos Vater auftaucht und poltert. Tobt. Brüllt. Die zwei Jungen erstarren. Der Aufseher-Vater geht auf Schmuel los, der verteidigt sich, Bruno hat ihm schließlich die Kekse gegeben, nie wäre er auf die Idee gekommen, sie sich einfach zu nehmen. Mit einem Blick, wie er wahnsinniger und hasserfüllter kaum sein konnte, fuhr der Aufseher-Vater zu Bruno um. „Stimmt das?“, wollte er von ihm wissen. Bruno ist starr vor Angst. Und er weiß selber nicht, was ihn dazu bringt, zu behaupten, er hätte diesen Jungen noch nie gesehen und als er reingekommen war, hätte er sich grade bedient. Der Aufseher-Vater wandte sich ab von seinem Sohn und hin zu dem jüdischen Jungen, zerrte ihn aus dem Raum und sagte nur, er würde ihm zeigen, was man mit diebischen Ratten macht.

Am nächsten Tag war Schmuel nicht mehr am Treffpunkt. Am übernächsten Tag auch nicht. Ich dachte, Schmuel lebt nicht mehr. Aber nach ein paar Tagen saß er wieder am üblichen Treffpunkt, schrecklich zugerichtet, aber er lebt noch.

Schmuel ist enttäuscht von Bruno. Und Bruno ist enttäuscht von sich.

Und seinen Verrat wieder gut zu machen, will er Schmuel helfen, seinen Vater zu finden. Der ist von einem Arbeitseinsatz noch nicht zurück gekommen und Schmuel macht sich Sorgen. Bruno schmuggelt einen Spaten zum Lager und Schmuel besorgt einen gestreiften Häftlingsanzug, den Bruno schnell anzieht. An einem geschützten Ort fangen sie an, einen Tunnel für Bruno zu graben.

Inzwischen merkt die Mutter, dass ihr Junge verschwunden ist und sie und Grete fangen an, ihn zu suchen.

Brunos Tunnel ist groß genug, dass er durchkriechen kann. Die zwei Jungen machen sich auf die Suche. Das erste mal sieht Bruno das KZ von innen. Jetzt hat es endgültig nichts mehr von einem Bauernhof. Bedrohlich. Verwirrend. Gruselig. Bei ihrer Suche statten sie auch Schmuels Baracke einen Besuch ab. Jede Menge Menschen wohnen auf engstem Raum. Plötzlich passiert etwas Unerwartetes: Einer der Aufseher stürmt in die Baracke und treibt die Gefangenen zusammen. Schmuel beruhigt Bruno, das käme schonmal vor, nicht schlimm. Die zwei Jungen werden mit rausgetrieben. Keine Chance, auszubrechen.

Mutter und Grete konnten Bruno nicht finden. Sie verständigen den Vater. Sie suchen die ganze Umgebung ab und finden vor dem KZ die Kleider des Jungen und den Tunnel.

Inzwischen merken auch Schmuel und Bruno, dass etwas nicht stimmt. Das ist nicht nur Antretenlassen. Sie werden in ein anderes Gebäude getrieben. Sie müssen sich ausziehen. Es sei nur eine Dusche. Sie stehen eng aneinander, Schmuel und Bruno halten sich an den Händen.

Dann geht das Licht aus. Ein Mann mit Atemmaske.

Der Vater schreit. Die Mutter bricht zusammen.

Schwarzer Rauch. Es stinkt.

 

Ja, ich weiß, es gibt ein paar unlogische Stellen. Aber die sieht man nicht, wenn der Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“ grade läuft. Gut, dass er auf DVD war, ich brauchte manchmal eine Auszeit. Unvorstellbar, das alles aus der Sicht eines Jungen zu sehen, der das alles eigentlich gar nicht glauben will, der nur will, dass sich alle gut verstehen und er mit seinem Freund Schmuel spielen will. Und das langsam aber sicher von unschuldiger Naivität zum absoluten Psychothriller wird.

Der Film hat mich geschockt. musste wie gesagt, zwischendurch Pausen machen und trotzdem war ich nach dem Film minuten lang paralysiert. Jedenfalls finde ich, ein echt guter Film, um über das Thema Drittes Reich ins Gespräch zu kommen, allerdings weiß ich nicht, ob die FSK-Angabe ab 12 passend ist. Ich glaube, die kommt nur daher, weil der Film unblutig ist, aber grausam und emotional aufreibend ist er trotzdem.

Hier ein Trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=QIeCLH8PP4U