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Jesus, mein Bruder

Mein „leiblicher Bruder“ K. hat mir nie zugehört. Für ihn war ich nur die kleine Nervensäge.Jesus hört mir immer zu und liebt es, wenn ich mit ihm rede.

K. ist in sein Zimmer geflüchtet, wenn Mama mal wieder einen Tobsuchtanfall hatte (meist auf mich gerichtet, weil ich ja die „Vorlaute“ war). Wenn ich dann weinend an seine Tür geklopft habe, weil Mama mich nur anschrie, war die einzige Reaktion das Drehen des Schlüssels im Schloss.
Jesus ist mein Fürsprecher, mein Verteidiger, der für mich eintritt und für mich kämpft.

Gott, mein Vater

Papa hat sich immer herausgehalten oder war auf der Seite von Mama. Höchstens mal ein lascher Widerspruch. Oft genug war er aber mit wütend, weil Mama ihn aufgestachelt hat oder wenn er von der Arbeit nach Hause kam natürlich sofort „ihre Version“ erzählt hat, was ich jetzt wieder Unmögliches angestellt hätte. Er musste meist ran, wenn es hieß, uns zu bestrafen (an den Armen oder Beinen durch die Wohnung schleifen, vor die Haustür setzen und abschließen – dafür war Mama nicht stark genug, und ich zumindest hab mich auch schon früh gewehrt, wenn sie mich Ohrfeigen wollte, da hat sie sich nichtmehr getraut und Papa dafür vorgeschickt). Er hat nie gefragt, war immer auf der Seite von Mama, die hatte Recht. Dabei habe ich bei so vielen meiner „Vergehen“ gar nicht verstanden, was daran jetzt wieder so falsch war. (Die Regeln haben auch oft genug gewechselt, bzw. es galten eh anderen Regeln für K., Mama und Papa.)
Gott ist der gerechte Richter. Er lässt weder Unrecht zu, noch ungerechtfertigte Strafe, noch glaubt er einer falschen Zeugenaussage. Er steht hinter mir und verteidigt mich. Er nennt das Unrecht beim Namen, und hasst zweierlei Maß. Er würde mir nie wehtun.

Der heilige Geist, meine Mutter

(Der hlg. Geist ist im Griechischen weiblich.)

Mama hat immer gesagt, ihr Leben sei so einfach gewesen und dann sei ich gekommen.
Gott hat mich durch seinen Schöpfergeist geschaffen, weil er mich wollte.

Mama hat mir immer nur gesagt, was ich besser machen muss. Selbst wenn sie mal sowas wie „toll gemacht“ oder „da hast du ja ein Talent für“ gesagt hat, war das immer verbunden mit der Aufforderung, noch mehr dran zu Arbeiten, mehr zu tun, noch bessere Noten etc.Gott liebt mich ohne Vorbedingung. Der heilige Geist in mir will mir helfen, mich aufbauen. Nicht immer nur fordern, sondern er will mich unterstützen und mit mir zusammen den Weg gehen.

Mama hat mich immer nur kritisiert, die Fehler gesehen, nichts war gut genug. (Es sei denn, etwas war ihr egal, aber dann kamen meist die Sprüche, dass ich mit sowas keine Zeit verplempern soll.)
Gott sagt mir, ich bin wunderbar geschaffen.

Für Mama muss ich immer nur arbeiten und das auch nur, damit SIE es sich unter den Nagel reißen und mit ihrer Tochter angeben kann.
Gott geht es um mich, nicht um sich selbst. Der heilige Geist ist als Trost und Hilfe für mich da, er braucht keine eigene Ego-Show.

Heute war ich auf dem Kreuzberg, hab mir die Kapelle angeschaut, dort gebetet. Also, beim Spazieren im Wald, nicht in der Kapelle. Ich hab ein bisschen durch die Traktate geblättert und fand eins über einen Mann, der gesund wurde, nachdem er zu einem Pastor gebetet hatte, der irgendwann in den 90ern gestorben war. Wie groß die heilende Kraft dieses Pastors sei und dass er nun immer zu ihm beten werde. Also, ich halt ja schon in den besten Fällen nichts von Heiligenverehrung oder beten zu Maria oder so. Sowas macht mich so traurig, wir können zu unserem Vater kommen, zum allmächtigen Gott, und ihm alles alles sagen, und dann reden Leute lieber mit toten Menschen? Und wenn es einfach nur ein Pastor war, das hat finde ich nochmal eine ganz andere Dimension als bei den „Heiligen“. Da redet man also einfach zu irgendeinem toten Menschen. Und dann hat der Mann auch noch geschrieben, wie er dem toten Pastor dankt und kein Wort des Dankes ging an Gott.

Es hat mich also ganz schön aufgerieben und ich hab zu Jesus gesagt: Ich will ja nicht immer an meinen Glaubensgeschwistern herumstänkern, aber geht sowas nicht irgendwo zu weit? Und dann noch nichtmal dir dafür danken, sondern einem Menschen? Auf einer DINA4-Seite noch nichtmal ein Wort verlieren von Gott, der ihn geheilt hat, sondern nur von diesem Pastor schreiben?? Das ist doch sowas von unverschämt!

Mir war dann auch klar, dass es mir nichts bringt, mich darüber aufzuregen und mir nur mein schönes Gespräch mit Jesus kaputt macht durch meine Wut. Sich ab und an mit solchen Dingen auseinander zu setzen kann manchmal wichtig sein, um klar zu sehen, wo Grenzen sind, bringt aber wenn man’s zu viel macht nichts und hält einen nur davon ab, mit Gott zu reden. Und irgendwie ist mir dann ein Licht aufgegangen, warum Gott im AT immer verlangt, Leute auszustoßen, die Wahrsagerei oder ähnliches machen. Ich dachte ja früher immer: Voll grausam. Aber heute dachte ich: Die missachten klar Gott, wollen lieber ihr eigenes Ding drehen. Anstatt mit solchen Leute eine Gemeinschaft zu bilden und dann immer den ewigen Diskussionen ausgesetzt zu sein, warum man jetzt grad nicht mal eben die Toten beschwören kann, sagt man halt „Mach dein Ding, aber mach es woanders.“ Das spart sicher Zeit und Nerven und ich denke mal auch, wenn sie zu Gott zurückgekommen sind, hat man sie auch wieder aufgenommen.

Irgendwie habe ich diese Stellen früher immer als drakonische Säuberungsmaßnahme gesehen, ganz schön übertrieben. Aber es sparte sicher Endlosdiskussionen mit Leuten, die partout Gott missachten wollen. Und man hat Zeit für die wichtigen Dinge.

Letzte Woche: Drei Klausuren an drei direkt aufeinanderfolgenden Tagen. Das kann ja nur schief gehen. Hallo Schlafdefizit. Und es wäre alles nicht so schlimm gewesen, wenn diese Klausuren nicht so dermaßen beschissen gewesen waren.

Erster Tag (Dienstag): SprachwissenschaftenOk, die Klausur war ganz OK. Außer dass ich mich geärgert habe, soviel gelernt zu haben. Das Verhältnis von gelerntem Stoff und abgefragtem war in etwa so, wie wenn man Kurvendiskussion büffelt und dann nur das kleine Einmaleins drankommt. Beim Übersetzungsteil habe ich ein Fachwort falsch verstanden und deshalb eine Aufgabe falsch, aber das sind auch nur so 3,4 Punkte.

Zweiter Tag: Mediensprache (Übersetzen)
Schon nicht mehr ganz so fit wegen dem vielen Lernen am Tag davor, direkt nach der ersten Klausur, trete ich an und denke mir: Naja, übersetzen halt, was will man dafür groß lernen? Beim Text Japanisch-> Deutsch kam ein Text aus dem Unterricht dran, das war OK. Dann ging es weiter mit Deutsch->Japanisch…. es war grauenvoll. Es fing dabei an, da ss ich eine Stunde hatte für einen Text von einer Seite. Bei den Hausaufgaben brauche ich für eine Seite D->J mal mindestens dreimal so lang. Dann kamen in diesem Text so schöne Begriffe vor wie „Europäische Kommission für Mehrsprachigkeit“. Natürlich findet man sowas nicht im Wörterbuch. Die Klausur hat mir echt frustriert.

Letzter Tag: Sprachkompetenz
Der nächste Tag brachte dann die letzte Klausur. In dem Kurs hatten wir viel Geschäftsbriefe und Etiquette im Geschäftsbereich gelernt. Am Mittwoch habe ich also nach der Klausur angefangen, zu versuchen, möglichst viele Floskeln für Geschäftsbriefe und geschäftliche E-Mails in meinen Kopf zu kriegen. Ich konnte zwei ganze Geschäftsbriefe wörtlich auswendig. Und was wurde abgefragt? Es gab eine kleine Aufgabe, in der wir aus einem Brief 8 umgangssprachliche Sätze in schönes, hochgestochenens Geschäftsjapanisch umschreiben mussten. Eine ganze Aufgabe, in der es um ein Poster ging mit so Sachen wie „Zielgruppe der Veranstaltung“ oder „Bitte senden Sie ihre Anmeldung schriftlich an:“ Hatte ich natürlich nicht geübt, weil wir das nur in den ersten 2,3 Stunden nebenbei besprochen hatten, nie wirklich ausführlich. Ich konnte mir dann was aus den Fingern saugen. Mal schaun, ob die da wirklich genau die Formulierung hören wollten, die wir im Unterricht hatten.
Aber am „schönsten“ war, als ich dann in der letzten halben Stunde zum Leseteil kam. Einmal flüchtig draufgeschaut: Ich verstehe kein Wort. Also jedes einzelne Wort nachgeschaut. Bei „Bluthirnschranke“ hatte ich schon keinen Bock mehr, bei „Insulinspiegel“ habe ich aufgegeben und bin lieber gleich zu den Fragen gegangen. Es war Multiple-Choice und ich habe sie nach folgendem Schema beantwortet: Garnicht erst mit Bedeutungen aufhalten. Nachschaun, wo Schlagwörter im Text sind. Versuchen, die Beziehung zwischen Verb und Nomen zu ergründen, unabhängig von der Bedeutung: Tut x ….  oder ist …. verneint, also tut x das nicht? Auf der Grundlage habe ich dann die Multiple Choice Fragen „gelöst“. (Je nachdem, wie die Antwortmöglichkeiten sind, geht das durchaus.) Naja, ein paar Wörter habe ich dann noch nachgeschlagen und war dann immerhin so weit, dass es um den Einfluss von Insulin auf das Gedächtnis ging. Mehr Insulin bedeutete eine schlechtere Gedächtnisleistung. Deshalb waren Mäuse, die nichts gegessen haben, besser in Übungen als solche, die satt waren. Und dann noch irgendwas mit Fliegen und ekligem Geruch…. den Teil hab ich nicht verstanden.

Also, alles in allem waren die Klausuren der blanke Horror und ich hoffe, dass mein Schnitt nicht ganz im Keller landet.
(Wir haben übrigens auch zwei Japanisch-Überflieger, die sich hinterher laut wunderten, warum das denn alle so leicht gewesen sei. Ja… das wollte ich da nicht hören.)

Ergebnis
13.02.: Die Note von der letzten Klausur ist da – 2,0. In Anbetracht meines geistigen Zustandes während der Klausur (übermüdet und zuviel Cola) kann ich nicht einen einzigen Punkt davon mir zuschreiben. Gott ist groß :).

O MEIN GOTT O MEIN GOTT O MEIN GOTT: Ich hab in Sprachwissenschaften eine 1,0!!!! Meine allererste 1,0!!!!

01.03: In der letzten Klausur hab ich eine 1,7. So kann der Master ruhig weitergehen! (Danke, Papa!)

 

 

SUPER SUPER SUPER! GOTT IST DOCH TOLL! UND MIT IHM SCHAFFST DU DAS!!!!!!!!!!!!!!!
Du bist schließlich schlau 🙂

Ich habe vor einer Weile schon einmal davon berichtet, dass ich mir sehr gut vorstellen könnte, in den Bereich Entwicklungszusammenarbeit/Internationale Arbeit zu gehen. Sehr konkret waren diese Pläne bis jetzt noch nicht. Letztens traf ich bei uns in der FeG im Gottestdienst eine Chinesin, die auch Japanisch lernt. Sie möchte dieses Jahr in die Region Touhoku gehen, wo 2011 der Tsunami war, und dort helfen. Die sind ja immer noch nicht fertig mit dem Wiederaufbau und das wird auch noch eine Weile dauern. Naja, dachte ich, wär ja cool. Nach Japan kommen und was Gutes tun, aber die Kosten und überhaupt, wie und wann…

Dieses Semester dürfen wir, die Masterstudenten, den Übersetzungswettbewerb Japanisch mitorganisieren. OK, dürfen ist das falsche Wort, wir müssen. Poster machen, E-Mails schreiben und vor allem: Spenden für die Preise sammeln. Also mussten wir uns japanische Geschäftsleute in der Umgebung suchen und die Anschreiben. Bei der Suche fiel mir ein, dass es ja in Köln eine japanische christliche Gemeinde gab und ich schrieb sie auf, weil… naja, wir mussten halt fünf Adressen haben. Wir haben auch alle fünf Adressen angeschrieben und die Lehrerin fragte noch „Was denkst du denn, was für einen Preis eine Kirche geben könnte?“ Keine Ahnung, vielleicht bieten sie ja an, für den Gewinner ein tolles Essen zu kochen?

Ich hätte nicht gedacht, dass der Pastor überhaupt antwortet auf den Brief. Aber er hat es. Und er hat uns eingeladen. Heute mittag also saßen wir im Gottesdienst – ich mit meiner deutschen Bibel, meine Gruppenpartnerin mit offen kundgetaner Unlust darüber, schon zum zweiten Mal innert zwei Monaten in eine Kirche gehen zu müssen. Die Predigt war richtig gut – zumindest das, was ich davon verstanden habe. Es ging um den Teil, ich weiß grad nichtmehr wo, dass wir Gefäße für Gott sind. Was ich verstanden habe, ist dass er erzählt hat, dass es hier um Tongefäße geht und die waren damals für die einfachen Leute, der Adel in Rom benutzte Glas. Also scheinen wir zwar äußerlich „nichts besonderes“ zu sein, nur die dummen kleinen Tonkrüge die jeder arme Bauer im Schrank hat, und doch sind dies die Gefäße, in die Gott seinen Geist geben will. Dann hat er davon geredet, dass Tonkrüge auch mal brechen und es dann Sache des Töpfers ist, sie zu flicken. In Japan früher waren Tonwaren sehr beliebt und weit verbreitet. Und wenn so ein Krug brach, dann brachte man ihn zum Töpfer und ließ ihn flicken. Und womit flickte er ihn zusammen? Mit flüssigem Gold oder Silber. Im Ergebnis war der Krug hinterher wertvoller als vorher. Ist das nicht ein cooles Bild?
Nach der Predigt hat uns der Pastor dann eingeladen mit ihm Tee zu trinken. Er war sehr nett und freundschaftlich, garnicht steif. Er sagte, die Gemeinde wolle uns eine Bibel auf Japanisch spenden, die könnten wir als Preis verwenden. Dann meinte er, er würde sie per Post schicken, weil sie so schwer sei, dann müssten wir nicht schleppen. Scheint also nicht gerade eine Taschenbuchausgabe zu sein.

Schließlich kamen die obligatorischen Fragen nach „Warum studiert ihr Japanisch.“ und „Was wollt ihr später machen.“ Ich erzählte also ein bisschen davon, dass ich in den Bereich Entwicklungshilfe oder internationale Zusammenarbeit im Allgemeinen gehen wolle. Von der Chinesin, die nach Tohoku geht, und dass ich sowas auch gerne machen würde.
Und jetzt haltet euch fest: Da sagt der Pastor, dass er bis vor einem Jahr in Japan in der Katastrophenhilfe gearbeitet habe. Und zwar nicht irgendwo, sondern er war bis dahin Hauptverantwortlicher für die Koordination der Freiwilligenarbeit direkt nach dem Erdbeben 2011 gewesen. Er kam sogar ursprünglich direkt aus Fukushima. Mir ist echt die Kinnlade runtergeklappt! Ich habe gebetet, dass ich vielleicht mal irgendwann irgendwie so in die grobe Richtung….. Und was macht Gott? Stellt mir mal eben so ein ehemals hohen Typen auf den Weg, an einem Ort, wo ich NIE mit gerechnet hätte, der dann auch noch super freundlich ist und fröhlich erklärt, wenn ich dahin wolle, kein Problem, er kenne die Leute alle, er könne da was machen. Ich antwortete natürlich erstmal ganz geflasht „JAAAA BITTTEEEE!!!! ICH WILL DAHIN!!!!!!!!“ (oder so), im zweiten Moment fiel mir dann ein, dass freiwillige Helfer Flug und Unterbringung selbst finanzieren müssen, also schob ich ein „….wenn mein Geld reicht.“ nach. Da meinte er nur „Ach, mach dir darum kein Problem, ich kenne da die Organisationen, das geht schon mit der Finanzierung. Notfalls können wir dich auch offiziell von der Kirche aus unterstützen. Das ist das geringste Problem!“

Ich kann’s noch gar nicht richtig glauben. Wenn das klappt, das wäre so dermaßen genial!!! Und wie Gott das mal wieder hingekriegt hat, ich meine, ich fang so nichtsahnend ein Gespräch mit einem Pastor an und es stellt sich raus, dass der mal eben überall Kontakte hat genau in dem Bereich, wo ich reinwill!

Gott ist einfach nur TOLL!

Ich habe es tatsächlich getan: Ich habe meinem Bruder ein Buch mit kleinen „Weisheitsgeschichten“ geschenkt, aber aus der christlichen Buchhandlung. Das heißt, da werden auch Sachen über Gott drin vorkommen. Ich bin mal gespannt.

Und ich habe meinem Vater einen Kalender geschenkt, mit Bildern von Bergen und christlichen Sprüchen, also Bibelzitate. Da sind dann natürlich auch „allgemeine“ Sachen dabei wie

Bei allem, was ihr tut, lasst euch von der Liebe  leiten.

1.Korinther  16,14

Aber auch (April)

Das ist die rettende Botschaft: Jesus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben – unvergänglich und ewig – ans Licht gebracht.

2. Thimotheus 1,1o

Beide haben sich sehr gefreut. Zugegebenermaßen, mein Vater hat den Kalender garnicht von innen angeschaut, sondern nur gesehen, dass es Bergmotive sind und fand das gleich toll.

Ein bisschen habe ich dieses Geschenk auch gemacht, weil ich Gott irgendwie daran erinnern wollte, dass er gesagt hat, er rettet meine Eltern. Zumindest sehe ich das Bild so, dass ich seit dem Freakstock sehe. Davor habe ich immer, wenn ich für meine Familie gebetet habe, sie vor mir knien sehen und Jesus stand hinter mir und hat von hinten seine Hände über meine gelegt und sie durch mich gesegnet. Seitdem sehe ich ein anderes Bild, nämlich, dass meine Eltern und mein Bruder vor Jesus knien und ich knie hinter ihnen und lege ihnen von Hinten die Hände auf und Jesus hält seine Hände über uns alle. Vielleicht wollte ich Gott ein bisschen „auf die Sprünge helfen“ und habe deshalb mal ganz offensiv diese Sachen verschenkt.

Heute morgen habe ich dann dafür gebetet, dass mein Vater und mein Bruder beim Lesen der Kalendersrpüche/des Buches nicht genervt sind davon, sondern dass sie es sich irgendwie zu Herzen nehmen. Und da zeigte Jesus mir das Bild von einem Samen in der Erde. So eins:

Ich sah den Samen vor meinem inneren Auge wachsen und da fiel mir auf: Erstmal passierte ganz viel im Samenkorn selber, bevor überhaupt ein kleines Stück Spross die Hülle aufbrach. Dann kam der Spross langsam aus der Hülle, war aber noch tief unter der Erde. Er musste erstmal durch die ganze Erde durch, immer höher wachsen, bis er endlich an der Oberfläche hervorbrach. Wenn er das getan hatte, war er aber immer noch nur ein kleiner Stippel, bei dem wirklich nur ein Fachmann sagen konnte, dass das eine Pflanze ist und nicht etwa ein kleiner grüner Stein. Dann wächst die Pflanze langsam mehr und sieht aber immer noch nur aus wie ein komischer Stengel, weil sich die Blätter noch nicht entfaltet haben. Dann entfalten sich die Blätter und man kann endlich, nach langer Zeit, sehen, dass es eine Pflanze ist, aber immer noch nicht, was für eine. Das dauert dann noch viel viel länger.

Ob Gott wohl schon in ihnen arbeitet? Ob  sie schon etwas spüren, vielleicht schon ein bisschen mit dem Spross aus der Samenhülle hinausgestoßen sind, man sieht es nur nicht?

Nein, meine stehen noch nicht. Ich hab mir hier und da mal ein paar Gedanken gemacht, überlegt, ob nicht internationale Zusammenarbeit ein Bereich wäre, der mich interessiert, aber im Großen und Ganzen habe ich noch nichts geplant. Irgendwie was mit übersetzen halt.

Was ich mich aber gestern gefragt habe, ist, welche Zukunftspläne denn meine Kommilitonen so haben. Der Grund war Folgender:
Bis jetzt hat noch kein Text, den unser Professor mit uns angefangen hat, den Leuten gepasst. Und noch jeder wurde unbeendet abgebrochen, weil es so viel Protest dagegen gab. Arbeitsmarktpolitik? Laaaangweilig. (Ich fand den Text richtig interessant, zumal es auch darum ging, was da in den politischen Gremien besprochen wurde und mit welchen Gründen da Gesetze zur Lockerung des Kündigungsschutzes durchgesetzt wurden – das betrifft letztendlich uns alle, wenn man wegen nichts rausgeworfen werden kann.) Aber es war ja zu langweilig, also kam eine Reportage über einen berühmten japanischen Politiker, der im zweiten Weltkrieg eine große Rolle gespielt hat. Zu Übersetzen waren die Dialoge mit japanischen Historikern, von denen es in der Reportage Untertitel geben sollte – genau die Art von Auftrag, die man später im Beruf tatsächlich kriegen könnte. Das war den Leuten dann aber auch erstens zu langweilig und zweitens zu schwer, weil es eben gesprochene Sprache war und sich die Leute auch mal versprochen haben, was man als Sprachlerner nicht immer so mitkriegt und dann an einem scheinbar sinnlosen Satz verzweifelt. Also haben wir einen neuen Text gekriegt, bei dem es um die Arbeitsmarktreformen ging. Ich fand ihn richtig interessant, denn es wurde beschrieben, wie das ganze in den verschiedenen Ausschüssen diskutiert wurde und mit welchen (fadenscheinigen) Gründe da eine Lockerung des Kündigungsschutzes oder eine Senkung des Mindestlohnes durchgedrückt werden sollte. Das war mal ein guter Einblick in die Abläufe in der japanischen Politik. Sowas ist sicher hilfreich im späteren Berufsleben. Das hat den anderen aber auch nicht gepasst, weil ja laaaangweilig.
Also wieder einen Text nach der Hälfte abgebrochen und einen neuen Text angefangen: Vertrag zwischen zwei Firmen. Genau das, was uns später in der Berufspraxis erwartet! Verträge, Geschäftskorrespondenz, Patente.
Und, was passiert? Natürlich zu langweilig. Professor fragt entnervt, was denn Recht sei. Klar: Romane, Manga.

In dem Moment habe ich mich ernsthaft gefragt, was denn die Leute später machen wollen. Die Chancen, dass du als Übersetzer schön Romane etc übersetzt sind gleich null, Mangas werden in Deutschland meist aus dem Englischen übersetzt, und sowieso verdient man an Romanen eigentlich nicht genug, damit sie der Mühe wert wären. Wenn man so viel verdienen würde, wie man Übersetzungsarbeit reinsteckt, würden die nicht bloß 20€ kosten.

Ich glaube ernsthaft, das wird noch ein paar unschöne Begegnungen mit der Realität geben.

Von meiner Brieffreundin aus Amerika:

Heute war wieder Hauskreisabend von der FeG. Es war…. ich weiß auch nicht. Ich geb euch mal  die Fakten:

  • A. wieder schwanger, mit Zwillingen. Noch nicht offiziell, weil es noch erst so 2 Monate sind. Sie hat mit ihrem Mann schon eine dreijährige Tochter.
  • K. hat ihr Kind verloren, vor zwei Wochen. Wir hatten garnicht gewusst, dass sie schwanger gewesen war, aber sie hatte es halt erst sagen wollen, wenn es mehr als 3 Monate gewesen wären. Man sagt ja, ab dem 3. Monaten ist es relativ sicher, dass das Kind bleibt. Deshalb ist es ja bei A. auch noch nicht offiziell.
  • Ich hab von der Situation in der SMD berichtet. Siehe Betbetrieb. Und davon, dass vielleicht nächstes Semester die SMD bei uns so nicht mehr existieren wird. Und davon, ob es nicht besser ist, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen, anstatt uns noch ein Jahr abzukämpfen, bis die Leiterin, die im 3. Mastersemester ist, dann ihr Studium beendet und wir nurnoch zu zweit dastehen und aufhören müssen. Und dann hätte ich fast geheult, weil ich in den drei Jahren immer wieder die Hoffnung gehabt hatte, dass neue Mitarbeiter dazukommen und wir eine aktive Gruppe werden können, in der sich alle einbringen – und nicht nur wir drei.

Und dann haben wir in der Bibel gelesen und in Jesaja 54 gelesen.

Juble, du Unfruchtbare, die nicht geboren, brich in Jubel aus und jauchze, die keine Wehen gehabt hat! Denn die Söhne der Einsamen sind zahlreicher als die Söhne der Verheirateten, spricht der HERR. Mache weit den Raum deines Zeltes, und deine Zeltdecken spanne aus! Spare nicht! Mache deine Seile lang, und deine Pflöcke stecke fest! Denn du wirst dich nach rechts und links ausbreiten, und deine Nachkommen werden Nationen beerben und verödete Städte besiedeln.

Und irgendwie war es, als habe Gott zu jedem von uns gesprochen. Und ich musste die ganze Zeit auf den Vers 2 schauen und dachte: Gott verspricht uns, dass wir so eine große Gemeinschaft werden, dass wir unsere Räume noch erweitern müssen.

Ob er damit die SMD gemeint hat?

Als ich im dritten Semester war, habe ich mit Koreanisch angefangen. In der allerersten Stunden waren viele neuen Gesichter da. Erstsemester oder Leute im dritten Semester, die aber eine andere Erstsprache hatten. Neben mir saß ein Mädchen und wir kamen so ins Gespräch. Wie das halt ist am ersten Tag. Sie war auch im 3. Semester, hatte aber Chinesisch als erste Sprache. Ich habe mich richtig gut mit ihr verstanden, sie war sehr nett und ich war froh, neben so einer netten Person das Semester verbringen zu können.

Als wir nach der Stunde aufstanden, stellte ich meine Tasche auf den Tisch. Darauf deutlich zu sehen ein Ichthysaufnäher und andere christliche Buttons. Sie fragt: „Bist du Christin?“ Ich sage ja und sie antwortet schroff: „Lass mich mit SOWAS bloß in Ruhe! Ich will davon NICHTS hören!!“ Ohne, dass ich je ein Wort über meinen Glauben verloren hätte.
Es ist jetzt nicht so, als wäre das das erste Mal gewesen, dass ich angepampt wurde wegen meinem Glauben. Als ich einmal für die SMD in der Mensa Flyer verteilt habe, wurde ich darauf angesprochen und gefragt, ob ich Christin sei. Ich bejahte das und der Studenten grinst „Nicht im Ernst, oder? Du willst mir doch nicht echt erzählen, dass du so blöd bist, an einen „Gott“ zu glauben. Weißte, Leute wie du, denen sollte man das Abi wieder abnehmen. Jemand der so zurückgeblieben ist, gehört nicht an die Uni!“
Aber gut, das war in der Mensa der Naturwissenschaftler und ich dachte mir einfach, lass den Idioten. Hier war es anders. Ich habe sie jeden Tag gesehen, aber sie hat danach nie wieder ein Wort mit mir geredet. Auf meinen Gruß hin hat sie sich immer weggedreht oder betont auffällig eine Unterhaltung mit jemand anderem angefangen. Und ich habe mich natürlich gefragt, was ich falsch gemacht habe, außer meinen Glauben zu zeigen.

Gestern abend war ich dann zu einem DVD-Abend bei Annika, einer neuen Freundin aus meinem Übersetzungskurs. (Lustigerweise habe ich schon eine Freundin, die sich genauso schreibt.) Wir verstehen uns gut, weil sie halt auch so ein bisschen verrückt ist. Solche Leute ziehe ich ja magisch an. (Ne, bithi? XD) Und wer sitzt da auf dem DVD-Abend und entpuppt sich als gute Freundin von Annika?

Richtig.

Zum Glück waren wir zu sechst – zu dritt wäre sicher etwas komisch geworden. Naja, wir haben dann angefangen den Film zu gucken (Sherlock, neue Serie aus England und in Deutschland noch garnicht raus, aber total witzig und gut gemacht.) Es wurde nebenbei gequatscht und kommentiert. Und irgendwie so mitten im Gespräch, es geht grob um Beziehungen, stellt sich raus, dass nichtnur Annika bi ist und ihre letzte Beziehung eine Frau war, sondern auch, dass ihre Freundin lesbisch ist.

Da ist mir dann eine ganze Glühbirnenfabrik aufgegangen. Zumindest konnte ich mir dann denken, warum sie so schlecht auf Christen zu sprechen ist. Entweder, sie hatte tatsächlich im Bekannten- oder Verwandtenkreis Leute, die mehr oder weniger direkt mit der Hölle gedroht haben, als sie sich geoutet hat (vll sogar eine erzkatholische Oma oder so), oder sie hat sich das einfach selber zusammengedacht.

Ich weiß nicht. Vielleicht hat es ja geholfen, dass wir uns normal über etwas anderes unterhalten haben. Oder dass ich genauso darüber lachen konnte, dass in der Serien immer alle denken, Sherlock und Watson wären schwul und ein Paar. (Ich meine: keine Frauen, leben zusammen in einem Apartement und Watson geht oft echt weit, um Sherlock vor sich selber und anderen zu schützen.)

Naja, ob ich sieh noch öfter sehe? Ich verstehe mich wirklich gut mit Annika, wir haben den gleichen Humor. Und wir ergänzen uns perfekt beim Übersetzen: Sie kann immer alle Vokabeln, versteht aber die Satzstrukturen nie. Ich kann nicht so viele Vokabeln, verstehe aber die Sätze, wenn sie mir erstmal die Vokabeln gegeben hat.
Wir werden sehen, wie das weitergeht.

Eine Freundin von mir sagt gerne, eine Arztpraxis steht und fällt mit den Helferinnen. Ich sagte immer, ich habe da nicht genug Erfahrung. Mein alter Hausarzt in Nümbrecht kann die Male, an denen ich in meinem ganzen Leben in seiner Praxis war, an seinen Fingern abzählen. Ein paar Impfungen, ein Nagelpilz, eine Mandelentzündung, das wars. Das liegt nicht nur daran, dass ich im Vergleich zu anderen relativ selten krank werde, sondern auch daran, dass meine Eltern uns lieber ins Bett gesteckt haben zum Auskurieren, als wegen allem zum Arzt zu rennen. Die Ärztin, bei der ich bis jetzt in Bonn war, hat mich in den drei Jahren ganze dreimal gesehen: Einmal hatte ich eine schlimme Erkältung und brauchte ein Attest für die Uni, zweimal brauchte ich Thrombosespritzen für den langen Flug nach Asien.
Jetzt bin ich ausnahmsweise mal wieder krank. Nicht wirklich schlimm, ein bisschen Husten, vor allem aber fühle ich mich total schlapp. Solange ich hier auf dem Bett sitze geht es mir gut, ich fühle mich sogar normal, und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, ich könnte rausgehen und fahrradfahren. Nur wenn ich aufstehe, erinnert mich mein Körper daran, dass dem nicht so ist, indem er mir erklärt, dass die Welt neuerdings ein großes Meer ist, das lustig hin und her schaukelt. Also besser nicht zur Uni heute. Und morgen wohl auch nicht.
Nachdem ich dies heute morgen beschlossen hatte, brauchte ich noch ein Attest. Ich suchte nach der nächstgelegenen Praxis (lange laufen ist eh nicht drin), fand sie sogar mit eigener Internetseite und dem Vermerk, Sprechstunde sei von 15-17 Uhr. Super, dachte ich, und stand Punkt 15 Uhr auf der Matte. Naja, wankte. Sie ist nur zwei Straßen weiter, aber als ich angekommen war, drehte sich alles um mich und ich hatte das Gefühl, gerade einen 300-Meter-Sprint hinter mir zu haben.
Die Arzthelferin fragte mich kurz angebunden „Name?“ – „Sie stehen nicht hier im Kalender.“ „Ich habe keinen Termin. Ich bin hier, weil es mir heute nicht gut geh. Mir ist schwindelig und ich fühl mich krank. Ich brauche ein Attest für die Uni.“ Sie sah mich unfreundlich an. „Wir haben für sowas Sprechstundenzeiten.“ „Ja, aber die sind doch jetzt?“ „Nein, die sind vormittags.“ „Aber im Internet stand ab 3.“ „Ja, das sind die ALTEN Sprechstundenzeiten.“ (Sie sagte das, als müsse man schon ziemlich bescheuert sein, nicht zu wissen, dass diese Praxis die Zeiten geändert hat. Stand doch überall…öh…in den Medien und so. Titelseite der FAZ.) Ich sagte also, das könne ich ja nicht wissen. Sie meinte, man solle doch so oder so vorher anrufen, egal ob Sprechstunde oder nicht, das wisse doch jeder. Ich verkniff mir die Antwort, die ehrlicherweise gelautet hätte: Festnetzflat ist nicht in meinem Tarif und da ich nicht dachte, dass es notwendig ist – offene Sprechstunde und so – wollte ich mir das Geld sparen, wenn’s auch nur ein Euro gewesen wäre. Kleinvieh macht auch Mist.
Sie sah mich nochmal böse an und meinte dann na gut, AUSNAHMSWEISE, aber dann müsste ich bestimmt MINDESTENS eine Stunde warten. Aber ich hatte ja eh nichts vor.
Also händigte ich meine Versichtertenkarte aus. „10 Euro krieg ich dann noch.“ Oh verdammt, daran hatte ich nicht gedacht. Und kein Geld dabei.
Die Sprechstundenhilfe verlor offensichtlich langsam die Geduld. Zumindest sah sie jetzt sehr böse aus. Hält sich nicht an die Sprechstundenzeiten, ruft nicht an UND hat kein Geld dabei. Gesagt hat sie das so nicht, aber der genervte Tonfall und der Blick waren eindeutig. „Wissen Sie wo die nächste Sparkasse ist? Es dauert eh noch, bis Sie drankommen.“ Für einen Moment überlegte ich, ihr ehrlich zu sagen, dass mir verdammt schwindelig war und ich mir den Weg lieber sparen würde. Aber sie sah nicht sehr mitfühlend aus. Also ging ich los. Langsam. Die Welt bestand immer noch darauf, Karussel zu fahren. Ich schaffte es aber unfallfrei zur Sparkasse und zurück.
Die zwei Stunden Wartezeit haben mich nicht überrascht. Das ist ja immer so, gerade ohne Termin, manchmal auch mit. Und ich hatte ein gutes Buch dabei.
Dann durfte ich mit Frau Freundlich mitkommen. Sie blieb an der Tür zum Untersuchungszimmer stehen, wies mit ausgestrecktem Arm hinein und sagte „Setzen Sie sich bitte.“ Ich ging hinein und setzte mich auf die Untersuchungsliege. Da erschallte vom Türrahmen ein genervtes „Ich hatte auf den STUHL(!) gezeigt!“ Frau Freundlich sah nun ernsthaft Böse aus. Wie viel musste Sie denn noch ertragen? Jetzt war ich auch noch zu dumm, zu kapieren, dass man sich im Untersuchungszimmer nicht einfach so auf die Liege setzt!

Interessanterweise war die Ärztin das genaue Gegenteil. Lieb, nett, lächelte viel, nickte mitfühlend und streichelte mich beim Hinausgehen am Arm, während sie sagte, dass das schon wird, mit Bettruhe und viel trinken. Dabei hatte ich mich fast entschlossen, diese Praxis nie wieder aufzusuchen.

Was ich mich ernsthaft frage, ist, warum solche Leute wie die Arzthelferin soziale Berufe ausüben. Zum Glück komme ich ja nicht oft in Arztpraxen. Ich weiß noch nicht, was ich das nächste Mal mache, wenn ich wieder krank werde. Ob ich nur wegen der Helferin nichtmehr hingehen sollte?