Ich habe vor einer Weile schon einmal davon berichtet, dass ich mir sehr gut vorstellen könnte, in den Bereich Entwicklungszusammenarbeit/Internationale Arbeit zu gehen. Sehr konkret waren diese Pläne bis jetzt noch nicht. Letztens traf ich bei uns in der FeG im Gottestdienst eine Chinesin, die auch Japanisch lernt. Sie möchte dieses Jahr in die Region Touhoku gehen, wo 2011 der Tsunami war, und dort helfen. Die sind ja immer noch nicht fertig mit dem Wiederaufbau und das wird auch noch eine Weile dauern. Naja, dachte ich, wär ja cool. Nach Japan kommen und was Gutes tun, aber die Kosten und überhaupt, wie und wann…

Dieses Semester dürfen wir, die Masterstudenten, den Übersetzungswettbewerb Japanisch mitorganisieren. OK, dürfen ist das falsche Wort, wir müssen. Poster machen, E-Mails schreiben und vor allem: Spenden für die Preise sammeln. Also mussten wir uns japanische Geschäftsleute in der Umgebung suchen und die Anschreiben. Bei der Suche fiel mir ein, dass es ja in Köln eine japanische christliche Gemeinde gab und ich schrieb sie auf, weil… naja, wir mussten halt fünf Adressen haben. Wir haben auch alle fünf Adressen angeschrieben und die Lehrerin fragte noch „Was denkst du denn, was für einen Preis eine Kirche geben könnte?“ Keine Ahnung, vielleicht bieten sie ja an, für den Gewinner ein tolles Essen zu kochen?

Ich hätte nicht gedacht, dass der Pastor überhaupt antwortet auf den Brief. Aber er hat es. Und er hat uns eingeladen. Heute mittag also saßen wir im Gottesdienst – ich mit meiner deutschen Bibel, meine Gruppenpartnerin mit offen kundgetaner Unlust darüber, schon zum zweiten Mal innert zwei Monaten in eine Kirche gehen zu müssen. Die Predigt war richtig gut – zumindest das, was ich davon verstanden habe. Es ging um den Teil, ich weiß grad nichtmehr wo, dass wir Gefäße für Gott sind. Was ich verstanden habe, ist dass er erzählt hat, dass es hier um Tongefäße geht und die waren damals für die einfachen Leute, der Adel in Rom benutzte Glas. Also scheinen wir zwar äußerlich „nichts besonderes“ zu sein, nur die dummen kleinen Tonkrüge die jeder arme Bauer im Schrank hat, und doch sind dies die Gefäße, in die Gott seinen Geist geben will. Dann hat er davon geredet, dass Tonkrüge auch mal brechen und es dann Sache des Töpfers ist, sie zu flicken. In Japan früher waren Tonwaren sehr beliebt und weit verbreitet. Und wenn so ein Krug brach, dann brachte man ihn zum Töpfer und ließ ihn flicken. Und womit flickte er ihn zusammen? Mit flüssigem Gold oder Silber. Im Ergebnis war der Krug hinterher wertvoller als vorher. Ist das nicht ein cooles Bild?
Nach der Predigt hat uns der Pastor dann eingeladen mit ihm Tee zu trinken. Er war sehr nett und freundschaftlich, garnicht steif. Er sagte, die Gemeinde wolle uns eine Bibel auf Japanisch spenden, die könnten wir als Preis verwenden. Dann meinte er, er würde sie per Post schicken, weil sie so schwer sei, dann müssten wir nicht schleppen. Scheint also nicht gerade eine Taschenbuchausgabe zu sein.

Schließlich kamen die obligatorischen Fragen nach „Warum studiert ihr Japanisch.“ und „Was wollt ihr später machen.“ Ich erzählte also ein bisschen davon, dass ich in den Bereich Entwicklungshilfe oder internationale Zusammenarbeit im Allgemeinen gehen wolle. Von der Chinesin, die nach Tohoku geht, und dass ich sowas auch gerne machen würde.
Und jetzt haltet euch fest: Da sagt der Pastor, dass er bis vor einem Jahr in Japan in der Katastrophenhilfe gearbeitet habe. Und zwar nicht irgendwo, sondern er war bis dahin Hauptverantwortlicher für die Koordination der Freiwilligenarbeit direkt nach dem Erdbeben 2011 gewesen. Er kam sogar ursprünglich direkt aus Fukushima. Mir ist echt die Kinnlade runtergeklappt! Ich habe gebetet, dass ich vielleicht mal irgendwann irgendwie so in die grobe Richtung….. Und was macht Gott? Stellt mir mal eben so ein ehemals hohen Typen auf den Weg, an einem Ort, wo ich NIE mit gerechnet hätte, der dann auch noch super freundlich ist und fröhlich erklärt, wenn ich dahin wolle, kein Problem, er kenne die Leute alle, er könne da was machen. Ich antwortete natürlich erstmal ganz geflasht „JAAAA BITTTEEEE!!!! ICH WILL DAHIN!!!!!!!!“ (oder so), im zweiten Moment fiel mir dann ein, dass freiwillige Helfer Flug und Unterbringung selbst finanzieren müssen, also schob ich ein „….wenn mein Geld reicht.“ nach. Da meinte er nur „Ach, mach dir darum kein Problem, ich kenne da die Organisationen, das geht schon mit der Finanzierung. Notfalls können wir dich auch offiziell von der Kirche aus unterstützen. Das ist das geringste Problem!“

Ich kann’s noch gar nicht richtig glauben. Wenn das klappt, das wäre so dermaßen genial!!! Und wie Gott das mal wieder hingekriegt hat, ich meine, ich fang so nichtsahnend ein Gespräch mit einem Pastor an und es stellt sich raus, dass der mal eben überall Kontakte hat genau in dem Bereich, wo ich reinwill!

Gott ist einfach nur TOLL!

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