Nein, meine stehen noch nicht. Ich hab mir hier und da mal ein paar Gedanken gemacht, überlegt, ob nicht internationale Zusammenarbeit ein Bereich wäre, der mich interessiert, aber im Großen und Ganzen habe ich noch nichts geplant. Irgendwie was mit übersetzen halt.

Was ich mich aber gestern gefragt habe, ist, welche Zukunftspläne denn meine Kommilitonen so haben. Der Grund war Folgender:
Bis jetzt hat noch kein Text, den unser Professor mit uns angefangen hat, den Leuten gepasst. Und noch jeder wurde unbeendet abgebrochen, weil es so viel Protest dagegen gab. Arbeitsmarktpolitik? Laaaangweilig. (Ich fand den Text richtig interessant, zumal es auch darum ging, was da in den politischen Gremien besprochen wurde und mit welchen Gründen da Gesetze zur Lockerung des Kündigungsschutzes durchgesetzt wurden – das betrifft letztendlich uns alle, wenn man wegen nichts rausgeworfen werden kann.) Aber es war ja zu langweilig, also kam eine Reportage über einen berühmten japanischen Politiker, der im zweiten Weltkrieg eine große Rolle gespielt hat. Zu Übersetzen waren die Dialoge mit japanischen Historikern, von denen es in der Reportage Untertitel geben sollte – genau die Art von Auftrag, die man später im Beruf tatsächlich kriegen könnte. Das war den Leuten dann aber auch erstens zu langweilig und zweitens zu schwer, weil es eben gesprochene Sprache war und sich die Leute auch mal versprochen haben, was man als Sprachlerner nicht immer so mitkriegt und dann an einem scheinbar sinnlosen Satz verzweifelt. Also haben wir einen neuen Text gekriegt, bei dem es um die Arbeitsmarktreformen ging. Ich fand ihn richtig interessant, denn es wurde beschrieben, wie das ganze in den verschiedenen Ausschüssen diskutiert wurde und mit welchen (fadenscheinigen) Gründe da eine Lockerung des Kündigungsschutzes oder eine Senkung des Mindestlohnes durchgedrückt werden sollte. Das war mal ein guter Einblick in die Abläufe in der japanischen Politik. Sowas ist sicher hilfreich im späteren Berufsleben. Das hat den anderen aber auch nicht gepasst, weil ja laaaangweilig.
Also wieder einen Text nach der Hälfte abgebrochen und einen neuen Text angefangen: Vertrag zwischen zwei Firmen. Genau das, was uns später in der Berufspraxis erwartet! Verträge, Geschäftskorrespondenz, Patente.
Und, was passiert? Natürlich zu langweilig. Professor fragt entnervt, was denn Recht sei. Klar: Romane, Manga.

In dem Moment habe ich mich ernsthaft gefragt, was denn die Leute später machen wollen. Die Chancen, dass du als Übersetzer schön Romane etc übersetzt sind gleich null, Mangas werden in Deutschland meist aus dem Englischen übersetzt, und sowieso verdient man an Romanen eigentlich nicht genug, damit sie der Mühe wert wären. Wenn man so viel verdienen würde, wie man Übersetzungsarbeit reinsteckt, würden die nicht bloß 20€ kosten.

Ich glaube ernsthaft, das wird noch ein paar unschöne Begegnungen mit der Realität geben.

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