Als ich im dritten Semester war, habe ich mit Koreanisch angefangen. In der allerersten Stunden waren viele neuen Gesichter da. Erstsemester oder Leute im dritten Semester, die aber eine andere Erstsprache hatten. Neben mir saß ein Mädchen und wir kamen so ins Gespräch. Wie das halt ist am ersten Tag. Sie war auch im 3. Semester, hatte aber Chinesisch als erste Sprache. Ich habe mich richtig gut mit ihr verstanden, sie war sehr nett und ich war froh, neben so einer netten Person das Semester verbringen zu können.

Als wir nach der Stunde aufstanden, stellte ich meine Tasche auf den Tisch. Darauf deutlich zu sehen ein Ichthysaufnäher und andere christliche Buttons. Sie fragt: „Bist du Christin?“ Ich sage ja und sie antwortet schroff: „Lass mich mit SOWAS bloß in Ruhe! Ich will davon NICHTS hören!!“ Ohne, dass ich je ein Wort über meinen Glauben verloren hätte.
Es ist jetzt nicht so, als wäre das das erste Mal gewesen, dass ich angepampt wurde wegen meinem Glauben. Als ich einmal für die SMD in der Mensa Flyer verteilt habe, wurde ich darauf angesprochen und gefragt, ob ich Christin sei. Ich bejahte das und der Studenten grinst „Nicht im Ernst, oder? Du willst mir doch nicht echt erzählen, dass du so blöd bist, an einen „Gott“ zu glauben. Weißte, Leute wie du, denen sollte man das Abi wieder abnehmen. Jemand der so zurückgeblieben ist, gehört nicht an die Uni!“
Aber gut, das war in der Mensa der Naturwissenschaftler und ich dachte mir einfach, lass den Idioten. Hier war es anders. Ich habe sie jeden Tag gesehen, aber sie hat danach nie wieder ein Wort mit mir geredet. Auf meinen Gruß hin hat sie sich immer weggedreht oder betont auffällig eine Unterhaltung mit jemand anderem angefangen. Und ich habe mich natürlich gefragt, was ich falsch gemacht habe, außer meinen Glauben zu zeigen.

Gestern abend war ich dann zu einem DVD-Abend bei Annika, einer neuen Freundin aus meinem Übersetzungskurs. (Lustigerweise habe ich schon eine Freundin, die sich genauso schreibt.) Wir verstehen uns gut, weil sie halt auch so ein bisschen verrückt ist. Solche Leute ziehe ich ja magisch an. (Ne, bithi? XD) Und wer sitzt da auf dem DVD-Abend und entpuppt sich als gute Freundin von Annika?

Richtig.

Zum Glück waren wir zu sechst – zu dritt wäre sicher etwas komisch geworden. Naja, wir haben dann angefangen den Film zu gucken (Sherlock, neue Serie aus England und in Deutschland noch garnicht raus, aber total witzig und gut gemacht.) Es wurde nebenbei gequatscht und kommentiert. Und irgendwie so mitten im Gespräch, es geht grob um Beziehungen, stellt sich raus, dass nichtnur Annika bi ist und ihre letzte Beziehung eine Frau war, sondern auch, dass ihre Freundin lesbisch ist.

Da ist mir dann eine ganze Glühbirnenfabrik aufgegangen. Zumindest konnte ich mir dann denken, warum sie so schlecht auf Christen zu sprechen ist. Entweder, sie hatte tatsächlich im Bekannten- oder Verwandtenkreis Leute, die mehr oder weniger direkt mit der Hölle gedroht haben, als sie sich geoutet hat (vll sogar eine erzkatholische Oma oder so), oder sie hat sich das einfach selber zusammengedacht.

Ich weiß nicht. Vielleicht hat es ja geholfen, dass wir uns normal über etwas anderes unterhalten haben. Oder dass ich genauso darüber lachen konnte, dass in der Serien immer alle denken, Sherlock und Watson wären schwul und ein Paar. (Ich meine: keine Frauen, leben zusammen in einem Apartement und Watson geht oft echt weit, um Sherlock vor sich selber und anderen zu schützen.)

Naja, ob ich sieh noch öfter sehe? Ich verstehe mich wirklich gut mit Annika, wir haben den gleichen Humor. Und wir ergänzen uns perfekt beim Übersetzen: Sie kann immer alle Vokabeln, versteht aber die Satzstrukturen nie. Ich kann nicht so viele Vokabeln, verstehe aber die Sätze, wenn sie mir erstmal die Vokabeln gegeben hat.
Wir werden sehen, wie das weitergeht.

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