Bei Menschen mit Persönlichkeitsstörung kommt es schonmal vor, dass sie andere verletzen, scheinbar aus keinem anderen Grund als aus Spaß an der Freude. Aber was würde wohl passieren, denk ich jetzt, wenn dieses verletzende Verhalten gute Auswirkungen hat? Wenn man andere aus Spaß an der Freude verletzt und die Person mit der Situation umgeht und zeigt, dass sie ihr gar nichts ausmacht und scheinbar gut damit zurecht kommt?

Als ich erfahren habe, dass ich eine polnische Mitbewohnerin bekommen soll, in einer Nachtschicht auf einmal ein Zimmer frei machen musste und weder gefragt wurde, was ich dazu sage noch wie es mir dabei geht (von um Erlaubnis fragen will ich gar nicht erst anfangen) war ich erstmal total fertig. Ich wollte diese Person weder kennen lernen noch irgend etwas mit ihr zu tun haben. Obwohl sie überhaupt nichts dafür kann. Hab geheult wie sonstwas. (Und nein, ich will deswegen nicht in ein Frauenhaus xD) Aber ich denke, man kann sich vorstellen, dass es mir dabei erstmal so scheiße ging. Und fast alle außerhalb meiner Familie, mit denen ich darüber geredet habe, fanden es verständlich. (Bis auf die Frau, die diese Person an meine Eltern vermittelt hat. Es ist eine Freundin von ihr.)

Aber ich habe gemerkt, dass, wenn ich zeige, wie mies es mir geht, ist das für eine bestimmte Person in meiner Familie eher ein Erfolgserlebnis und es wird genau in dieser Richtung weiter gemacht. Ich glaube, früher oder später werde ich in eine Wohnung ziehen, von der sie nicht weiß, wo es ist, aber das sehen wir, wenn es so weit ist. (Und nein, es wird kein Frauenhaus xD) Jedenfalls hat sich dann irgendwann die Idee in meinen Kopf geschlichen, was denn wäre, wenn ich die Frau ganz lieb aufnehmen würde und wir uns vielleicht sehr gut verstehen? Der Wind würde einer bestimmten Person völlig aus den Segeln genommen werden. Erst hab ich mich gegen den Gedanken gesträubt aber hey, schon alleine um die dummen Gesichter zu sehen! Außerdem, auch wenn ich immernoch stinkwütend und enttäuscht bin, vielleicht ist es ja ein beeindruckenderes Zeugnis als wenn ich verbissen um meine Rechte kämpfe und das Ganze vielleicht in der totalen Eskalation enden würde.

Bis jetzt ist die Person noch nicht da. Erst hieß es, sie solle schon letztes Wochenende eingezogen sein, dann hieß es, mitte dieser Woche und aktuell ist jetzt der Freitag. Meine Eltern haben das Zimmer notdürftig vorbereitet und als ich gestern reingeschaut habe, dachte ich, das könnte man, so, wie es jetz ist, jemandem grade mal für ein oder zwei Übernachtungen zumuten. Hab ich mich dann eben drum gekümmert und versucht, es ein bisschen einladendet aussehen zu lassen. Und ein kleines Willkommensgeschenk, ich finde, das gehört sich einfach so. Wenn die gute Frau schon diesen miesen Job zu diesen miesen Bedingungen annimmt kann wenigstens so freundlich sein, wie es geht. Sie kann ja wirklich nichts dafür.

Davon abgesehen, meine Güte, ich steh schon genug unter Druck im Moment, dann muss ich ihn mir doch nicht noch größer machen, indem ich unbedingt ein schlechtes Verhältnis zu meiner neuen Mitbewohnerin haben muss, nur weil meine Mutter das so will. Also bitte! Ich entscheide doch, worüber ich mich aufrege, wer zwingt mich dazu, sauer zu sein? Und wie war das nochmal mit der Frucht des Geistes? Gehörte da nicht sowas zu wie Liebe und Freude? Na also! Dann schreib ich in diesem miesen Schauspiel mein eigenes Drehbuch.

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