Die Vorbereitung des Mustertrainings läuft in vollen Zügen. Ich hab das letzte Ausbildungswochenende hinter mir (Jetzt fehlt nur noch die Abschlussveranstaltung und die Zertifizierung), dann bin ich Deeskalationstrainerin 🙂

Ich arbeite jetzt teilweise mehrere Stunden am Tag am Programm, wobei das eigentliche Programm jetzt seit ein paar Tagen steht. Es sind jetzt hauptsächlich die Feinheiten, aber die sollte ich auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ich hab zum Beispiel gemerkt, dass ich Moderationskarten brauche, um Übungen gut anzuleiten. Die mache ich jetzt. Mit einem ersten, einleitenden Satz, den wichtigsten Punkten und Reflektionsfragen. Oder wie ich den Raum einteile (Ich hab echt einen riesigen, tollen Raum, könnte kaum besser sein!) und was ich noch alles einkaufen und besorgen muss. (Da muss ich nächste Woche unbedingt ran!)

Meine Güte! Es sind ja nur noch 2 Wochen bis es ernst wird! Ich freu mich echt drauf, bin aber auch etwas aufgeregt, ob alles so funktioniert. Ein bisschen Sorgen mach ich mir schon, weil das letzte Training ja ziemlich in die Hose gegangen ist (sprich: gar nicht stattgefunden hat) aber das muss ja hier nichts heißen. Das Schwierige ist hier auch, genug Teilnehmer zu finden, aber es ist definitiv viel besser als das letzte mal.

Und der Bericht, den ich schreiben muss. Sowas mag ich ja eigentlich gar nicht und ich konnte es auch nie besonders gut. An der Uni hab ich immer lieber Referate gehalten oder Klausuren von mir aus auch geschrieben, aber Hausarbeiten mochte ich nie. Und wenn ich heute in Besprechungen bin melde ich mich auch nicht unbedingt freiwillig für Berichte. Ich vergesse regelmäsg die Hälfte oder drücke mich falsch aus oder so. Naja, aber muss hier eben auch sein, ohne Bericht kein Zertifikat. Das Blöde war nur, hab ich vor Kurzem gesehen, dass der Bericht genau dann abgegeben werden muss, wenn ich das Training halte. Und weil ich in dem Bericht beschreiben muss, wie es gelaufen ist, was ich gut und schlecht gemacht habe und warum kann ich es nicht dann abgeben. Da hab ich mir auch etwas Sorgen gemacht, weil wenn sich Hartmut (Der Cheftrainer sozusagen) querstellen würde, wäre das alles ziemlich für die Katz gewesen. Ich ihn also gefragt (relativ spät, zugegeben, ich schiebe gerne Sachen vor mir her, wenn ich Angst habe, es könnte schlecht laufen) aber er meinte, das wäre kein Problem, er könnte eh nicht alle Musterarbeiten gleichzeitig durchlesen, ich solle meinen Bericht nachreichen, wenn ich fertig bin. Ziemlich cool, dabei hat er sich kurz vorher noch über mich geärgert.

Was (oder besser: wer) mir in letzter Zeit noch durch den Kopf geht ist „Sternchen“. Ich habe auf einen Forenbeitrag von ihr geantwortet, sie schien ziemlich schlechte Erfahrungen mit Christen gehabt zu haben. Jedenfalls kam es im Forum so rüber. Ich hab ihr geschrieben, dass es völlig normal ist, dass man nach sowas wütend ist und dass Wut keine Sünde, sondern ein Gefühl ist, das zeigt, dass Unrecht passiert ist. Und dass manchmal gute Seelsorge hilft. Sowas hat sie wohl zum ersten Mal gehört (hat sie jedenfalls geschrieben) und seit dem skypen wir. Dabei muss ich manchmal echt aufpassen, dass ich mich genug abgrenze und für meine Grenzen sorge, weil sie ziemlich fordernd ist. Es kommt sonst nicht selten vor, dass die Gespräche bis 2 Uhr nachts gehen, über 4 Stunden am Stück (wie gesagt, nur wenn ich mich nicht abgrenze. Mal geht das, finde ich.) und wenn ich es zulassen würde, würde sie noch viel länger reden wollen. Jedenfalls scheint sie gar nicht so sehr mit Christen Probleme zu haben, weil sie kaum welche kennt. Sie hat sich mal bekehrt, aber geht in keine Gemeinde, obwohl in ihrer Nähe einige sind. Sie sagt, sie hätte kein Auto und könnte deswegen nicht. Will wieder anfangen, mit Gott zu leben, ist aber sofort frustriert, wenn sie kein Wunder erlebt. Tagelang am Boden zerstört, resigniert, sagt, sie kann nichts, nichts hilft ihr und Gott wolle sie eh nur quälen, weil ihre Schwiegermutter gestorben ist, sie in ihrer Kindheit missbraucht wurde und Gott das alles zugelassen hat und deswegen liebe er sie nicht und sie wolle nichts von ihm wissen. Dann hört sie, wie Gott mal zu ihr spricht (durch eine Person oder durch einen Brief oder irgendwas) und sie ist einige Zeit so glücklich und alles wird gut. Dann brauch nur eine Kleinigkeit zu passiern und schon ist alles wieder schrecklich. Ja, ich weiß, wie sich das anhört, wonach das sehr verdächtig klingt, aber sie wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine Therapie, weil die auch nichts helfen würde. Dann solle Gott sie schon durch ein Wunder heilen. Ich sitz dann vor dem PC und will am liebsten schreien (aber keine Angst, es macht mich nicht fertig)! Dann wird sie auch manchmal richtig agressiv, schimpft wie die Wilde und fragt mich, warum das alles?!?!?! Dann muss ich mir echt in den Kopf rufen, dass sie mich mit diesen Fragen gar nicht wirklich meint, dass ich nur grade anwesend bin.

Naja, das klingt ein bisschen chaotisch mit ihr. Ist es auch, ich blick es auch nicht komplett, ich weiß nur, was sie mir schreibt, dass sie eine Horrorvergangenheit hatte, in der Familie der Arsch vom Dienst war, sie hat Erinnerungslücken, glaubt, sexuell missbraucht zu sein, kann sich aber nicht erinnern, hat auch Probleme mit ihrer Mutter, aber sehr viel Schlimmere als wir beide, Fil. Hat wohl Probleme, ihr Leben zu organisieren, sie schreibt, nach dem Tod ihrer Schwiegermutter hätte sie zu Hause nichts mehr gemacht (und das muss inzwischen ne Weile her sein) und auf der Arbeit (sie arbeitet stundenweise) auch nur Ärger mit Chefin und Zickenterror mit Kolleginnen. Sie hat einen Mann, den sie sehr liebt, den aber ihre Mutter nicht leiden kann und einen 16jährigen Sohn, der ihr zu faul ist und sie nicht unterstützt. Manoman, meiner Meinung nach würde schon die Hälfte davon reichen, um in Therapie zu gehen. Aber sie meint, der Therapeut könnte ihre Probleme auch nicht lösen, sie müsse es eben wie immer alles alleine schaffen.

Fil, ich weiß, wir haben uns übers Internet kennen gelernt, aber Sternchen würde ich echt nicht persönlich treffen wollen, jedenfalls im Moment nicht. Das wär viel zu viel Nähe und viel zu anstrengend. Wenn ich jemanden wie sie im professionellen Rahmen treffen würde, wäre es was anders, aber privat auf keinen Fall.

Seltsamerweise geht es mir nicht schlecht dabei, im Gegenteil. Ich merke, dass ich dadurch gezwungen bin, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, um mich auch selbst zu schützen. Und ich bin bei meinen Gesprächen mit ihr auf Gott angewiesen. Ich meine, was soll ich ihr auf diese Fragen antworten, die sie stellt? Und das hat dann natürlich auch Auswirkungen auf mich. Ich bin entspannter und lass mich nicht so leicht von Schwierigkeiten (wie zum Beispiel das Training) unter Druck setzen.

Aber es gibt bei ihr auch schöne Entwicklungen. Ich weiß nicht, wie nachhaltig sie sind, wie gesagt, sie kann an einem Tag gut drauf sein und am nächsten schon wieder ganz schlecht. Aber letzten Mittwoch gab es doch eine Sache, wo ich gedacht hab, ne wie cool! Denn wir haben mittwochs abends in der Gemeinde immer Gebet und Lobpreis. Da hab ich mit ein paar Leuten auch für sie gebetet und sie als Anliegen weiter gegeben. (Weil ich nur ihren Chattnamen genannt hab kann sie keiner idendifizieren) Dann später am Abend hab ich ihr aus einem spontanen Impuls einen der „Liebesbriefe Gottes“ geschickt. Am nächsten Tag kam raus, dass sie genau zu der Zeit, wo wir für sie gebetet haben, Besuch bekommen hat von einem Bekannten, der auch Christ ist (soweit ichs verstanden hab) und der ihr ein paar Tipps gegeben hat, was ihr bei ihrer Zeit mit Gott helfen könnte. (Da ist sie nämlich auch schnell so frustriert, wenn es nicht „funktioniert“, dass sie sofort aufgibt) Außerdem hatten sie so ein gutes Gespräch, dass sie ihre Depressionen vergessen hat. (Nein, mehr als Gespräch ist nicht passiert :-D)

Die Kehrseite davon ist meine Zeit am Computer. Die ist im Moment viel zu lang und ich muss sie echt reduzieren.

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