Da mein Mietvertrag im Studentenwohnheim ausläuft, musste ich mir ab Oktober ein neues Zimmer suchen. Irgendwann habe ich aufgegeben, bei den privaten WGs zu suchen. Die Preise sind astronomisch, unter 230€ geht da nichts, wenn man dann noch halbwegs was ohne 40 Minuten Busfahrt zur Uni haben möchte, geht man dann schon eher auf die 300€ zu.  So viel Geld habe ich nicht. Also war ich beim Studentenwerk. Die hatten sogar ein Zimmer frei, nicht so weit (etwa 10 min mit dem Bus zur Innenstadt), 190€. Ich musste nur sofort unterschreiben, sonst würden sie es im Oktober mit dem normalen Losverfahren vergeben. Also schrieb ich ungesehen einen Mietvertrag.

Als ich das erste Mal das Zimmer sah, dachte ich „Oh Gott, hier passt garnichts rein.“ So etwa 2,5×5 Meter, vielleicht etwas mehr. Und dabei noch lang und schmal, was es noch kleiner wirken lässt. Dann kam eine E-Mail von einer Ehemaligen aus der SMD, sie habe ein Schlafsofa zu verschenken. Perfekt, dachte ich, schön platzsparend, und sagte sofort zu. Ohne vorher zu schauen, ob es überhaupt ins Zimmer passen würde, oder durch die Tür, oder durch den Flur…..

Dann musste alles sehr schnell gehen, das Sofa sollte spätestens am 30. abgeholt werden. Dabei hatte ich doch noch garnicht die Schlüssel zum Zimmer, das würde ja erst ab dem 3. (Montag) gehen, und ich begann zu überlegen, wo ich denn so ein Sofa aufbewahren könnte bis zum 3. Außerdem war es zu kurzfristig, um noch einen Anhänger oder Bus zu mieten zum Transport des Sofas.

Tja, Sorgen über Sorgen. Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, dass Gott das schon macht. Aber ich habe es – mal wieder – vergessen.
Ich rief bei der Hausverwalterin an um für den 3. einen Termin zur Schlüsselübergabe zu bekommen. Sie sagte „Wissen Sie was, das Zimmer ist eh schon leer, kommen Sie einfach heute bis 16 Uhr vorbei.“ Also hatte ich schonmal den Schlüssel. Blieb das Transportproblem des Sofas und die Frage, ob es (und auch alle anderen Sachen) in mein Zimmer reinpassen würden. Und durch die Eingangstür. Und durch den Flur. Am Abend, während ich gerade müllsäckeweise Zeugs wegwarf (ich hab mal so richtig ausgerümpelt, das ist das gute an einem kleinen Zimmer), klingelte es. Ein Ehepaar aus der amerikanischen Kirche stand da. Sie kommen aus Florida und kannten Sally, weil die ein paarmal dort im Gottesdienst gewesen war. Als sie sich den Fuß gebrochen hatten, waren die beiden ein paarmal bei uns gewesen, um zu schaun, wie es ihr geht. Sie fragten, ob Sally da sei. Ich sagte ihnen, dass sie schon in Uganda ist und wir unterhielten uns etwas. Spontan kam mir eine Idee. „Habt ihr vielleicht morgen Zeit? Ich muss ein Sofa durch halb Bonn transportieren und hab keinen Lieferwagen. Ich könnte jede Hand gebrauchen.“

Was soll ich sagen, sie sagten es sei kein Problem und mit ihrer Hilfe und der meiner Eltern und zweier Rollbretter unter dem Sofa war es innerhalb einer halben Stunden über Bürgersteige und Straßen durch halb Bonn zur neuen Wohnung gerollt. Und – natürlich – es hat nicht nur problemlos durch die Türen gepasst, es passt auch perfekt ins neue Zimmer. So perfekt, dass es ausgeklappt genau am kleinen Schränkchen endet. Als wäre es maßgeschneidert :). Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen, nicht wahr, dass Gott sowohl mein Zimmer als auch das Sofa vorher ausgemessen hat XD.

Meine Eltern luden das Ehepaar zum Dank zum Essen ein und unterhielten sich super mit ihnen. So gut sogar, dass sie die beiden nach Nümbrecht einluden. Auch wenn das jetzt vielleicht zu schnell gedacht ist, aber es macht mir irgendwie Mut, dass sie sich so gut mit zwei „Freikirchlern“ verstehen, wo sie doch am Anfang so ein Problem mit „meiner Sekte“ hatten.

Am nächsten Tag wollte ich den Rest selber rüber bringen. Noch ein paar Kleinigkeiten, Schreibsachen, Küchensachen, sowas. Einen großen Teil hatten meine Eltern mir schon mit dem Auto gefahren. Den Rest musste ich zu Fuß machen. Ich packte mein Kärrerlchen voll, dann noch eine Umhängetasche. Dann sah ich aus dem Fenster: Es regnete. Na toll, dachte ich, ich hab keine Hand frei für einen Regenschirm und hier ist Papier drin. Ich brachte alles runter. Als ich die Haustür öffnete, hatte es gerade aufgehört. Es hatte den ganzen Tag schon immer wieder Regen und Regenpausen im Wechsel gegeben. Versuchen wir’s, dachte ich, und ging los. Es regnete nicht, als ich über die Allee ging. Es regnete nicht, als ich über den Campus der Naturwissenschaftler lief. Es regnete nicht, als ich über die Autobahnbrücke lief. Als ich alles trocken im Haus hatte, seufzend den schweren Rucksack abnahm und zum Fenster sah, hatte es wieder angefangen zu regnen.

Gestern habe ich wirklich die allerletzten Sachen rübergebracht. Jetzt ist drüben alles leer. Die Poster im neuen Zimmer sind aufgehängt und ich muss sagen, ich fühle mich hier sehr wohl. Das Bettsofa ist auch superbequem.

Ach ja, ich habe auch gleich schon den Unterschied zum alten Wohnheim gemerkt. Im alten waren die ja alle so auf „Wir sind so eine tolle Gemeinschaft“ getrimmt. Dabei wurde viel hinterm Rücken gelästert und es gab auch Gruppenzwang, zu den gemeinsamen Aktivitäten zu kommen. Das ist im neuen nicht so. Es ist definitiv anonymer, aber im Moment empfinde ich es als sehr angenehm, dass nicht jeder zwanghaft ein Gespräch mit mir anfangen will und mich unbedingt „eingruppen“ will. Trotzdem habe ich mich schon nett mit meinen neuen Mitbewohnern unterhalten, aber es ist wirklich ein Unterschied, viel lockerer. Ich hab das Gefühl, hier kann ich viel freier sein.

Hier dürfen natürlich keine Fotos fehlen von meinem neuen Zimmer. Vor den Kleiderschrank soll noch eine weitere Stange, an die ich den Wandteppich hängen werden, den Sally mir geschenkt hat. Als Verdeck. Und ich werde mir wahrscheinlich Vorhänge fürs Fenster besorgen.

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