Ich habe Bithja versprochen, ein bisschen über Gottes Gericht zu schreiben. Ich habe einiges an Hintegrundwissen entnommen aus „John Stott – Das Kreuz“, habe mir aber auch meine eigenen Gedanken gemacht. Alle Angaben ohne Gewähr.

Gericht Gottes, da denken die meisten an den jüngsten Tag, das Ende der dieser Welt und in letzter Zeit auch immer mehr Leute an den 21. Dezember diesen Jahres.

Die Ideen dazu sind ja vielfältig, aber konzentrieren wir uns mal darauf, was die Bibel sagt. Wenn wir wissen wollen, wie das Ende dieser Welt aussieht, dann schauen wir meist als erstes in die Offenbarung. Dass diese nicht gerade leicht zu verstehen ist, muss ich wohl nicht erwähnen. In wieweit es sich um zeitliche Abläufe handelt, was wörtlich und was Metapher ist, darüber kann man sich wunderbar streiten. Sicher ist aber, dass Gott über die Menschen Gericht halten wird.

Aber das ist nicht die einzige Bibelstelle, in der wir über das Gericht Gottes lesen können. 2.Mose 12,12 heißt es, dass Gott sein Gericht vollstreckt an den Göttern Ägyptens, in Josua 10,40 wird die blutige Eroberung des verheißenen Landes als „Gericht Gottes“ bezeichnet, in Samuel wird an mehreren Stellen ein kommendes Gericht Gottes über die Völker angekündigt, und auch die Verfolgung der Nachkommen Ahabs, nachzulesen in 2. Chronik, wird als Gericht Gottes an ihnen verstanden. Das sind nur ein paar Beispiele dafür, dass das Gericht Gottes nicht nur einen bevorstehenden Prozess meint, wenn Jesus wiederkommt, sondern auch die Strafe Gottes ganz konkret an bestimmten Personen. Der Begriff des „Gericht Gottes“ ist eng verbunden mit dem „Zorn Gottes“, von dem es mehrfach heißt, dass er ausgegossen wird über die Völker, über Israel oder über Personen.

Wir als Menschen, die eine Sehnsucht nach Liebe, Harmonie und Vergebung haben, können diese Zeilen nicht lesen, ohne uns zu fragen – Wieso? Wieso ist das nötig?

Wieso ist Gott überhaupt zornig? Ist das nicht etwas schlechtes, Zorn und Wut? Das ist ein furchtbar weit umfassendes Thema, aber ich will versuchen, es möglichst gut zusammenzufassen. Zuerst einmal müssen wir uns darauf einigen, was die Sünde eigentlich ist. Die Sünde, dass ist unsere Rebellion gegen Gott. Unser Beharren darauf, so sein zu wollen wie Er. Damit meinen wir aber nicht, sein Wesen haben zu wollen, was etwas gutes wäre, sondern wir wünschen uns, selber zu entscheiden, was gut für uns und andere ist. Unsere eigenen Lebensregeln aufstellen zu wollen. Es geht also darum, so zu tun, als bräuchten wir Ihn nicht. Unser eigentliches Ziel, nämlich Gottes Gegenüber und Sein geliebtes Kind zu sein, verfehlen wir dabei. Daraus ergeben sich dann Verhaltensweisen, die mir selber und anderen Menschen schaden, weil mir das Ziel, für das ich geschaffen wurde, nun fehlt, und ich mich in meiner Orientierungslosigkeit verrenne. Mehr noch, es ist eine offene Rebellion gegen Gott. Ich sage meinem Schöpfer ins Gesicht (bewusst oder unbewusst), dass ich es besser weiß und Er sich doch aus MEINEN Angelegenheiten raus zu halten habe. Das ist die Sünde.

Nun, damit hätten wir unseren Standpunkt als Menschen erkannt. Aber was macht unsere Sünde mit Gott? Um das zu klären, müssen wir über Gottes Wesen nachdenken. Gott ist, wie Johannes schreibt, Liebe. Aber, und hier kommt der Knackpunkt, Er ist auch heilig. Dies ist die zweite Grundaussage über Gottes Charakter. Er ist die Liebe UND heilig. Bei Habakuk heißt es, Seine Augen seien zu rein, um das Böse ansehen zu können. Vielleicht ist es schwer, diese Eigenschaft zu begreifen, weil wir keinen Vergleich haben. Wir kennen menschliche Liebe, aber keine menschliche Heiligkeit, die so groß ist, dass das Böse einfach nicht vor ihr bestehen kann. Ich stelle es mir so vor – auch wenn das jetzt nicht biblisch belegbar ist (und daher mit Vorsicht zu genießen): Als ein Mensch mit meist hohen Idealen ist es schwer für mich ruhig zu bleiben bei Sätzen wie „Fahren wir halt mal schwarz, die 5€ werden die Verkehrsbetriebe jetzt nicht arm machen.“ oder „Lass uns doch einfach vordrängeln, ich hab keine Lust mehr zu warten.“ Solche Sätze (ich schreib besser nicht, von wem ich sowas zu hören kriege ;)) können mich echt auf die Palme bringen, auch wenn ich weiß, dass ich das aus dem Munde dieser Person nicht ernst zu nehmen brauche. Aber es erregt meinen Zorn, weil es gegen alles geht, was ich für richtig halte. Es ist nur ein menschlicher Vergleich, der notwendigerweise unzureichend ist, aber so ähnlich stelle ich mir das bei Gott vor: Sünde geht einfach gegen sein ganzes Wesen, Er kann nicht einfach sagen „Na gut, drücken wir ein Auge zu.“

Und das führt uns zu Gottes Zorn. Zorn ist ein menschliches Wort, das wir oft mit Wutausbrüchen oder ähnlichen Ausfällen verbinden. Gottes Zorn meint aber nicht, dass Gott tobt. Gottes Zorn bedeutet seine entschiedene Gegnerschaft gegen die Sünde. Und die wiederum entspringt seinem Wesen, dass Liebe und Heiligkeit ist. Gerade weil Er DIE LIEBE ist, kann Er es nicht aushalten, dass wir getrennt von Ihm sind, denn Er liebt uns mit all Seinem Wesen. Deshalb kann Er nicht einfach mit den Achseln zucken, wenn Menschen sich Götzen aus Stein oder sonst was bauen, denn Er wünscht sich nichts sehnlicher, als dass wir seine Liebe erwidern. Deshalb MUSS Gott alles, was aus der Sünde (der Trennung von Gott) entspringt entschieden ablehnen, ja zornig darauf sein, denn es widerspricht Seinem Wesen und Seiner Bestimmung für uns. In 3. Mose 18 heißt es, dass es Gott ekelte vor dem Volk Israel, dass ihn ablehnte. Ekel, das bedeutet, ich kann etwas nicht in meiner Nähe dulden, ich stoße es körperlich ab. Es ist nicht unter meiner bewussten Kontrolle, ich muss es von mir stoßen oder ausspucken, ob ich will oder nicht. Das ist ein zumindest ein Hinweis darauf, dass es bei Gottes Zorn nicht um einen „menschlichen“ Zorn geht, bei dem ich mich irgendwie in Rage rede und dann vor Wut alles kaputt mache, sondern um eine Art „natürlicher Abstoßungsreaktion“, die abläuft, wenn die Heiligkeit und Liebe auf die Sünde trifft.

So, lassen wir mal den Teil aus, bei dem Gott doch noch einen Weg fand, seinem gerechten (!) Zorn und seiner Liebe, die sich nach uns sehnt, gleichermaßen genüge zu tun (für Mitleser, die gerade nicht wissen, wovon ich rede, googelt mal Golgatha), und reden wir vom Gericht. Warum muss Gott Gericht halten?

Diese Frage ist eigentlich falsch herum gestellt. Wenn wir bedenken, dass Gott heilig ist, dass Er die Folgen der Sünde nicht dulden kann, dann müsste man doch eigentlich eher fragen: Warum kann Gott überhaupt Vergeben? Wenn unser Handeln, unser Denken komplett gegen sein Wesen gehen, wenn unsere Rebellion gegen Ihn und die Verletzung unserer Mitmenschen in Ihm eine Abstoßung bewirken, ein „das kann nicht in meiner Nähe bestehen“, wie kann es dann überhaupt sein, dass Er so oft darüber hinwegsieht? Es zulässt, oder zumindest es zuzulassen scheint? DAS ist das eigentliche Problem. Ich weiß, dass ist jetzt vielleicht nicht die Antwort, die du dir erhofft hast bithja, aber eigentlich ist die Frage „Warum hält Gott im AT Gericht und vernichtet ganze Völker?“ vom falschen Ende her gedacht. Die eigentliche Frage lautet: Warum hat der allmächtige Gott es so oft geduldet und duldet es auch heute noch so oft, dass Menschen Ihn ablehnen, einem Stein die Ehre geben, die Ihm, dem lebendigen Schöpfer, zusteht? Warum hält er so oft NICHT Gericht, obwohl die Menschen sich gegen ihn stellen? Warum bestraft der gerechte Gott, der immer wieder in seinem Wort betont, wie sehr er zweierlei Maß, falsche Zeugenaussagen und die Verbiegung des Rechtes hasst, nicht jeden Menschen auf der Stelle? Das sollten wir uns fragen und die Antwort ist: Weil er uns liebt und hofft, dass wir zurückkommen zu ihm.

Ja, Gott ist unser liebender Papi im Himmel. Und er vergibt uns. Aber wir dürfen die Grundlage dieser Vergebung und dieser Liebesbeziehung nicht vergessen: Erst seit das Gericht, der Zorn, das heißt die natürliche Reaktion Gottes auf unsere Rebellion gegen Ihn sich auf Golgatha entladen hat, kann Er uns jetzt mit reiner Liebe begegnen. Kann er nur noch Papa sein, nicht mehr Richter. Könnte Gott einfach so drüber weg gucken über die Sünde, den Götzendienst und alles, was zu Zeiten des AT dazu führte, dass Gottes Gericht über Menschen kam, Er hätte es sicher liebend gerne getan und es sich somit erspart, seinen Sohn zu opfern.

Das sind meine Gedanken zu dem Thema Gottes Gericht, zum Teil wie gesagt in Anlehnung an das Buch. Da ich mir nicht mal im Traum anmaßen würde, zu behaupten, ich hätte Gott und sein Wesen verstanden, sind diese Angaben natürlich vollkommen ohne Gewähr.

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