Es war einmal ein kleiner Junge. Er war sehr stolz auf seinen Vater, denn sein Vater hilft dabei, sein Land vor einer gefährlichen Bedrohung zu retten. Glaubt der Vater. Glaubt die große Schwester. Glaubt die Mutter. Und glaubt er. Und besonders stolz ist er, als sein Vater befördert wird. Jetzt hat er noch Wichtigeres zu tun. Nur blöd, dass man dann umziehen muss und seine ganzen Freunde verlässt. Und das neue Haus ist auch irgendwie komisch.

Aber zum Glück gibts die Aussicht aus dem Zimmer des Jungen. Da sieht er einen Bauernhof. Der ist auch irgendwie komisch. Da laufen alle im gestreiften Pyjama rum und wenn aus dem Schornstein Rauch kommt, stinkt es fürchterlich. Und wenn einer der Bauern so freundlich ist und bei ihnen zu Hause ein bisschen hilft, wird er mehr als unfreundlich behandelt. Wenigstens gibt es da Kinder. Und wenn Mutti und Vati verbieten, mit ihnen zu spielen, schleicht man sich eben heimlich hin. Bestimmt kennen Vati und Mutti die Kinder nicht. Die behaupten nämlich, das seien keine echten Menschen, aber was sollen sie denn sonst sein? Und Schmuel, der auf dem Bauernhof wohnt, ist echt nett, auch wenn er immerzu Hunger hat.

Der Junge, Bruno, wundert sich immer mehr über das, was er hier sieht und hört. Das ist echt komisch. Die Bauern waren früher Ärzte, Uhrmacher oder hatten andere angesehene Berufe, warum haben sie alles aufgegeben, um auf einem Bauernhof im gestreiften Pyjama Baracken zu bauen oder bei ihnen zu Hause Hilfsarbeiten zu machen und sich dabei so schlecht behandeln zu lassen? Und was bedeutet das, wenn Schmuel sagt, sie können nicht raus, weil sie Juden sind?

Der neue Hauslehrer sagt, die Juden seien die Bedrohung, vor der Brunos Vater, ein Aufseher, das deutsche Volk schützt. Sie seien die Wurzel allen Übels und hätten dafür gesorgt, dass Deutschlend den ersten Weltkriegt verloren hat. Bruno hält ihn für einen Spinner und liest lieber Abenteuerbücher. Seine Schwester Grete ist empfänglicher für diese Ideologie. Schließlich ist sie in einen jungen Soldaten verliebt, der in ihrem Haus den Vater unterstützt. Sie erklärt ihrem Bruder auch, was es mit dem angeblichen Bauernhof auf sich hat. Bruno ist schockiert und hilflos. Mit seinen acht Jahren kann er eigentlich nicht verstehen was die meisten Erwachsenen nicht verstehen, aber er ahnt, dass er wenig Grund hat, stolz auf die Arbeit seines Vaters zu sein, den er doch eigentlich liebt. Dessen Liebe er sich doch eigentlich wünscht. Und der ausrasten würde, sollte er je erfahren, dass sein Sohn, der Sohn eines angesehenen SS-Mannes, eines KZ-Aufsehers, mit einem Juden spielt. Die Konfrontation kommt, wie sie kommen muss: Eines Tages sieht Bruno Schmuel bei sich in der Küche, wo er Gläser poliert. Er sagt, sie bräuchten jemanden mit kleinen Händen und da wäre er geholt worden. Bruno ist unsicher, bietet seinem Freund aber doch Kekse an, die Schmuel nur zu gerne annimmt. Scheiße ist nur, dass just in dem Moment, wo Schmuel die Kekse isst, Brunos Vater auftaucht und poltert. Tobt. Brüllt. Die zwei Jungen erstarren. Der Aufseher-Vater geht auf Schmuel los, der verteidigt sich, Bruno hat ihm schließlich die Kekse gegeben, nie wäre er auf die Idee gekommen, sie sich einfach zu nehmen. Mit einem Blick, wie er wahnsinniger und hasserfüllter kaum sein konnte, fuhr der Aufseher-Vater zu Bruno um. „Stimmt das?“, wollte er von ihm wissen. Bruno ist starr vor Angst. Und er weiß selber nicht, was ihn dazu bringt, zu behaupten, er hätte diesen Jungen noch nie gesehen und als er reingekommen war, hätte er sich grade bedient. Der Aufseher-Vater wandte sich ab von seinem Sohn und hin zu dem jüdischen Jungen, zerrte ihn aus dem Raum und sagte nur, er würde ihm zeigen, was man mit diebischen Ratten macht.

Am nächsten Tag war Schmuel nicht mehr am Treffpunkt. Am übernächsten Tag auch nicht. Ich dachte, Schmuel lebt nicht mehr. Aber nach ein paar Tagen saß er wieder am üblichen Treffpunkt, schrecklich zugerichtet, aber er lebt noch.

Schmuel ist enttäuscht von Bruno. Und Bruno ist enttäuscht von sich.

Und seinen Verrat wieder gut zu machen, will er Schmuel helfen, seinen Vater zu finden. Der ist von einem Arbeitseinsatz noch nicht zurück gekommen und Schmuel macht sich Sorgen. Bruno schmuggelt einen Spaten zum Lager und Schmuel besorgt einen gestreiften Häftlingsanzug, den Bruno schnell anzieht. An einem geschützten Ort fangen sie an, einen Tunnel für Bruno zu graben.

Inzwischen merkt die Mutter, dass ihr Junge verschwunden ist und sie und Grete fangen an, ihn zu suchen.

Brunos Tunnel ist groß genug, dass er durchkriechen kann. Die zwei Jungen machen sich auf die Suche. Das erste mal sieht Bruno das KZ von innen. Jetzt hat es endgültig nichts mehr von einem Bauernhof. Bedrohlich. Verwirrend. Gruselig. Bei ihrer Suche statten sie auch Schmuels Baracke einen Besuch ab. Jede Menge Menschen wohnen auf engstem Raum. Plötzlich passiert etwas Unerwartetes: Einer der Aufseher stürmt in die Baracke und treibt die Gefangenen zusammen. Schmuel beruhigt Bruno, das käme schonmal vor, nicht schlimm. Die zwei Jungen werden mit rausgetrieben. Keine Chance, auszubrechen.

Mutter und Grete konnten Bruno nicht finden. Sie verständigen den Vater. Sie suchen die ganze Umgebung ab und finden vor dem KZ die Kleider des Jungen und den Tunnel.

Inzwischen merken auch Schmuel und Bruno, dass etwas nicht stimmt. Das ist nicht nur Antretenlassen. Sie werden in ein anderes Gebäude getrieben. Sie müssen sich ausziehen. Es sei nur eine Dusche. Sie stehen eng aneinander, Schmuel und Bruno halten sich an den Händen.

Dann geht das Licht aus. Ein Mann mit Atemmaske.

Der Vater schreit. Die Mutter bricht zusammen.

Schwarzer Rauch. Es stinkt.

 

Ja, ich weiß, es gibt ein paar unlogische Stellen. Aber die sieht man nicht, wenn der Film „Der Junge im gestreiften Pyjama“ grade läuft. Gut, dass er auf DVD war, ich brauchte manchmal eine Auszeit. Unvorstellbar, das alles aus der Sicht eines Jungen zu sehen, der das alles eigentlich gar nicht glauben will, der nur will, dass sich alle gut verstehen und er mit seinem Freund Schmuel spielen will. Und das langsam aber sicher von unschuldiger Naivität zum absoluten Psychothriller wird.

Der Film hat mich geschockt. musste wie gesagt, zwischendurch Pausen machen und trotzdem war ich nach dem Film minuten lang paralysiert. Jedenfalls finde ich, ein echt guter Film, um über das Thema Drittes Reich ins Gespräch zu kommen, allerdings weiß ich nicht, ob die FSK-Angabe ab 12 passend ist. Ich glaube, die kommt nur daher, weil der Film unblutig ist, aber grausam und emotional aufreibend ist er trotzdem.

Hier ein Trailer:

http://www.youtube.com/watch?v=QIeCLH8PP4U

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