Ich bin nicht so der Typ, der Leserbriefe an Zeitungen schreibt. Ich denke mir irgendwo, wofür? Bis der veröffentlicht ist, ist das Thema schon gegessen. Und Leserbriefe als Antwort an Leserbriefen finde ich eh komisch. Die Zeitung ist ja keine Diskussionsplattform. Deshalb mache ich mal die faule Variante und veröffentliche meine Meinung zu einem Leserbrief hier.

 

Heute in der FAZ, Leserbriefe Seite 36:
Zu einem Artikel, der pro Betreuungsgeld war, schreibt ein Professor Kleefeldt:

„Ich bin gegen das Betreuungsgeld, weil es gegen die öffentlichen Kindertagesstätten gerichtet ist. Diese berücksichtigen die normalen kindlichen Wünsche und Bedürfnisse nach einer effektiven und ergiebigen Bildung.“

Einmal abgesehen von der Unterstellung, die mitschwingt, Eltern könnten die Bedürfnisse ihres Kindes nicht richtig berücksichtigen. (Die alleine schon schlimm genug ist.) Und was die Betreuungsgelddebatte angeht, da gibt es pro und kontra Argumente zur Genüge.
ABER: Bin ich die einzige, der sich die Zehennägel hochrollen bei der Kombination „effektive Bildung“ und „Kleinkindererziehung“???
NEIN, wenn ich mal eine Familie habe, möchte ich nicht, dass meine 2-jährigen Kinder irgendwie „effektiv“ sind! Und erstrecht nicht „effektiv gebildet“. Ich möchte, dass meine Kinder sich geliebt und geborgen fühlen.

Mich regt es nur auf, dass „Effektivität“ ein geeigneter Maßstab für den Umgang mit Kleinkindern sein soll. Wie gesagt, ich habe noch keine Kinder, aber eins weiß ich: Es ist mir scheißegal, ob mein Kind mit 2 Jahren schon „Alle meine Entchen“ auf dem Xylophon spielen kann, lieber alleine in der Ecke sitzt und Gräser zerrupft oder plangerecht (=“dem Alter entsprechend“) mit anderen Kindern interagiert. Nein, tut mir leid liebe Gesellschaft, ich möchte nicht, dass meine Kinder „effektive Mitglieder“ werden, die schon im Windelalter politisch korrektes Konfliktmanagement gelernt haben. Ich möchte, dass meine Kinder die werden, die sie sein wollen.

Scheiß Leistungsgesellschaft.

 

Nur zur Info, ich habe auch nichts gegen Kitas im Allgemeinen. Ich sehe durchaus ihre Notwendigkeit und ich würde bestimmt niemandem unterstellen, dass die Kinder da schlechter behandelt werden. Und ja, es mag auch familiäre Verhältnisse geben, bei denen es gut ist, dass man das Kind in eine Kita schicken kann. Es mag durchaus auch Kinder geben, wie in einem anderen Leserbrief auf der Seite anklang, die sich einfach unter anderen Kindern sehr wohl fühlen und für die der Besuch der Kita auch im frühen Alter schon eine schöne Erfahrung darstellt. Man muss halt immer den einzelnen sehen, ein pauschales „Kita’s sind gut/böse“ hilft keinem. Es ging mir nur um diesen Gedanken, die Erziehung von Kindern habe „effektiv“ zu geschehen.

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