Letzte Woche habe ich einen Abend zum Thema Engel und Dämonen für die SMD vorbereitet. Da ich das Thema wirklich interessant finde, möchte ich hier eine kleine Zusammenfassung geben. Der große Teil meiner Infos ist aus diesem Buch.

Woran denkst du, wenn du das Wort „Engel“ hörst?

Vielleicht an sowas:

Oder doch eher sowas?

Vorstellungen über Engel gibt es zumindest genug. Und auch Darstellungen. Aber was sagt die Bibel wirklich über Engel?

Viele der heutigen Vorstellungen gehen auf die Zeit um das 13. Jahrhundert zurück. Damals war die Angelogie ein Pflichtfach für Theologiestudenten. Thomas von Acquin beispielsweise schrieb ein mehrbändiges Werk über Engel, andere Gelehrte versuchten, die Herkunft oder die genaue Zahl der Engel zu bestimmen. (Ein Geistlicher behauptete, es gebe exakt 266.613.336 gute und 133.306.668 gefallene Engel.) Auch wenn Fragen um die Engel mit der Aufklärung an Bedeutung verloren hatte, kommen sie spätestens seit den 90er Jahren im Rahmen der Esoterik wieder auf.

Im Rahmen der Angelogie gab es Versuche, die Engel in bestimmte Klassen einzuteilen: Serphime, Cherubime, Throne, Herrschaften, Kräfte, Gewalten, Fürsten, Erzengel und Engel. Alleine die ersten beiden Begriffe finden sich so als Bezeichnungen von Engeln bei Jesaja (Serpahim) und Hesekiel (Cherubim), Cheruben kommen darüber hinaus auch in der Genesis als Wächter des Paradieses vor. Die anderen Begriffe sind Fehlinterpretationen von Epheser 1,21 und Kolosser 1,16.

Wie kommen Engel in der Bibel vor?

Dass es Engel in der Bibel gibt, steht außer Frage. Allerdings wird man eine genaue Klassifikation vergeblich suchen. Überhaupt gibt es keine Details zu ihnen. Wir erfahren weder, wann sie geschaffen wurden, noch, wie sie genau aussehen. Überhaupt werden Engel nirgendwo als irgendwie interessant dargestellt, als etwas, über das man nachforschen sollte. Nur zwei Engel werden mit Namen genannt: Michael und Gabriel (letzterer auch nur in Lukas 1,19). Ansonsten erfahren wir weder über Engel, noch über Dämonen irgendwelche Details.

Was sind Engel?

Das Wort an sich kommt vom griechischen Wort „angelos“, Bote. Auch das hebräische Wort für Engel, ma’lak, bedeutet Bote und wird ebenso für menschliche Boten verwendet. „Engel“ bezeichnet also kein Wesen, sondern erstmal ein Amt, und an manchen Stellen kann man sich streiten, ob ein „Engel“ nicht vielleicht doch ein menschlicher Bote Gottes, also ein Prophet, war.
Nach Hebräer 1,4.7 sind Engel „Geister“, beziehungsweise „Winde“. Das griechische Wort hier ist pneuma, was eine Übersetzung des Hebräischen ruach ist. Zwar bedeutet es „Atem“ oder „Wind“, wird aber in 1.Mose 6,17 im Sinne der allgemeinen Lebensfähigkeit verwendet, in 1.Mose 8,1 für den Wind, den Gott wehen lässt und in Jesaja 31,3 wird damit zumindest implizit Gottes Wesen beschrieben. Man kann also ziemlich sicher schließen, dass Engel keinen Körper haben, sondern eben nur Geist sind. Das würde auch erklären, warum Jesus vor den Augen der Jünger etwas aß und sich anfassen ließ, um zu beweisen, dass er kein Engel ist. Hätten Engel Körper, hätte Jesus das wohl kaum für einen geeigneten Beweis gehalten.
In manchen Beschreibungen werden Engel einfach nur als „Männer“ oder „Drei Männer“ bezeichnet. (Siehe Abraham) Möglicherweise steht hier aber einfach nur Männer, weil die männliche Form nun einmal der Standard ist, wenn man nicht genau weiß, was etwas ist. (Neutrum wäre schon arg unhöflich, falls es das im Hebräischen gibt.) Jesaja und Hesekiel liefern zwar Beschreibungen vom Aussehen der Engel, hier muss man aber bedenken, dass es sich um bildreiche prophetische Visionen handelt. Man sollte diese Beschreibungen nicht vorschnell als genau der Realität entsprechend behandeln.
Das wichtige ist, das Engel auf jeden Fall unter Gott stehen. In Offenbarung 19,10 stellt sich der Engel sogar mit den Menschen auf eine Stufe: Wir sind alle nur Diener Gottes.

Engelerscheinungen?

Es gibt ja viele Menschen, die behaupten, sie hätten Engel gesehen, würden regelmäßig mit ihnen reden oder ähnliches. (Die Links zu den entsprechenden Blogs spare ich mir mal.) Biblisch ist das nicht.
In der Bibel erscheinen Engel einem Menschen fast immer nur ein einziges Mal. Meist scheinen diese Erscheiungen furchteinflößend gewesen zu sein, denn die Engel müssen gleich anfangen mit „Fürchte dich nicht!“. Zumal die Leute zu dem Zeitpunkt auch in irgendwelchen Alltagssituationen stecken (nichts mit „Engel suchen via Meditation“). Plötzlich erleuchtet die Herrlichkeit Gottes ihr Zimmer oder das Feld um sie herum und sie haben erstmal Angst.

Es gibt nur eine Hand voll Engelerscheinungen in der Bibel (jetzt mal Träume ausgelassen). Bei diesen Erscheinungen geht es immer um

  • das Entstehen des Volkes Israel (z.B.Abraham)
  • sein Überleben (in der Wüste; Berufung von Propheten, um das Volk als Gottes Volk zu bewahren,Rettung von Schlüsselpersonen wie Daniel)
  • das Heil, das durch Jesus kam (z.B. bei Jesu Geburt)

Das war der Punkt, den ich am Interessantesten fand. Gott hat ja oft genug Propheten berufen, um seine Meinung kundzutun. Aber Engel tauchen nur im Zusammenhang mit der Heilsgeschichte auf. Womit auch die Frage beantwortet wäre, ob es heute noch solche Engelerscheinungen gibt: Nein. Der nächste Schritt in der Heilsgeschichte ist das Ende der alten Welt, dann werden wir vermutlich wieder Engel sehen.

Und der Teufel?

Das ist ja auch so eine Person, deren Existenz vielen Kopfzerbrechen bereitet. Auch hier gilt wieder, wie für die Engel: Tatsächliche Beschreibungen gibt es nicht, nähere Informationen sind rar.

Wer oder was ist das?

Der Teufel wird im alten Testament kaum erwähnt. Das hebräische Wort, „Satan“, bedeutet „Feind“ und auch hier kann dieses Wort für menschlische Feinde verwendet werden, es ist also auch nur eine Art Titel, kein Name. Die ausführlichste Erwähnung findet sich im Buch Hiob. Hier erscheint der Teufel bei den Gottessöhnen, den Engel, wird aber explizit nicht zu ihnen gerechnet. Er unterstellt Hiob, dass dieser nur zu Gott hält, weil er von diesem Reichtum bekommen hat, und verhält sich damit ziemlich respektlos gegenüber Gott. Die Idee, die dahinter steht, ist ja: Gott verdient keine Anbetung und keinen Respekt, Er muss sich das bei den Menschen „erkaufen“.
Da der Teufel und die Dämonen gefallene Engel sind, sind auch sie Geist, nicht körperlich. Das erklärt auch, warum sie von Menschen Besitz ergreifen können. (Eine Anmerkung dazu: Es wird ja gerne behauptet, die armen „Besessenen“ seien nur Geisteskranke gewesen oder Epileptiker. Dagegen spricht, dass es durchaus ein griechisches Wort für Geisteskranke gab und dieses auch bei den Heilungen Jesu zum Teil verwendet wird. Man kann also davon ausgehen, dass hier sehr wohl unterschieden wird zwischen „besessen“ und „geiseskrank“. Zumal sich nicht alle Besessenheit wirklich in Form von Krankheitssymptomen äußerte.)Wie genau es dazu kam, dass er fiel, darüber wissen wir nichts. Er muss sich nur irgenwann gegen Gott gestellt haben. Da Gott am Ende der Schöpfung sagte, das alles „sehr gut“ sei, kann man davon ausgehen, dass der Teufel zu dem Zeitpunkt noch nicht gefallen war.

Im neuen Testament wird der Teufel dargestellt als

Aber der Teufel weiß nicht, was in unserem Herzen ist. Er ist also auch nur ein begrenztes Geschöpf.

Was tut der Teufel?

Die Hauptbeschäftigung des Teufels ist es, Menschen von Gott wegzubringen. Warum er dies tut, darüber wissen wir auch nichts. Wie man bei der Begebenheit mit Jesus in der Wüste sieht, tut er dies, indem er einige menschliche Schwächen anspricht: Machtgier („Du kannst alle diese Länder haben, wenn du dich vor mir niederwirfst.“), Misstrauen („Sollte Gott wirklich gesagt haben…??? Bist du sicher, dass du Gottes Sohn bist?“), Hedonismus („Befriedige deinen Hunger, egal, was Gott davon hält!“). All diese Wünsche (Essen) und Eigenschaften (Skepsis) sind ja grundsätzlich nicht falsch und auch in uns angelegt, hier aber werden sie gegen Gott gewendet. Das gefährliche ist diese Mischung von einem Körnchen Lüge mit ganz viel Wahrheit bzw. mit Gutem. Das macht es schwer, herauszufinden, was richtig ist und was falsch.

Das wichtigste zum Schluss:

Jesus ist Sieger. Der Teufel hat bereits verloren und es gibt keinen einzigen Grund, warum wir Angst vor ihm zu haben brauchen.

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