Najaaaaaaaaa… ich weiß, nicht jeder kennt die Titelmusik von Ducktales auswendig. Aber ich dachte, die erste Zeile passt als Überschrift.
Am Freitag hatte ich meinen letzten Arbeitstag im Kindergarten. Der Abschied ist mir nicht schwergefallen. Die Kids haben es gut aufgenommen, ich glaube, sie sind noch zu klein, um es zu verstehen, dass ich nicht mehr komme. Sie werden es erst morgen, also am montag bemerken, wenn sie sehen, dass ich nicht mehr da bin. Und der Abschied von den Kollegen war auch net schwer. Ist jetz schon ein komisches Gefühl, aber ich muss jetz damit klar kommen.

Gestern war ich auf der Hochzeit von ner guten Freundin. Sie geht in eine Brüdergemeinde, ultra-konservativ. Ich kenne Elina nur mit langem Rock und hab noch nie gesehen, dass sie Kaffee getrunken, Rockmusik gehört oder getanzt hat. Als wir uns vor 10 Jahren auf einer Skifreizeit kennen gelernt haben hat sie sich auf dem Hüttenabend so unwohl gefühlt, dass wir rausgegangen sind und Lieder gesungen haben. Ich war auch schon ein paar mal bei ihr zu Besuch und dann auch schonmal in ihrer Gemeinde zu Besuch. Ich weiß nicht, ob ich dir das mal erzählt hab, Fil, aber in einem dieser Gottesdienste hat der Prediger den Kindern, die dabei saßen, gesagt „Wenn ihr nicht dankbar seid, werdet ihr gewisslich sterben!“ Ich hab in Gedanken geschrien: „JUGENDAMT!!!“ Elina selbst arbeitet in einer Jugendpsychiatrie, wo sie mit ganzem Körpereinsatz arbeiten muss. Und die Gemeindeleitung verlangt, dass sie auch auf der Arbeit den langen Rock trägt und wenn das nicht geht, die Arbeit verlassen muss. Schließlich sah sie keinen anderen Weg mehr, als mit Rock loszufahren und sich dann heimlich umzuziehen. Und das unter ständiger Angst, erwischt zu werden. Aber die Gemeinde wechseln wollte sie nie.

So, und jetzt hat sie geheiratet. Ich kann nicht sagen, dass ich mich so sehr für sie freue, wie ich mich für die meisten anderen gefreut habe, die in meinem Freundeskreis geheiratet haben. Ich mache mir eher etwas Sorgen. Ich kann nur Jesus bitten, auf sie aufzupassen. Ich meine, ich weiß nicht, wie es jetzt mit ihr weiter geht. Sie liebt ihren Mann wirklich, da bin ich sicher. Aber… auf ihrer Hochzeit gestern wurden direkt vor dem Eheversprechen die Eheregeln vorgelesen: „Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Gemeinde geliebt hat, Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie ihr euch Christus unterordnet.“ Elina wurde gefragt: „Was sagst du, wenn dein Mann nach Hause kommt und fragt: Wo steht das Essen?“ Elina: „Auf dem Tisch.“ Am Ende der Zeremonie wurde ihr ein Kopftuch angelegt, das sie nun als verheiratete Frau als Zeichen der Unterordnung tragen muss.

Das alles war mir schon sehr suspekt, aber weil ich ja ungefär wusste, wie es in dieser Gemeinde ist hat es mich nicht wirklich gewundert. Aber der Gipfel kam beim Kuchenessen. Ich hab mich mit ein paar Leuten zusammen getan, die mich noch von einem anderen mal kannten, wo ich zu Besuch war. (Das muss ich ihnen doch anrechnen, sie haben mich sofort erkannt, obwohl ich nicht mal mehr ihre Namen kannte, es war schon Jahre her…) Vier von uns sind vorgagangen, zwei waren noch auf Klo. Wir haben uns schon Kuchen genommen und wollten uns an einen Tisch mit 6 freien Stühlen setzen, da hat uns ein Ordner den Weg versperrt und uns befohlen, uns an einen Tisch mit nur 4 freien Stühlen zu setzen. Wir haben gesagt, dass noch andere nachkommen, aber davon wollte er nichts hören. Er hat so eine Szene gemacht, nur wegen 2 Stühlen, vor allem eine hat er so angemacht, sie wäre nicht normal und das wäre nicht richtig, was wir machen, sie war danach total aufgewühlt. Wir haben uns trotzdem an den großen Tisch gesetzt. Die Arme konnte erst keinen Bissen runter kriegen und wir waren alle verwirrt und ich ehrlich gesagt total wütend. Heuchler! Und sowelche reden von Liebe! Aber Elina hab ich noch nichts gesagt. Ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht war, dass der Typ es nicht in erster Linie auf mich abgesehen hatte. Ich hätte dem was Anderes gesagt anstatt mich runter machen zu lassen. Ich glaub, ich wär ziemlich laut geworden.

Irgendwie fand ich diese Hochzeit ziemlich anstrengend, obwohl das Eine oder Andere auch echt schön war. Es war schön, von Leuten erkannt und wie eine alte Freundin behandelt zu werden, die ich mal vor Jahren gesehen und an die ich mich selbst kaum erinnert habe. Und es hat mich sehr berührt, als Elina während der Hochzeit ihren Eltern für alles gedankt hat, was sie für sie getan haben. Ich hab gedacht, falls ich mal heirate, will ich das auch machen. Fand ich voll schön. Und sie sah einfach soooooo toll aus. Sie war nicht hübsch. Sie war nicht schön. Sie war einfach strahlend.

Ok, das war das eine. Und dann zu heute. Heute war Jugendgottesdienst Leicht und Cross. Dafür hatte ich dieses mal einiges mehr zu tun als sonst. Und bin nicht wirklich so fertig geworden wie ich gerne geworden wäre. Ich mache immer einen Textetisch, wo die Teilnehmer sich Texte mitnehmen können, die sie ansprechen. Da hat doch heute mein Drucker den Geist aufgegeben! Der hat einfach nicht gedruckt. Und woanders hatte auch keiner nen Farbdrucker, den ich nehmen könnte. Also musste ich Reste nehmen. Das Gebet, das ich von vorne beten sollte, hab ich gar nicht vorbereitet, obwohl ich es mir vorgenommen habe, mir wenigstens Stichworte zu machen. (Ich kann auch diese runtergelesenen Gebete nicht leiden). Das Basteln war das Einzige, das ich wirklich vorbereitet habe. (Wir machen in diesen Gottesdiensten immer eine viertel Stunde, wo die Teilnehmer selber etwas passend zum Thema erleben können und dieses mal hab ich zum Beispiel mit ihnen Origami gemacht.) Dann stand auf unsere Homepage die falsche Adresse und ich bin erst bei der falschen Kirche gelandet. Von drinnen war Orgelmusik und die Türen waren zu und ich hab langsam aber sicher gemerkt, dass ich hier falsch war. Irgendwo in meinem Hinterkopf hatte ich noch nen anderen Straßennamen und als ich in letzter Minute, wie es mir schien, da bingekommen bin, war ich endlich richtig.

Dann hab ich erfahren, dass wir dieses mal mit der Werbung Mist gebaut haben. Kaum einer aus  unserer Zielgruppe schien zu wissen, dass der Gottesdienst hier stattfand. Nach kurzer Besprechung haben wir dann gesagt, wir ziehen die Sache doch durch, auch wenn nur 2 oder 3 Leutchen kommen. Wir haben Fenster und Türen aufgerissen und die Musik auf volle Lautstärke gedreht, vielleicht würde ja jemand darüber auf uns aufmerksam. Aber das hatte auch einen anderen Effekt: Wir waren alle etwas albern, ungezwungen und in Feierlaune. Einfach richtig gut drauf. Einige unserer neuen Mitarbeiter, grade mal Teens, haben angefangen, Jugendlichen auf der Straße hinterher zu laufen und sie einzuladen, haben getanzt und mit nem Basketball Fußball gespielt. Ich hab nur gedacht, diese Jugendlichen sind sooooo cool! Und so war dann auch der Gottesdienst. Wir waren zwar nur echt wenige, ich glaub, kaum mehr als 10 Gäste, aber dass so wenige Leute so ne Stimmung in die Bude bringen können! Wir haben beim Lobpreis getanzt und immer wieder so gelacht und es war einfach schön. Ich hab einfach gemerkt, hier ist Gott wirklich dabei. Das Gebet vorne kam auch ganz automatisch. Ich hab mir hier mitgenommen, hey, auch wenn ich immer wieder schwierig bin, Gott liebt mich als seine Tochter und darauf kann ich stolz sein. Es ist ihm wichtig, wie ich mit anderen umgehe und er freut sich, wenn Menschen sich um einander kümmern und mit ihm ihr Leben leben.

Dann waren wir noch mit den Mitarbeitern Pizza essen und danach bin ich nach Hause gefahren und hab mich bei einem Abenteuerhörbuch entspannt und angefangen, den Blog zu schreiben.

Hoffe, der Eintrag war nicht zu chaotisch. Sonst bitte fragen 🙂

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