Als ich eben in die Küche kam, fand ich meine englische Mitbewohnerin Sally im regen Gespräch mit Larissa, einer afrikanischen Mitbewohnerin. Während ich mir Abendessen machte, hörte ich mit, worüber sie redeten. Sally war offensichtlich in einer Moschee zu Besuch gewesen und erzählte Larissa nun ganz aufgeregt, wie es ihr gefallen hatte. Sie sei so positiv überrascht gewesen, die waren alle so nett. Dann hat sie sich noch lange mit einem der Muslime unterhalten, der habe ihr vieles erklärt. Zum Beispiel, dass die Leute, die Steinigungen und so fordern, eigentlich spinnerte Extremisten seien. Und gebe es nicht überall Extremisten?
Mir wurde schon ein bisschen mulmig, als ich zuhörte, wie dieser Mann ihr ganz offensichtlich den Islam schöngeredet hatte. Mir fielen tausend Argumente ein, von „in den Ländern, wo die Sharia gilt, läuft es nicht wirklich friedlich und menschenfreundlich ab“ über „im Koran werden Steinigungen und andere unmenschliche Strafen gefordert“ bis zu „laut Koran darf man andere Menschen belügen, wenn es dem Islam dient, und genau DAS hat der Mann anscheinend bei dir getan“. Ich blieb aber still. Es wäre unhöflich gewesen, in ihr Gespräch zu platzen, es hätte vielleicht Streit gegeben. Das wollte ich nicht.
Larissa pflichtete Sally bei ihren Ausführungen immer wieder bei und sagte, da könne man mal sehen, wie falsch der Islam in den Medien dargestellt werde. Das seien alles Lügen, um die Muslime in ein falsches Licht zu rücken. (Bis dato war mir garnicht klar gewesen, dass Larissa Muslimin ist. Sie trägt auch kein Kopftuch.)  Schließlich erzählte Sally, dass es Jesus sogar im Koran gebe! Ich muss dazu sagen, dass Sally eine ganz Liebe ist, nur leider auch sehr gutgläubig und unbedarft. Man kann sie, leider, auch leicht ausnutzen, wenn man es drauf anlegt. Es überraschte mich also nicht, dass sie noch nicht mitbekommen hatte, dass Jesus im Islam als Prophet gilt.
Larissa hakte hier ein und sagte, nicht nur gebe es Jesus im Islam, das Kommen von Mohammed sei auch schon in der Bibel prophezeit. Sally machte – wortwörtlich – große Augen. „Oh, wirklich? Das wusste ich nicht!“ (Sie ist wirklich eine Süße, aber etwas leicht zu beeindrucken.)
Da konnte ich nun wirklich nicht still bleiben und sagte: „Entschuldigung, aber ich habe die ganze Bibel gelesen und ich versichere dir, da ist nirgendwo eine Prophezeiung von Mohammed.“ Larissa drehte sich zu mir um, nickte heftig mit dem Kopf und bekräftigte: „Doch, das steht in der Bibel.“ Ich merkte, wie ihre Stimmung irgendwie aggressiver wurde, und versuchte, so ruhig wie möglich zu sagen: „Weißt du denn vielleicht, wo das stehen soll? Wie gesagt, ich habe die ganze Bibel gelesen. Es gibt keine Prophezeiung von Mohammed.“ Larissas Stimme wurde nochmal deutlich aggressiver. Sie schaute mich direkt an und sagte in einem Ton, als würde sie mir Befehlen das Klo zu putzen: „Es steht dadrin! Ich weiß nicht wo. Aber es steht dadrin!“ Dabei gestikulierte sie mit dem Kochlöffel in ihrer Hand in meine Richtung. Sally hatte ganz offensichtlich den Stimmungswechsel bemerkt und schaute etwas verunsichert von mir zu ihr. Um keinen Streit anzufangen – weil es mir sinnlos schien und auch um Sally’s Willen – sagte ich, sie könne ja vielleicht mal raussuchen, welche Stelle das sein soll, und dann würde ich mir das gerne anschaun. Ich hätte jedenfalls nichts davon gelesen. „Ja, das mach ich. Vielleicht steht er nicht mit dem Namen drin, aber es gibt die Prophezeiung, dass er kommt.“

Sally setzte sich zu mir an den Tisch und wechselte schnell das Thema, indem sie sich eine Frage zur deutschen Grammatik von mir beantworten ließ. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich das Thema nochmal anschneiden sollte, hielt es aber eher für kontraproduktiv. Es hätte nur Streit mit Larissa gegeben und das wollte ich nicht.

Ich bin mir nicht sicher, was ich tun soll. Sally zu einem späteren Zeitpunkt nochmal auf das Thema ansprechen? So viel Kontakt habe ich auch nicht mit ihr, dass ich über so private Dinge mal eben mit ihr reden könnte. Und wenn ich als „die Christin“ auftreten würde, die ihr unbedingt den Islam ausreden will, um sie zum Christentum zu bekehren, wäre die Abwehrreaktion vorprogrammiert. Im Moment weiß ich nichts anderes zu tun, als beten. Vater bitten, dass sie nicht da hineingezogen wird. Dass sie erkennt, dass es nur einen Weg zu Gott gibt, nämlich Jesus.

 

Edit:
Wen das mal interessiert, wo die Muslime in der Bibel Mohammed zu finden glauben, der schaue hier.

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