Ein sehr guter Blogeintrag, den ich gefunden habe.

You Didn’t Thank Me For Punching You in the Face.

Und wie versprochen und um diesen guten Artikeln einer breiteren deutsch-aber-nicht-englischsprachigen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, stelle ich hier auch eine Übersetzung ein. Ich habe weitestegehend wörtlich überstetzt und demnach die Schimpfwörter nicht beschönigt. (Nur an ein/zwei Stellen, wo mir kein gutes deutsches Äquivalent einfiel.) Der folgende Text ist also nicht von mir, sämtliche Rechte liegen bei queenofthecoach.

Ich bin mir sicher, dass jedes Mädchen als Kind wenigstens einmal nach Hause kam und den Eltern, dem Onkel, der Tante oder den Großeltern von einem Jungen erzählt hat, der einen an den Haaren gezogen, geschlagen, geärgert, geschubst hat oder ein sonstiges Spielplatzvergehen begangen hat. Und ich wette um jeden Betrag, dass den meisten von euch Mädchen – wenn nicht allen – gesagt wurde „Och, das heißt nur, dass er dich mag“. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, bis ich eine eigene Tochter hatte. Und ich finde es schrecklich, dass dieser blödsinnige Satz den jungen Kindern immernoch erzählt wird. Hört mal, wenn ihr euren Kindern erzählen wollt, dass verbale und/oder körperliche Misshandlung ein akzeptabler Ausdruck von Zuneigung ist, dann bitte ich euch dringend, eure Erziehungsmethoden zu überdenken. Solltet ihr versuchen MEINER Tochter diesen Mist einzureden, dann solltet ihr besser Schutzkleidung tragen, denn ich werde mich dann mit genau dieser Art „Zuneigung“, die ihr so unterstützt, bei euch bedanken.

Seit wann sollen wir bitteschön unseren Töchtern beibringen, dass sie es als Ausdruck der Zuneigung zu akzeptieren haben, heruntergemacht, respektlos behandelt und missbraucht zu werden? Und dann haben wir noch die Dreistigkeit, uns zu fragen, warum Frauen in Beziehungen bleiben, in denen sie misshandelt werden? Seit wann ist die Gesellschaft so ignorant gegenüber der Tatsache, dass wir unsere Töchter darauf konditionieren, eine schlechte Behandlung zu ertragen oder sie gar als „romantische  Annäherung“ zu sehen?

Also, passt auf: Spart euch eure „Es ist so süß, wenn er sie ärgert/schlägt, denn das heißt, dass er sie mag“-Scheiße für eure eigenen Kinder auf und lasst meine in Ruhe damit! Und wo wir schon dabei sind, haltet sie von meinen Kindern fern, bis ihr ihnen Respekt beigebracht habt und Grenzen zu setzen und zu akzeptieren.

Meine Tochter ist 10. Sie ist schon mehrmals nach Hause gekommen und hat erzählt, dass sie in der Schule von einem Jungen geärgert oder schikaniert wurde. Mehrere Male hat sie versucht, mit jemandem in der Schule darüber zu reden, und als Antwort nur den alten Satz „Das bedeutet, er mag dich“ gehört. Falsch. Ich möchte, dass meine Tochter weiß, dass Respektlosigkeit NIEMALS akzeptabel ist. Ich möchte, dass meine Tochter weiß, dass, wenn sie jemand mag und respektiert oder gar LIEBT, diese Person ihr nicht wehtut und sie nicht fertigmacht. Ich möchte, dass meine Tochter weiß, dass der Junge, der sie hässliche genannt, geschubst oder an den Haaren gezogen hat dies nicht tut, weil er sie bewundert, sondern weil er ein kleines Arschloch ist und Arschlöcher sind ein gesellschaftliches Phänomen, mit dem sie für den Rest ihres Lebens zu tun haben wird. Ich will, dass meine Tochter lernt, wie sie mit solchen Arschlöchern umgehen kann. Im Moment soll meine Tochter wissen, dass sie, wenn sie jemand verbal belästigt oder fertigmacht, es dem Lehrer sagen soll. Wenn der Lehrer nichts dagegen tut, soll sie es mir sagen. Wenn sie jemand anfasst, soll sie es dem Lehrer sagen, wenn es nicht aufhört, soll sie rufen „HÖR AUF MICH ANZUFASSEN/ZU HAUEN/ZU SCHUBSEN!“, auch mitten im Unterricht oder auf dem Flur, und es dann mir erzählen.
Letztes Jahr stahl ein Junge ihre Armbänder. Er packte einfach ihren Arm und riss eine handvoll von ihrem Handgelenk ab. Als ich in die Schule ging, um den Vorfall anzusprechen, lächelte der Lehrer und sagte meiner Tochter – vor meinen Augen: „Er ist vermutlich verknallt in dich.“ Okay, der Junge geht zu meiner Tochter, packt ihren Arm, hält ihn fest und während sie sich nach Leibeskräften wehrt reißt er ihr die Armbänder vom Arm und Sie wollen ihr erzählen, sie solle sich geschmeichelt fühlen? Sie haben sie wohl nicht mehr alle. Ich werd Ihnen eine reinhauen und hoffe, Ihnen ist klar, dass das meine Art ist, mich für den tollen Rat zu bedanken, den Sie meiner Tochter gegeben haben. Wenn der Sohn von Leuten, die solche Ratschläge geben, weinend nach Hause käme, weil ein Mitschüler ihn schubst, an den Haaren zieht, schlägt oder beschimpft, ich wette sie würden ihm sage, er solle sich verteidigen und wenn nötig zurückschlagen. Ganz sicher würden sie nicht sagen „Er will vermutlich nur mit dir spielen.“

Ich werde meiner Tochter beibringen, nichts anderes als Respekt zu akzeptieren. Jeder, der ihr körperlich oder seelisch wehtut, hat weder ihren Respekt, noch ihre Freundschaft oder Liebe verdient. Ich werde meinen Jungs das Gleiche beibringen und dass sie Mädchen respektvoll behandeln sollen. Ich kann meiner Tochter nicht beibringen, sich selbst zu respektieren, wenn ich ihr gleichzeitig beibringe, dass niemand sonst sie respektiert. Ich kann keine Söhne großziehen, die Frauen respektieren, wenn ich sage, dass jemanden zu drangsalieren eine angemessene Art ist, seine Zuneigung auszudrücken.

Wenn das nächste Mal jemand meiner Tochter dieses „kleine Geheimnis“ erzählt, werd ich dieser Person eine Ohrfeige verpassen und sie anbrüllen „ICH LIEBE DICH!“

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