Morgen früh um 7 ist die OP an meinem Knie. Eine Arthroskopie, um genau zu sein. Heute morgen war ich bei der Voruntersuchung im Krankenhaus. Und jetzt weiß ich auch wieder, warum ich Krankenhäuser nicht mag.
Als erstes durfte ich eine 3/4 Stunde im Wartebereich sitzen. Das kam nicht ganz unerwartet und zum Glück hatte ich ein gutes Buch dabei. Dann konnte ich zum Arzt ins Besprechungszimmer. Der hat sich mein Knie und die MRT-Bilder nochmal angeschaut und mir erklärt, was genau gemacht wird: zwei kleine Schnitt. Durch den einen wird eine Kamera hereingeschoben und das Knie angeschaut, dann kommen durch den anderen die Instrumente hinzu und das angerissene Stück vom Meniskus wird weggeschnitten. Das war’s dann auch schon. Der Arzt hat das ziemlich routiniert heruntererzählt. Ich kann’s ihm nicht verübeln, er macht das den ganzen Tag. Aber ich habe mich dabei irgendwie unwohl gefühlt. Eigentlich kann er ja nichts dafür, immerhin macht er das den halben Tag lang. Aber ich habe mich dabei gefühlt, als würde ich bloß abgefertigt. Dann musste ich noch zum Narkosearzt, um mir die Gefahren einer Vollnarkose erklären zu lassen. Wieder ewig warten. Die Dame an der Anmeldung nimmt meine Krankenakte entgegen und sagte, als würde sie es 1000 mal am Tag sagen: „Setzen Sie sich bitte in den Wartebereich, wir rufen Sie dann auf.“ Wieder herumsitzen, in meinem Buch lesen. Dann darf ich zum Narkosearzt. Der erklärt mir die Gefahren und die genaue Anwendung der Vollnarkose und sagt auch noch etwas zur Schmerztherapie nach der OP. Wieder alles sehr routiniert heruntergeleiert – man merkt, dass er genau dieses Gespräch mehrmals am Tag führt. Ein Fragebogen zu Vorerkrankungen wird abgearbeitet, ich wage es kaum, mehr als „ja“ und „nein“ zu sagen, weil er offensichtlich schnell fertig werden will. Ich finde es schwer, zuzuhören, was er auch merkt und leicht gereizt reagiert. „Wiederholen Sie nochmal, was ich gesagt habe: Ab wann dürfen Sie nichts mehr essen?“ Ich verwechsel „nichts mehr essen“ (ab heute Nacht um 12) mit „nichts mehr trinken“ (ab morgen früh um 3) und er reagiert gereizt. Ich bekomme alles nochmal erklärt, nicht weniger geleiert, und darf mit meiner Akte wieder in die andere Abteilung. Da gibt mir die Sekretärin noch die letzten Unterlagen und einen Packen Medikamente, dann darf ich endlich gehen.
Natürlich, ich weiß, die langen Wartezeiten kann man nicht ändern. Das liegt halt am Gesundheitssystem – zu wenig Personal und so. Und den Verwaltungskram haben sich die Ärzte auch bestimmt nicht ausgedacht. Aber dieses Gefühl, dass einem gegeben wird…. irgendwie, naja, eine bloße Nummer zu sein. Ein Punkt auf der Liste zum Abhaken. Natürlich ist das für das Personal Routine. Gerade eine Arthroskopie ist ein häufig vorgenommener Eingriff. Und  kann man es jemandem vorwerfen, dass er Routine hat? Allzu gut gefühlt habe ich mich dabei allerdings nicht. So genau weiß ich nicht, wie ich es umschreiben soll. Es ist einfach dieses Gefühl, dass man hat, wenn man etwas das erste Mal macht und kriegt es dann von jemandem erklärt, der es schon tausendmal gemacht hat und nicht mehr weiß, wie es ist, wenn es das erste Mal ist, man sich nicht auskennt und man etwas Angst hat – nicht, weil man an der Medizintechnik zweifeln würde, sondern einfach nur, weil man sowas noch nie gemacht hat. Dann macht einen die Routine, dieses „ist doch alles ganz einfach und machen wir nebenbei“ nur noch nervöser.

Zum Abschluss habe ich noch eine gute Ration Pillen (Schmerzmittel) und Anti-Thrombose-Spritzen bekommen. (Igitt, selber spritzen, ich hasse es.) Ich bin mal gespannt, wie das morgen läuft.

Die Pillensammlung

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