Dass mein Knie möglicherweise operiert werden muss, hatte der Arzt schon beim ersten Mal angekündigt. Bis Januar sollte ich abwarten, ob es von alleine komplett abheilt. Wenn es bis dahin nicht komplett abgeheilt ist, sei eine OP besser. Von zwei Leuten aus der Gemeinde habe ich gehörte, dass sie schon eine Meniskus-OP hinter sich haben. Eine hat ein ganzes Jahr gewartet, ob es von alleine heilt, hatte aber immer wieder Schmerzen. Schließlich wurde es operiert, das ist schon ein paar Jahre her und sie hatte nie wieder Probleme mit dem Knie, hat sie erzählt.

Nachdem jetzt seit etwa einer Woche mein Knie wieder wehtut und die Schmerzen langsam schlimmer werden, war ich heute wieder beim Arzt. Also, die Schmerzen waren nicht wirklich so schlimm wie direkt nach dem Unfall, aber schon unangenehm beim Gehen. Und ich wollte auch nicht abwarten, bis es wieder schlimmer wird.
Der Arzt meinte dann, es wäre besser, man operiert das. Es könnte sein, dass das von alleine wieder aufhört, aber wahrscheinlicher ist, dass ich immer und immer wieder Probleme haben werde. Und eh man Jahre lang immer wieder Schmerzen hat…
Da das keine große Sache ist und rein ambulant, hat er gleich einen Termin für nächste Woche gemacht. Dienstag nachmittag, Dauer vielleicht so vier Stunden, danach kann ich wieder nach Hause. Vermutlich 2 Monate an Krücken laufen, aber das hatte ich letztes Mal ja auch so lange.

So weit eigentlich kein Problem. Ich habe keine Angst vor OPs, zumal das nur ein kleiner ambulanter Eingriff ist. Krücken laufen ist nicht gerade angenehm, aber das überlebe ich schon. Dann habe ich wenigstens keine Ausrede mehr, warum ich nicht an der Bachelorarbeit sitzen könnte.
Wovor ich wirklich wirklich Angst habe und was mir Sorgen macht, ist, dass ich die Wochen wahrscheinlich bei meinen Eltern verbringen darf. Und ich kenne ja meine Mutter. Die sucht jede Gelegenheit, um herumzuschreien. Dann geht’s wieder darum, dass ja „alles ein Riesenstress ist“, „Ich darf hier die ganze Arbeit machen! Die ganze Hausarbeit, das wird mir eh alles zuviel! Und jetzt muss ich mich auch noch um sie kümmern! Ich schaff das hier nichtmehr!“ Oh, aber wehe mein Vater bietet an, zu helfen. Dann heißt es nur „Du hilfst am besten, wenn du mich in Ruhe lässt.“ Und wehe, ich lasse etwas von mir hören. Das ist auch alles reiner Stress!
Das klingt jetzt vielleicht sehr pessimistisch, ist aber basierend auf langjährigen Erfahrungen.

Dass ich nicht so ganz falsch liege damit, hat sich eben schon bestätigt. Ich rufe zuhause an, direkt nachdem ich aus dem Krankenhaus bin. Mein Vater geht dran. Ich hatte meinen Eltern letztes Jahr schon gesagt, dass der Arzt angedeutet hat, dass ich vielleicht operiert werden muss, wenn es im Januar noch wehtut.
Ich schildere die Situation, dass es wieder wehtut, dass ich grad beim Arzt war und operiert werde. Mein Vater – und ich höre in seiner Stimme schon diese Hektik – fällt mir direkt ins Wort „- ja Moment, da müssen wir jetzt mal in Ruhe überlegen, was da zu machen ist und wie wir da…“ Ich sag ihm, der Arzt hat schon den Termin direkt gemacht. Ein Aufschrei. „WAS? Moment, ja, aber das geht doch nicht, wir müssen doch erstmal schaun! Das geht doch nicht so plötzlich! Da müssen wir doch erstmal noch drüber reden… Du kannst das doch nicht so knall auf Fall…und dann plötzlich nächste Woche ’ne OP! Lass uns da nochmal drüber reden!“ …..ambulanter Eingriff, keine richtige OP. Ein paar Stunden, am selben Tag wieder nach Hause. Und überhaupt, ICH habe mir den Termin nicht ausgesucht, muss mich aber dafür anmotzen lassen. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich eher froh, dass das deutsche Gesundheitssystem mal ausnahmsweise schnell funktioniert und mich nicht erst, wie letztes Mal, ewig mit Schmerzen herumrennen lässt, bevor ich einen Termin kriege.
War ich bis dahin noch ganz ruhig, brachte mich spätestens dieser Anruf auf die Palme. Warum muss immer aus allem eine Riesenstaatsaffäre gemacht werden? Und warum muss ich es ausbaden? Zumindest demonstriert es, was ich oben beschrieben habe: Bei meinen Eltern krank sein ist kein Spass.

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