Weihnachten rückt näher. Um genau zu sein ist es schon am Samstag. Morgen fahre ich in die Heimat zu meinen Eltern.

Und ich habe ja sowas von keine Lust auf „Weihnachten“.

Ich habe keine Lust darauf, dass meine Mutter wieder in Hektik verfällt, perfektionistisch wird und bei der kleinsten Gelegenheit herummotzt.

Ich habe keine Lust darauf, dass ich alleine zum Gottesdienst fahre und zur Abfahrt noch Sprüche höre wie „Beeil dich mit beten, wir wollen nicht mehr so lange auf die Bescherung warten.“

Ich habe keine Lust darauf mit meinen Eltern und meinem Bruder auf den Sofas zu sitzen, meine Mutter redet wieder die ganze Zeit über „ihre“ Themen (Politik), und das Gefühl zu haben, wir sind keine Familie. Ich kenne diese Leute kaum.

Ich habe keine Lust darauf, in einer ungeschmückten Wohnung zu sitzen (weil meine Mama das Geld lieber spart – Weihnachten hat bei uns Zuhause ja eh keine Bedeutung), meine Mutter motzig und voll im Stress, und wenn in der Ecke nicht die Geschenke stünden, wüsste keiner, dass heute etwas anders sein sollte.

Ich habe keine Lust darauf, am 24. nach dem Gottesdienst zuhause zu sitzen und alles fühlt sich an wie ein normaler Tag. Und dabei genau zu wissen, andere dürfen in ihren christlichen Familien sitzen und in Liebe feiern, dass Gott Mensch wurde.

Ich habe keine Lust darauf, dass meine Mutter zwar nicht schmücken wird, es keinen Baum geben wird (rausgeschmissenes Geld), und sie sich selber vermutlich mal wieder zu Weihnachten schenkt, dass sie nichts aufwendiges kochen muss (-> Tiefkühlsachen), weil es ja auch überhaupt nicht in Frage kommt, dass m ein Bruder und ich in „Mamas Küche“ kochen.

Ich habe keine Lust darauf, wieder tagelang auf Eierschalen zu laufen, weil meine Mutter wegen des ganzen „Stress“ (wo auch immer der herkommt, sie schmückt nicht, kocht nichts besonderes…) gereizt ist. Ich vermute allerdings mittlerweile stark, ihr ist eh jede Ausrede recht, um andere anschrein zu können. Den Stress macht sie sich notfalls selber.

Und vor allem habe ich keine Lust darauf, im 5. Jahr in Folge zu beten, dass sich doch irgendetwas ändern möge, und nichts passiert. Zu hoffen und zu beten, dass meine Familie zum Glauben kommt. Dass wir irgendwann gemeinsam Weihnachten richtig feiern können.

Am Liebsten würde ich gleich ganz hier bleiben.

24.Dezember, 14:07

Bis jezt sieht es nicht so aus, als würde sich über irgendetwas im Vergleich zu den letzten Jahren ändern. Wir sparen uns den Tannenbaum, auf dem Fensterbrett liegen nur ein paar Zweige. Beim Mittagessen reden meine Eltern die ganze Zeit über die Affäre vom Wulff. Und regen sich auf, was für eine Sauerei das sei. Dann kommt das Thema auf das Ferienhaus von Bekannten. Meine Eltern wollen nächstes Jahr mit ihnen dorthin fahren, mein Vater hilft bei Reperaturen und sie wollen ein paar Urlaubstage zusammen verbringen. Meine  Mutter fängt an sich  zu ereifern: „Aber ich werde da nicht untätig rumsitzen, wenn ihr da am Haus was macht. Ich übernehme dann das Kochen. DAS halte ich sonst garnicht aus, ihr arbeitet und ich sitze dumm herum!“ So, wie sie sich aufregt, hätte man meinen können, mein Vater hätte vorgeschlagen, sie an einen Stuhl zu fesseln. Dann meint mein Vater, um das Thema zu ändern, na wenigstens sei ja mein Bruder schon unterwegs und würde nicht wie letztes Jahr viel zu spät (abends um 8 oder 9) kommen. Das klappe doch alles viel besser dieses Jahr! Das allerdings nahm meine Mutter zum Anlass, die ganze Geschichte vom letztenn Jahr noch einmal aufzurollen („Und das war ja auch schrecklich! Wir hatten nichts gegessen, und saßen dann hungrig da und warteten! Und er kam und kam nicht!“) Damit hat sich dann meine Prognose bestätigt, dass meine Mutter sich notfalls selber Sachen sucht, über die sie sich aufregen und rummotzen kann. Dann meinte meine Mutter, ich  könne ja ruhig schonmal die Geschenke von meiner Brieffreundin auspacken. Dann dauere das Warten nicht so lang. Also habe ich mich aufs Sofa gesetzt und angefangen, auszupacken. Währenddessen redete und redete meine Mutter über Politik, das Ferienhaus unserer Bekannten… Und obwohl die Geschenke wirklich schön waren, konnte ich mich bei dem ganzen aufgeregten Gequatsche vom Tisch (vor allem bei dieser agressiven Tonlage, die meine Mutter immer annimmt, wenn sie sich aufregt) nicht so recht freuen. „Weihnachtsstimmung“ habe ich schon garnicht.

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