Den folgenden Text habe ich für eine Adventsandacht bei uns im Wohnheim geschrieben. Die Idee ist zugegebenermaßen nicht komplett von mir, ich kann mich aber nicht mehr genau erinnern, wo ich sie mal aufgeschnappt habe. Für Anmerkungen und Kritik bin ich gerne offen. Ich denke schon, dass man an der ein oder anderen Stelle noch feilen kann.

Diese Andacht ist zum Vorlesen gedacht, weshalb sie möglicherweise gelesen nicht so gut wirkt. Einige Formulierungen verlangen die entsprechende Intonation oder Pausen.

Wir lieben, weil Er uns zuerst geliebt hat.

(1. Johannes 4,19)

Am Abend, als es kühler wurde, hörten sie, wie Gott, der HERR, durch den Garten ging. Da versteckten sich der Mensch und seine Frau vor Gott zwischen den Bäumen.

Aber Gott rief nach dem Menschen: „Wo bist du?“

(Genesis 3, 8-9)

Gott hatte den Menschen als sein Ebenbild geschaffen. Als einziges unter den Geschöpfen sollte der Mensch in der Lage sein, Gott zu antworten und seine Liebe zu erwidern. Gottes Liebe ging sogar so weit, dass er dem Menschen die Möglichkeit bot, ihr Leben ohne Ihn zu führen, wenn sie es wünschten. „Wenn ihr von der Frucht esst, werdet ihr sein wie Gott und wissen, was gut und was schlecht ist. Dann werdet ihr euer Leben selber in die Hand nehmen können.“, sagte die Schlange am Baum zu Eva.

Und dann geschah das Unfassbare: die beiden Menschen entschieden sich für ein selbst bestimmtes Leben und damit gegen Gott.

Und wie reagierte Gott? Er ist allmächtig und sieht sogar in das Herz der Menschen. Er wusste also sofort, was geschehen war. Hätte Er nicht im selben Moment, da die Frucht gegessen war, erscheinen und Adam und Eva bestrafen müssen?

Er tut es nicht.

Gott wartet bis zum Abend. Er lässt den Menschen Zeit.

Zeit, zu verstehen, was passiert ist.

Und als Er kommt, drängt er sich nicht auf. Er geht nicht direkt zu ihnen hin, sondern ruft – vielleicht aus einiger Entfernung – „Wo bist du?“

Das ist das Wesen der Liebe Gottes, dass Er uns einen freien Willen gab und uns die Entscheidung überlässt, seinem Ruf zu folgen.

Die erste Reaktion der beiden Menschen auf das Kommen Gottes war, sich aus Scham und Angst zu verstecken. Im Anblick des ewigen Gottes wird uns schmerzlich bewusst, wie fehlbar, wie nackt wir sind.

Wäre die Geschichte nach der Verbannung aus dem Paradies zuende gewesen, so müssten wir in einer trostlosen Welt leben – einer Welt ohne Trost, ohne Hoffnung. Doch Gott hörte nicht auf, seinen geliebten Menschen nachzugehen. Schließlich ging Er so weit, dass Er selber ihnen in die Verbannung folgte: In Jesus Christus lief Gott uns Menschen nach – bis in den Tod – und rief: „Komm zurück! Ich liebe dich doch!“

Jesus Christus ist Gottes sehnsüchtiges Rufen in die Welt hinein:

„Wo bist du?“

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