Ich will einfach nurnoch heulen. So schnell kann es gehen, von ganz glücklich zu absolut am Ende.
Es war so: Ich konnte ja aufgrund meines Meniskusrisses nicht den ganzen Monat bei der Post arbeiten. Da ich als Aushilfskraft bei Krankheit nicht bezahlt werde, hatte ich Angst, dass mein Lohn nicht reichen würde für einen Japanflug. Meine Mutter meinte dann, das wär OK, sie geben mir den Rest dazu. Weil ich ja so viel wie möglich dahin sollte, um die Sprache zu üben. Ich meinte noch, wenn es für sie zu teuer ist, dann fliege ich halt erstmal nicht, das wär OK. Aber sie sagte, sie würden das hinkriegen, sie hätten Geld für mich beiseite gelegt.

Als Annika zugesagt hat, habe ich meiner Mutter natürlich sofort davon erzählt. Ich war so glücklich, nicht alleine fliegen zu müssen. Vielleicht hätte ich es besser sein lassen. Als Antwort kam eine E-Mail: sie hätten nachgedacht, sie könnten die Reise doch nicht mitfinanzieren. Sie würden es besser finden, wenn ich arbeiten würde. (Keine Ahnung, ob ich das überhaupt dürfte. Ohne Krücken laufen können und bei der Post arbeiten können sind zwei Paar Schuhe. Müsste vorher den Arzt fragen.) Das beste war die Begründung: Weil ja im März auch immer die Studiengebühren fällig werden. Da wär dann kein Geld mehr für sowas. (Jetzt plötzlich?)
Also, zum einen sind 200€ Studiengebühren im Vergleich zu circa 1800€ Reisekosten – nun ja – marginal. Zweitens kann ich selber 1500 bezahlen (Lohn vom September war doch recht gut, mit den ganzen Überstunden), ich bräuchte also „nur“ ca. 300 Euro von ihnen. Drittens wird der Hauptteil der Kosten – also Flug und Jugendherberge – im Dezember zu zahlen sein. Dann kann sie mir nicht sagen, weil im März die Studiengebühren fällig sind, kann ich nicht fliegen.

Sie hatte mir wie gesagt vorher mehrmals versichert, sie könnten mir etwas zur Reise beisteuern und ich sollte mir da keine Sorgen machen, das wäre alles schon zurückgelegt für solche Zwecke. Und ich hatte mich natürlich gewundert, warum es jetzt plötzlich nicht ging. Bis mir auf dem Weg zum Unterricht einfiel, dass meine Mutter Annika ja im Grunde nicht leiden kann. Das war schon in der Schule so. Da hat sie es nicht gerne gesehen, wenn ich mit ihr unterwegs war. Ich durfte sie auch nie zum Mittagessen oder zum Übernachten einladen. Und da die E-Mail, dass sie nicht zahlen würden, genau als Antwort auf die E-Mail kam, dass Annika mitfliegt… Es würde zumindest sehr gut zu meiner Mutter passen, solche blöden Spielchen zu spielen.
Deshalb könnte ich jetzt heulen. Ich hab mich so gefreut.

Immerhin, eine gute Nachricht gibt es auch: Ich habe mein Thema für die Bachelorarbeit schon eingegrenzt. Ich muss ja in Sprachwissenschaften schreiben und werde vermutlich etwas über geschlechtsspezifische Sprache in Japan und Deutschland im Vergleich schreiben. Ich weiß auch schon, bei welchem Professor, und der war sehr nett und hilfsbereit.

Advertisements