Ich bin mal wieder über das Wochenende bei meinen Eltern. Ist jetzt auch schon wieder eine Weile her, seit ich das letzte Mal hier war. Und nach 3 Tagen weiß ich auch wieder, warum.
Es ist nichts neues oder so. Die üblichen Sachen. Vor allem die üblichen Probleme mit meiner Mutter.
Meine Mutter hat – wie immer – die Zeit genutzt, mein Leben zu planen. So kann man das zusammenfassen. Sie fing sofort an, als ich zum Mittagessen zuhause war: von diesen und jenen Firmen habe sie ja gehört, dass sie Studenten unterstütze. Da solle ich mal nachfragen, ob die einen Job in Japan für mich hätten, für 3,4 Monate. Ich wurde quasi erschlagen von einer Lawine mit Anweisungen und Ratschlägen, wie meine Zukunft zu gestalten sei. Heute beim Mittagstisch gings dann weiter: Bosch sei ja auch in Japan aktiv. (Eine kurze Google-Suche bestätigte dies. (http://www.bosch.co.jp)) Und Bosch würde viel für die Gleichberechtigung von Frauen tun. Ich solle mich doch da mal nach einem Ferienjob umsehen, für nach dem Bachelor nächstes Jahr. Vielleicht könne ich da für 2/3 Monate nach Japan gehen. OK, ich kann mal eine E-Mail schreiben, kein Problem. Meine Mutter machte aber direkt weiter, quasi ohne Punkt und Komma: Sie habe auch gehört, dass die Studenten unterstützen. Man könne dann während des Studiums in den Ferien da arbeiten und würde nach dem Abschluss übernommen. Ich sagte „Ich weiß, dass nennt sich duales Studium und wird nur für entsprechende Studienfächer, also Wirtschaft (BWL/VWL) oder ganz selten auch bei Ingenieurstudiengängen angeboten. Das ist aber auf bestimmte Fächer begrenzt, das kann man nicht einfach so machen. Ich hab mir das schonmal angeschaut.“ Meine Mutter wollte von Logik mal wieder nichts hören. (Sie meinte ja auch, ich solle mich im 2.Semester als Tutor bewerben…) Sie kam wieder mit Sätzen wie „Na frag doch einfach mal. Bewerb dich doch einfach mal.“

Jetzt eben beim Mittagessen ist es mir dann echt zuviel geworden, wie sie mich ohne Punkt und Komma zugeredet hat, was ich hier und dort noch machen müsste und wo ich nachfragen oder mich bewerben müsste. Ich bin einfach aufgestanden und gegangen, hab gesagt, ich habe keine Lust auf eine Nachspeise. Ich hatte überhaupt keine Lust auf essen mehr.

Und wieder weiß ich, warum ich so selten zuhause bin.

Eine gute Sache will ich aber auch noch erzählen: Seit ich in Bonn wohne, habe ich mir einen eigenen Drucker gewünscht, da ich immer an der Uni drucken musste. Und da immer hinzurennen ist echt nervig. Jetzt hatte ich den Lohn von der Post und dachte, so ein Drucker kostet nur 50€, das kann ich mir jetzt leisten. Also wollte ich einen kaufen. Da meinte man Vater, das sind ja nur 50€, das übernimmt er. Er ist ja noch immer selbstständig und hat eine Firma. Also hat er den Drucker vom Geschäftskonto bezahlt :). Jetzt habe ich endlich einen Drucker.

Bithja meint:

„Ach übrigends, ich hab jetzt neulich in der Zeitung gesehen, dass die bei Friedenshort Sozialpädagogen suchen. Bewirb dich doch auch da. Oder besser: Ruf direkt an. Sag denen: ‚Ich hab gehört, Sie suchen da jemanden und da wollte ich mal fragen, was das für eine Stelle ist und ob die noch frei ist.‘ Und dann hörst du ja, was die sagen. Und wenn die dann sagen, ne, wir haben da schon jemanden, hast dus wenigstens versucht. Aber wenn die sagen: Dann schicken Sie uns doch Ihre Unterlagen, dann mach das doch einfach. Und schreib dann in die Bewerbung ‚danke für das freundliche Telefonat vom (Datum)‘, dann können die dich direkt einordnen, sowas ist immer gut.“ Ich weiß das! „Weißt du, du musst da schon ein bisschen Initiative zeigen, von alleine kommen sie nicht auf dich zu -“ – „Ja, Mama, ich bewerb mich doch schon.“ – „Ja, und dann rufst du an, und sagst denen, du interessierst dich für die Stelle und dann hörst du ja, was sie sagen.“ Das hast du eben schon mal gesagt, ich habs gehört. „DU musst aktiv werden, sonst wird das nichts“ Auch schon mal gehört. „Ruf doch einfach mal an.“ Ich schalte auf Durchzug.

Ich weiß ja, sie meint es gut, aber es ist unnötig und nervig und sie erreicht damit oft genug das Gegenteil von dem, was sie erreichen will. Aber wenn ich ihr sage, lass das bitte, macht sie es manchmal trotzdem, aber wenn sie einen entsprechenden Tag hat, akseptiert sie das zu meiner Überraschung.

Leidensgenossinnen 🙂

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