Also, eigentlich weiß ich es selbst nicht so genau. Ich weiß, dass meine Vorgängerin vor einigen Jahren mit berufsbedingtem Burnout und Depressionen gegangen ist. Das wusste ich aber von Anfang an. Und ich bin Berufsanfängerin. Und das wussten die anderen von Anfang an. Heißt also, ich kann wirklich noch lange nicht alles. Das hab ich oft gemerkt und das haben auch andere oft gemerkt. Aber ich habe – vor Allem von den Ehrenamtlichen und den Kindern und Jugendlichen – auch echt gute Rückmeldungen gekriegt.
Ich habe meine Vorgesetzte auch nach einigen Wochen nach der Probezeit gefragt, ob es vorkommt, dass man ín der Probezeit entlassen wird. Ihre Antowrt: Das ist bisher nur einmal vorgekommen und man bekommt immer vorher die Möglichkeit, seine Fehler zu korrigieren. Damit hab ich mich immer getröstet, wenn ich Fehler gemacht habe. Dass ich immer aus den Fehlern lernen kann und dass man mir erst sagen wird, wenn was nicht stimmt. Und von 2 Leuten hab ich auch Kritik gekriegt. Die eine war so, dass ich leider nichts ändern konnte, passiert ist passiert und ich hätte, wenn überhaupt, erst in einem Jahr die Chance, etwas besser zu machen. Das Andere mal war unmittelbar vor meiner Entlassung.
So und dann hat letzten Donnerstag das Dekanat angerufen, dass der Dekan mit mir reden will. Haben mir nicht gesagt, worum es geht, nur, dass ich am Freitag um 1 Uhr vorbei kommen soll. Ich hab mir schon gedacht, dass es darum geht, ob ich bleibe oder nicht. Aber ich dachte, es wäre ein Gespräch. Also hab ich die ganzen letzten Monate reflektiert und überlegt, was gut gelaufen ist und was nicht, was ich alles gemacht hab, was ich noch vorhabe, wo ich Schwierigkeiten und Fragen habe und so weiter und dachte, ich wär gut vorbereitet. Ich saß aber die ganze Zeit auf heißen Kohlen. Als ich dann angekommen bin, bekam ich kein Händedruck, der Dekan hatte noch das Mittagessen im Mund und ich konnte erstmal ne Weile warten. Dann haben er und die Jugendpfarrerin mir in 5 Minuten verklickert, dass ich nach der Probezeit gehen kann, weil ich zu unerfahren bin. Dass es ein Fehler von ihnen war, mich zu nehmen und dass sie ja nicht wollen, dass ich vielleicht auch noch einen Burnout kriege. (wenn das nicht so billig wär, wär es einfach komisch. Ich stelle mir das grade als Satire vor, könnte sicher Rowan Atkinson gut spielen) Ich wollte etwas dazu sagen, ich meinte, ich würde gern auch sagen, was ich in der Nordregion gemacht habe und was gut läuft. Wollten sie aber gar nicht hören, und grade die, die mir gute Rückmeldungen gegeben haben, hätten ihnen gegenüber Bedenken geäußert. Was soll ich bitte glauben??? (Großzügigerweise haben sie mir erlaubt, bis Dezember zu bleiben und gesagt, dass sie mich nicht kündigen, wenn ich einem Auflösungsvertrag zustimme)

Dann bin ich einfach gegangen und hab im Auto erstmal dermasen geheult. Meine Eltern waren in Berlin, also konnte ich nicht zu ihnen. Ich bin dann zu Oma gefahren und bis Sonntag abend da geblieben. Konnte mich eigentlich den ganzen Tag nicht beruhigen. Ich war echt völlig verwirrt, weil es am Anfang, als ich nach Marburg gekommen bin, es sich alles so richtig angefühlt hat. Ich dachte, was will Gott? Ich versteh grad gar nichts mehr. In der Nacht konnte ich nicht schlafen, hatte also auch Zeit zum Nachdenken. Seltsamerweise hab ich gemerkt, dass ich mich jetzt frei fühle. Ich weiß nicht, ob es wegen der Angst vor dem war, was passiert ist und ich jetzt wirklich weiß, was passiert oder weil ich die ganze Zeit so ein ganz leises komisches Gefühl hatte und es mir nur nicht eingestehen wollte. Es war nämlich vieles echt komisch. Zum Beispiel sollte ich einerseits dafür sorgen, dass Jugendliche in die Kirche kommen und neue Mitarbeiter gewinnen, wurde aber systematisch von der Konfirmantenarbeit ferngehalten. Aber ich wollte soooo unbedingt den Job, dass ichs nicht beachtet hab und dachte, es wär normal.

Werde nächstes Jahr, wenns irgendwie geht, wieder ins Siegerland und irgendwas machen. Jugendreferentin vielleicht nochmal irgendwann mit mehr Erfahrung.

Advertisements