Ich bin endlich wieder zuhause! Was habe ich mich gefreut, in einem Bett auf meiner bequemen Zonen-Matratze zu schlafen. Und wieder deutsches Essen zu essen. Und richtige Schokolade!

Es war ja wirklich schade, dass ich in Korea nicht im Blog schreiben konnte. Aber wie ich schon geschrieben habe, haben an den öffentlichen PCs die Computer die WordPress-Seite falsch dargestellt, sodass das gesammte linke Menu mit „Artikel erstellen“ und „Blog“ unerreichbar war – ausserhalb des Bildschirms. Und rüberscrollen konnte ich auch nicht.
Ich hätte gerne zeitnahe den Blog hier geschrieben. Aber andererseits hatten wir für sowas auch garnicht viel Zeit. Wird wurden ganz schön auf Trab gehalten. Wenn dann war ich in der Mittagspause zwischen dem Unterricht und dem Nachmittagsprogramm an den öffentlichen PC. Das war aber auch nur eine Stunde. Und da musste ich noch essen. Abends um 5 oder 6, wenn das Nachmittagsprogramm zuende war, waren wir meist nur in der Stadt und dann so um 8 oder 9 zurück. Dann war ich so kaputt, dass ich nurnoch ins Bett wollte. Freizeit war leider ziemlich rar, weshalb es auch auf die Dauer eher anstrengend wurde. So im Verlaufe der zweiten Woche waren die meisten Leute ziemlich genervt. Unter den Mädchen gab es ganz schön viel Gezicke und böses Blut. Ich konnte mich zum Glück da raushalten.

Was uns glaube ich alle am Kulturprogramm am meisten genervt hat, war, dass es zuviel auf einmal in zu kurzer Zeit war. Jeden Tag gab es irgendetwas. Mal wurde versucht, uns in 2 Stunden mehrere komplizierte Taekwondo-Bewegungen beizubringen. Das war einfach nur frustrierend, weil man das alle garnicht so schnell lernen konnte. Dann gab es einen traditionellen Koreanischen Tanz, der uns in 2 Stunden komplett beigebracht werden sollte. Das hieß, jede Schrittfolge etwa 2 Mal machen, dann kam die nächste dran. Das konnte man natürlich alles garnicht so schnell hinkriegen. Trommeln das gleiche, wir sollten ein ganzes Lied trommeln lernen, wobei man nicht nur den Rhythmus beachten musste, sondern auch, auf welches Seite der Trommeln man schlägt. (Wir wurden dabei sogar gefilmt. Und fotografiert. Dass eine Gruppe deutscher Studenten zu einem Kulturprogramm nach Korea kommt, war das erste Mal. Sonst gab es nur einzelne Austauschstudenten. Und da die Koreaner Deutschland mögen – wir waren ja auch geteilt – kamen in den Regionalen Zeitungen und Fernsehsendungen Berichte über uns: http://tinyurl.com/3wwpm89.) Wie mein selbstgetöpfertes – äh – Dingsbums aussieht, lade ich hier besser nicht hoch :D.

Daegu selber ist eher hässlich.

ein typisches Bild in Daegu

Es ist eben eine typische Industriestadt. Da gibt es auch nicht viel, außer Arbeiterwohnungen und ein bisschen was im Zentrum.

Leider muss ich sagen, dass die Koreaner – oder zumindest die Leute in Daegu – sehr nationalistisch sind. Das fängt im Alltag bei Kleinigkeiten an: das koreanische Reisebüro hat für unsere Gruppenreise im Flugzeug keine Plätze zusammen gebucht, obwohl wir komplett als Gruppe gebucht haben. Im Geschäft wurden wir oft mit der untersten von vier Höflichkeitsstufen angeredet, obwohl für Kunden eigentlich die höchste benutzt wird. Bei koreanischen Kunden wurde sie auch benutzt. Und man konnte noch so nett auf Koreanisch fragen „Wie teuer ist das?“ (Preisschilder sind selten), als Antwort wurde in 99% der Fälle der Preis aufgeschrieben und einem wortlos der Zettel hingehalten. Wenn man eine Frage hatte, zum Beispiel „Wo finde ich Postkarten?“ sind die Verkäuferinnen oft abgehauen um mir wen zu schicken, der Englisch konnte. Obwohl ich auf Koreanisch gefragt habe. Und man wird auf der Strasse ganz schön angegafft. Vor allem, wenn wir als Gruppe unterwegs waren, haben sich die Leute nach uns umgeschaut. Man muss dazu sagen, ich habe kaum andere Ausländer – das heißt Nicht-Asiaten – gesehen. Man hört die Leute dann auch reden, so Sachen wie „Schau mal da, die Ausländer!“. (So viel Koreanisch verstehe ich schon. Und welche aus der Gruppe, die schon besser Koreanisch konnten, haben uns auch erzählt, wenn am Nachbartisch oder die Verkäuferinnen über uns geredet haben – wie wir aussehen würden und so.)
Besonders gestört hat es bei den Vorträgen, wenn es die ganze Zeit um die „tolle koreanische Kultur“ ging. Der Herr vom konfuzianischen Institut hat irgendwas erzählt von wegen „Korea, das Land des Konfuzianismus“ (öh, Konfuzius war chinese). Oder bei Kalligraphie: die alten koreanischen Hanza-Schriftzeichen. (Hanza sind die chinesischen Symbole, die früher viel in Korea benutzt wurden. = Kanji) Vor allem hätte man beim Hanza-Vortrag meinen können, sie wären in Korea erfunden worden. Es wurde viel geredet über die Ursprünglichen Symbole, wie sie aussahen etc, aber mit keinem Wort erwähnt, dass das Ganze in China erfunden wurde.
Am krassesten war die Feier zum Independence Day, dem Tag der Unabhängigkeit von der japanischen Besatzung. Da wurde erstmal ein Film gezeigt, wie schrecklich es doch war – 1910 bis 1945 – alles nochmal aufgewärmt und dann ein paar von den heute alten Freiheitskämpfern ein Geschenk überreicht. Danach waren wir im Unabhängigkeitsmuseum, da gab es auch überall Filme zu sehen, wie schlimm es war, Zeichentrickfilme, in denen die Japaner mit dicken Augenbrauen und fiesem Grinsen gezeichnet wurden. Auf den Texten wurde ein Freiheitskämpfer, der mehrere Bombenattentate auf japanische Einrichtungen wie z.B. Banken verübt hatte, als „Märtyrer“ bezeichnet.

Nun ja, das sind ein paar Gründe, die mir Korea unsymphatisch gemacht haben. Womit ich nicht sagen will, dass alle Koreaner so sind oder es überall so sein muss. Aber ich habe auch von anderen gehört, aus höheren Semestern die schon in Korea mehr herumgekommen sind, dass man tatsächlich generell in Korea eher ein Problem mit Ausländern hat.

So, auf Wunsch tippe ich mein Reisetagebuch zumindest auszugsweise ab. Fotos stelle ich lieber bei Facebook rein, das sind so viele.

Was ich gelernt habe
Ich kann
– Koreanisch lernen, wenn ich guten Unterricht habe
– mich mit wenig Sprachkenntnissen in einem Land zurechtfinden
– einem haarsträubend nationalistisch verbrämten Vortrag zuhören und dabei den Wunsch unterdrücken, Streit mit dem Redner anzufangen

Ich kann nicht
– Taekwondo, vor allem nicht mit Muskelkater
– mir einen kompletten Tanz in kürzester Zeit merken – vermutlich aber auch nicht in längerer
– Töpfern
– Fächer schön beschreiben – oder überhaupt in irgendeiner Schrift schön schreiben
– Trommeln, vor allem nicht im Rhythmus
– mir selber Spritzen setzen (Thrombosegefahr beim Flug; ich treffe immer ein Blutgefäß – der Fleck ist schön bunt geworden)
– mich elegant Verbeugen

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