Es war ziemlich anstrengend, aber im Nachhinein auch sehr schön. Obwohl ich zwischendurch gedacht hab, ich will nicht mehr!!! Ich meine, auf einer Freizeit hat man viel weniger Möglichkeit, das eigene Handeln zu reflektieren und etwas zu planen, alles muss flüssig aufeinander folgen und wenn man nicht richtig vorbereiten konnte, muss man eben spontan sein. Ich hätte gerne mehr reflektieren können, immerhin war es meine erste Freizeit, in der ich als Mitarbeiter mitgefahren bin, und dann war ich direkt eine Hauptamtliche in einem Team, das ich kaum und mit Kindern, die ich gar nicht kannte. Obwohl ich mich noch sehr unerfahren fühle.

Aber ok. Dafür hatten wir einen sehr guten Betreuerschlüssel, mit 8 Betreuern auf 19 Kinder. Da konnten wir wirklich sehr gut auf die Kinder eingehen.

Am Anfang hab ich erstmal so gedacht, was erwartet mich hier? und konnte eigentlich nur wenig helfen, weil ich einfach auch nicht wusste, was und wo. Außerdem fält es mir nicht leicht, mir mehrere Namen auf einmal zu merken. Die erste Rückmeldung, die ich mir nach ein paar Tagen von ner erfahreneren Kollegin geholt hab, war entsprechend. Aber das hab ich schon erwartet. Sie meinte, dass sie nicht weiß, ob ich die Freizeit in Zukunft wirklich leiten kann, weil ich vieles nicht wahrnehme, gleichzeitig an alles denken kann, was mit der Freizeit irgendwie zu tun hat und auch so konkrete Situationen. Halt, dass ich bei einem Museumsbesuch hätte für Ruhe sorgen sollen oder ich hätte mithelfen sollen, nach einer AG aufzuräumen usw. Gut, so eine Rückmeldung is nicht angenehm, aber ich war froh, dass sie es mir gesagt hat, schließlich: Wie soll ich es sonst lernen?

Jedenfalls hab ich danach gedacht, so, jetzt machst du es besser, du hast schließlich schon früher bewiesen, dass du es kannst und Gott hat dir die Stelle nicht gegeben, damit du sie sofort wieder verlierst (Probezeit!), also: Naja, dann hab ich eben erst ziemlich oft gefragt, wo ich was helfen kann, aber nach einiger Zeit hab ichs selber gesehen. Außerdem haben wir mit den ganzen Kindern und Betreuern das Mörderspiel gespielt, das is gut, muss ich mir merken. Wenn ich auf einer Freizeit Schwierigkeiten hab, die ganze Gruppe zu sehen und nicht nur einzelne Leute, muss ich das mit ihnen machen: Durch Zufall wird einer der Gruppe der „Mörder“ und muss die anderen umbringen (Natürlich nur im Spiel) ohne erwischt zu werden. Da muss man eben immer alle im Auge behalten, wer wo mit wem wann war und was gemacht hat, weil man nur so rausfinden kann, wer der Mörder ist. Das dauerte glaub zwei Tage, bis wir den Übeltäter gefunden haben. Dadurch konnte ich aber einen viel besseren Blick für die Gruppe entwickeln. Außerdem hats Spaß gemacht.

Hätte trotzdem mehr vorarbeiten können, das hab ich gemerkt. Zum Beispiel hätte ich die Namen aus der Teilnehmerliste auswendig lernen können. Das klingt jetz albern, aber weil ich mir so schlecht Namen merken kann… vielleicht hätte es geholfen. Außerdem hätte ich die Morgenandachten vorbereiten können, die wir auf den Zimmern gemacht haben. Dann hätte ich nicht so oft improvisieren müssen. Naja, nächstes mal bin ich schlauer. (Dann werd ich auch ne Armbanduhr mitnehmen, damit ich sicherer bin und nen Regenschirm, es ist schon komisch, wenn man den Kids sagt, nehmt Regensachen mit und selbst keine hat oder Hausschuhe, die die Kids auch tragen mussten xD)

Die nächste Rückmeldung, die ich am Ende der Freizeit gekriegt hab, war auf jeden Fall viel Positiver, sie meinte, dass sie beobachtet hat, dass ich es besser gemacht hab. Schön, wenn andere bemerken, dass man an sich arbeitet.

Hier noch ein paar Situationen von Lachen zu Weinen von der Freizeit: Ein Mädchen ist mir gleich am ersten Tag aufgefallen, saufrech, beleidigend, laut, konnte kaum vernünftig mit einem reden, man wurde sofort angeschnauzt. Aber als sie sich ans Klavier gesetzt hat und etwas für den Bunten Abend eingeübt hat, war sie wie ausgewechselt, dass ich mich gefragt hab, was ist mit der unfreundlichen Sarah passiert??? Oder ein wahnsinnig cleverer Junge, der von anderen wegen seinem umfangreichen Wissen und seiner Intelligenz als Streber verarscht wurde (gut, er hat auch schonmal ein bisschen damit angegeben), der aber in mehrern Spielen, wo man kombinieren muss, seiner Gruppe den ersten oder zweiten Platz beschert hat. Und jetz was Heftiges: Während einem Kindergottesdienst haben die Kinder Gebete aufgeschrieben, die wir später laut gebetet haben. Eines der Kinder hat geschrieben, bitte mach, dass es meinem Großvater für das, was er getan hat, nicht mehr gut gehen wird und lass mein Bruder wieder fröhlich werden. Wir haben uns im Team gefragt, wer das geschrieben hat und was das Kind damit gemeint hat. Wir dachten, es ginge vielleicht um sexuellen Missbrauch und dann hätten wir was unternehmen müssen. Aber einige Tage später ist eine der Betreuer in die Teambesprechung gekommen, völlig am Weinen und meinte, sie wisse jetzt, was mit diesem Gebet gemeint war: Der Großvater eines der Kinder ist in der Familie Amok gelaufen und hat den Bruder des Kindes auf es gehetzt, er solle das Kind umbringen. Und das ist bei dem Kind auf der Freizeit wieder hoch gekommen, obwohl es schon mehrere Jahre her ist. Das war einfach heftig. Sie konnte dann auch ein paar Nächte nicht mehr schlafen (Also das Kind, meine ich) und wir mussten ein bisschen tricksen, damit es wieder geht. Dann hatten wir noch zwei Kinder, deren Vater sieben Monate in Afganistan war und genau am selben Tag wie die Kinder wieder zurück kommt. Im Bus dann, als wir die Eltern schon sehen konnten, saß er neben mir und guckte ganz komisch, hatte feuchte Augen. Eine andere Betreuerin meinte dann: „Tom, was ist denn los???“ und der Junge dann: „Da ist mein Papa!“ und ich hab ihn dann in den Arm genommen und gesagt: „Worauf wartest du dann noch? Mach, dass du zu ihm kommst!“ Ich hätte fast vor Rührung mitgeheult xD und Tom hat seinen Vater nicht mehr losgelassen.

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