Am Montag ist die erste Klausur (Japanisch) und am Donnerstag die zweite (Koreanisch). Und ich bin kurz vorm Schreikrampf, weil ich überhaupt nichts mehr kann und auch heute beim letzten Probetest kaum etwas wusste.

Deshalb habe ich heute den halben Vormittag damit verbracht, mich über die Uni aufzuregen. Ja, mir ist schon klar, die wollen nur sieben. Die wollen die haben, die durchhalten. Die WOLLEN die 60% Durchfallquote. Und das war ja in Biologie nicht so anders. Der Unterschied ist nur: Jetzt im Bachelor zählt jede Note. Da reicht es nicht, mit 4+ zu bestehen. Zumindest nicht, wenn man einen Masterstudienplatz haben möchte. Und trotzdem stellen sie weiterhin diese schweren Sieb-Klausuren. Klar, es gibt ja auch nur für einen Bruchteil der Bachelorstudenten wirklich einen Masterplatz. Also lieber möglichst viele durchfallen lassen, damit man sagen kann „Wir haben ja nur 100 Bewerber, und die kriegen alle einen Platz“.

Ich denke mal, den Professoren ist auch klar, dass die Wenigsten 150 Vokabeln die Woche, jede Woche (bei 2 Sprachen), und ca 40 Schriftzeichen lernen können. Außer ein paar wirklich Hochbegabte, denen das zufliegt. Das schaffe ich zumindest nur die ersten paar Wochen, dann habe ich irgendwann das Gefühl, dass in meinen Kopf nichts mehr reingeht. Das wissen die Lehrer selber, und trotzdem kriegt man immer wieder so Sprüche wie „Was im Unterricht gemacht wird, ist nur das Minimum, ansonsten wird von Ihnen erwartet, dass Sie selber „ihren Wortschatz erweitern“ durch Lesen Japanischer Seiten im Internet etc.“. Die meisten Studenten sind froh, wenn sie alle Hausaufgaben und das Lernen schaffen.

Heute meinte dann eine Komilitonin, es ginge ja beim Uni Abschluss weniger um das Fach und die Inhalte, als vor allem darum, zu zeigen, dass man unter höchstem Druck noch beste Leistungen erbringen kann. Ansonsten gäbe es ja keinen Grund, einen Studenten zu nehmen anstatt jemanden, der in dem Bereich eine Ausbildung gemacht hat. Als ich sagte, ich studiere es, um die Sprachen zu können, hat sie mich halbwegs ausgelacht und gemeint, damit käme ich nicht weit. Hinterher lande man eh in einem ganz anderen Arbeitsbereich, es ginge im Studium nur darum, ein Zeugnis zu kriegen, auf dem oben „Universität“ steht.

Wenn ich so schaue, wie es heute abläuft an der Uni, dann hat sie wohl nicht so Unrecht. Nicht wenige Professoren bei uns scheinen das Studium als bloßes Drillsystem zum Sozialdarwinismus, zu sehen, der dann so auch im Beruf weitergeführt wird. Es gilt, zu lernen, unter höchsten Ansprüchen noch doppelt so viel zu leisten, wie erwartet wird, dafür auf keinen Fall ein Lob zu erwarten. Denn das was man macht ist ja reine Mindestanforderung. Und man soll verstehen, dass niemand bei Problemen auf einen eingehen oder gar Rücksicht nehmen wird, weil man diese irgendwie mit sich selbst auszumachen hat.

Ich habe mal gelesen, früher soll die Uni ein Ort der Forschung und Lehre gewesen sein, an dem man versucht, ein Thema zu durchdringen und zu verstehen, um dabei selber zu wachsen. Muss das schön gewesen sein…

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