Seit fast einer Woche, letztem Samstag, bin ich für die Pfingstferien wieder zuhause bei meinen Eltern. Und wirklich, ich weiß wieder genau, warum ich sonst nicht zu Besuch komme, obwohl es doch recht nahe ist. Nachdem ich eigentlich gedacht habe, meine Mutter hätte sich geändert und wäre ruhiger geworden, hat sie diese Woche wieder extreme Stimmungsschankungen gehabt. Also, mal war sie fröhlich und dann von jetzt auf gleich entnervt und hat rumgemotzt und geschrien. Wie gerade eben, als sie wieder – naja, nicht geschrien, aber in diesem total entnervt-wütendem Tonfall – gezetert hat, das wäre ihr alles zuviel hier, wir würden sie wahnsinnig machen und so. Ihre üblichen Standardsprüche. Jetzt redet sie gerade ganz normal mit Papa, also scheint sie sich wieder beruhigt zu haben. Außerdem hat sie die Zeit, die ich nicht da war, genutzt, um schonmal mein ganzen Leben vorzuplanen.
Als erstes hat sie mir mal eröffnet, dass ich mich ja besser auf Koreanisch konzentrieren sollte und den Master auch nur in Koreanisch machen soll. Oder vielleicht gleich ganz mit Japanisch aufhören. Weil, so meint sie, Japan sei ja jetzt auf dem besten Weg in die Krise und in den nächsten 10 Jahren können man wirtschaftlich nichtmehr mit ihnen rechnen. Korea dagegen hat gute Beziehungen zu Deutschland und ist eine starke Wirtschaftsmacht. Es ist ja völlig egal, dass mir Japanisch viel mehr liegt und ich besser darin bin. Sie hat sogar angedeutet, ich müsse ja Japanisch nicht ganz zum Ende vom Bachelor durchmachen. Den ganzen Vortrag hat sie in ihrer typischen Monologweise heruntergerattert, die mich immer so aggressiv macht, weil sie sich 1. mindestens dreimal wiederholt und am Ende nochmal von vorne anfängt und 2. bei Adam und Eva anfängt. („Du weißt ja, wir finden das sehr gut, dass du das studierst. Und Japanisch war auch eine gute Wahl. Du hast ja auch das mit Kyoto gut gemacht. Und jetzt im Sommer mit Korea die Sache ist auch etwas tolles…..“) Ich denk mir dann immer nur „Komm.Zum.Punkt!“. Naja, ich habe dann eingeworfen, dass mir Japanisch eher liegt, aber sie hat dann nur eine weitere Aneinanderreihung inhaltsloser Sprüche losgelassen. („Naja, wir schaun mal. Wir beißen uns da durch. Du hast bis jetzt immer alles so gut in den Griff bekommen“-> 2 Cent für jedes Mal, dass ich diese Sprüche gehört habe.)

Das zweite Familienproblem betrifft meinen Bruder. (Falls du das zufällig irgendwie liest: Ja, ich mache mir Sorgen um dich!) Seit dem Geburtstag meines Vaters im März haben wir kaum noch was von ihm gehört. Von sich aus meldet er sich nicht, ich habe ihn nur mal gesehen, als er bei Annika zu Besuch war. Bei meinen Eltern hat er sich wohl seitdem nichtmehr gemeldet. Jetzt habe ich gehört, wie meine Mutter gesagt hat, sie habe keinen Bock mehr und wenn er nichts mehr mit uns zu tun haben wolle, dann wäre das seine Entscheidung. Auf meine E-Mails reagiert er auch nicht. Der Eindruck, den ich die Male, als wir uns gesehen haben, bekommen habe, ist, dass es mit seiner Verpeiltheit oder Verwirrtheit immer schlimmer wird. Dass er sich 1000 Dinge vornimmt – mehr Joggen, mehr Yoga üben, mal wieder meditieren, gesund essen – und nichts davon schafft. Er meinte zum Beispiel, er habe sich vorgenommen, wieder jeden Tag abends zu meditieren, aber dann habe er abends doch keine Lust dazu. Oder, er wolle ja eine Meditationsgruppe suchen, aber es sei halt noch nicht dazu gekommen. Seit über einem Jahr. Er hat vor seinem Auszug ja schon immer irgendwelche Lebenshilfe-Meditations-Bücher gelesen, immer was Neues, mal Zen, mal Yoga, und ich habe den Eindruck, er sucht nach DER Formel, DER Erklärung, mit der er endlich sein Leben ordnen kann. Und sieht dabei vor lauter Bäumen den Wald nicht.

Zum Schluss noch eine kleine Buchempfehlung: „Vier Töchter und ein arabischer Prinz“, aus dem Verlag SCM Hänssler. Darin werden Geschichten erzählt, was Leute mit Gott erlebt haben. Und das wirklich tolle Sachen dabei. Ich würd ja hier was posten, aber das könnte Ärger geben mit dem Urheberrecht. (Vielleicht schicke ich dir mal ein oder zwei per E-Mail, bith.)

Für Fil:

Die alten Pfade ausgetreten, gerade noch nicht zu tief zum Entkommen.

Erinnerungen wie Blei an den Füßen, in eine Kiste verpackt,

versenkt auf dem Meeresgrund.

Dem Sturm grade noch entkommen, vor dir ein Sonnenstrahl in der Wolkendecke.

Tausend Ideen im Kopf, tausend Gründe, weiter gradeaus zu gehen.

Kein Einziger, umzukehren

(Ich weiß nicht, von wem das ist. LG Bithja)

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