Wer auf das hört, was ihm beigebracht wird, ist erfolgreich; und wer dem Herrn vertraut, der findet Glück.
(Sprüche 16,20)
Jeder Christ kennt sie: die Geschichten der Bibel von besonders gottesfürchtigen Menschen, die aufgrund ihres Glaubens und Vertrauens in Gott Hilfe erfuhren und ein gutes Leben hatten. Da sind die Schlachten Israels, in denen der HERR dieser kleinen Armee den Sieg schenkte. Oder auch nur einer Person, man denke nur an David gegen Goliath. Und die vielen kleinen und großen Erfolgsgeschichten von Menschen, die auf Gott vertraut haben, „seinen Weisungen gefolgt sind“ (wie es immer so schön heißt) und damit belohnt wurden, dass Gott all ihre Vorhaben gelingen ließ.
Hiskia vertraute dem Herrn wie kein König von Juda vor ihm und nach ihm.
Er liebte den Herrn und diente ihm. Er hielt sich an alle Gebote, die der Herr einst Mose für Israel gegeben hatte.
Darum stand der Herr ihm bei und ließ ihm alles gelingen, was er unternahm.
(2.Könige 18,5-7)
Man könnte wirklich manchmal meinen, wenn einer als Christ zu Gott gehört, dann müsse sich das irgendwie in weltlichem Erfolg zeigen. Dann muss Gott doch auch meine Vorhaben gelingen lassen. (Und zwar bitte alle. Sofort.)
In einigen christlichen Strömungen, wie dem Calvinismus oder Teilen des Protestantismus wird dies auch genau so gesehen: Erwählung durch Gott zeige sich in materiellem Wohlstand, sagen sie.

Als ich heute morgen den aktuellen Text für den Bibelmarathon (= in einem Jahr durch die ganze Bibel) las, wurde mir wieder einmal bewusst, wie falsch diese Ansicht ist.
In 1.Mose 26 lesen wir von Isaak, dem Sohn Abrahams. Nachdem Gott mit Abraham seinen Bund geschlossen hat, fängt eigentlich alles ganz gut für ihn an: Gott spricht zu ihm, erneuert seinen Bund und sagt: „Bei allen Völkern der Erde wird man dann zueinander sagen: ‚Gott segne dich wie die Nachkommen Isaaks!‘ “ Und zuerst geht es auch steil bergauf: er zieht ins Land der Philister und wird reich. Doch dann werden die Leute neidisch. Sie wollen Isaaks Hirten von den Quellen vertreiben und sagen: „Das sind unsere Quellen.“ Schließlich schütten sie sogar einen seiner Brunnen zu. Und, als Isaak einen neuen graben lässt, auch diesen. Isaak zieht von dort weg, um seine Ruhe zu haben.
Aber auch sonst läuft nicht alles glatt für Isaak. Sein Sohn Esau heiratet gleich zwei Frauen mit einer fremden Religion (Hetiterinnen). Und dann war da natürlich noch die Sache mit Jakob, seinem anderen Sohn, der sich kurz vor Isaaks Tod als sein älterer Bruder ausgab, den Segen für den Erstgeborenen erschlich und daraufhin derart in Streit mit Esau geriet, dass dieser ihn umbringen wollte.

Obwohl Isaak eine enge Beziehung zu Gott hatte, und obwohl Gott ihm großen Segen versprochen hat, hatte er alles andere als ein bequemes, problemfreies Leben. Ich denke, das sollte uns ermutigen, wenn es uns schlecht geht, oder alles schief zu laufen scheint.
Von Gott gesegnet zu sein, oder nach außen – für die Welt – gesegnet zu erscheinen, sind manchmal zwei verschiedene Dinge.

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